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Donnerstag, 13.12.2018

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Von der Intimrasur zur Reise ins Unterbewusste

Performances und Tanztheater beim "Arena"-Festival — Feministisch-ironische Betrachtungen und die Innenwelt - 09.06.2018 18:00 Uhr

Assoziationskette weiblicher Befindlichkeiten: Szene aus „Handlungseintopf – eine feministische Auseinanderreihung in zehn Akten“. © Fotos: Harald Sippel, Harald Hofmann


Ob Weiblein oder Männlein – wenn jemand ganz irrational und konzeptlos tut, worauf sie/er Lust hat, dann kommt als Ergebnis stets eine mehr oder weniger gelungene Assoziationskette raus, die Geschlechter stehen sich da in nichts nach. "Handlungseintopf – eine feministische Auseinanderreihung in zehn Akten" ist so ein Ding, das im "Omega" ziemlich munter vor sich hin mäandert und in seinen inhaltlichen Aspekten – vordergründig – von etwas zwiespältiger Natur ist. Das "Sächsische Schweiz Kollektiv", das als "Arena"-Preisträger des vergangenen Jahres nun gemeinsam mit Erlanger Studentinnen die diesjährige "Arena"-Koproduktion entwickeln durfte, setzt stark auf physische Aktivitäten – und natürlich auf das gesprochene, manchmal auch gesungene, Wort.

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Licht und Schatten: Eröffnung des Arena-Festivals in Erlangen

Knalleffekte wie ein Raketenstart, dann wieder ruhige Momente, in denen das Publikum mit Lichtpfeilen angelockt wird: Beim Auftakt des Arena-Festivals in Erlangen lieferten "Cloud Theatre" eine Licht- und Schattenshow.


Nach assoziativen Sprachspielereien und Erinnerungsfetzen präsentieren die vier Akteurinnen in großer Mitteilsamkeit Gedanken über Achselhaare, Intimrasur, über große und kleine Brüste, über das Begrifflichkeits-Trio "Engel, Lady, Hure" in unterschiedlich inszenierten Sequenzen. Was der weibliche Körper alles mit einem Treppengeländer anstellen kann, wird ebenfalls ins Bild gerückt. In der bloßen Aufzählung hört sich das feministisch-verbiesterter an, als es in der Ausführung ist. Nein, so klischeehaft die Themen daherkommen, so augenzwinkernd werden sie "bearbeitet".

Da singt dann auch mal "Kollektiv"-Chefin Saskia Rudat mit angeklebtem Schnurrbart davon, dass sie keinen rasierten Mann möchte, und Herbert Grönemeyers "Männer"-Song wird vierstimmig konsequent zum "Frauen"-Lied umgedichtet. Geht doch: Die Feminismus-Kiste kann zuweilen auch lustig sein.

 

Innere Zustände nach außen gestülpt: Mareike Buchmann in der Performance „Die Unruhe“. © Fotos: Harald Sippel, Harald Hofmann


Nebel in der E-Werk-Clubbühne. Nur schemenhaft ist eine Frau im weißen Overall auszumachen, die sich im flackernden Leuchtstoffröhren-Licht pantomimisch auf den Weg macht – laut, weil mit klappernden Dosen in den Hosenbeinen. Vom Fleck kommt sie deswegen noch lange nicht. Mareike Buchmann von der Gruppe "Impuks-m" zeigt in "Die Unruhe" eine verrätselte, aber atmosphärisch-hypnotische Reise ins Unterbewusste, eine Reise in die eigene Vorstellungswelt.

Text, Licht, Kostüme, Sounddesign und der Körper der Künstlerin visualisieren die nach außen gestülpte Innenwelt der Protagonistin. Starker Eindruck! 

MANFRED KOCH

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