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Doch, doch, das ist Shakespeare, voll und ganz. Aber natürlich mit dem üblichen Kniff, aus der Ggenwart heraus dem Altmeister zu begegnen. Der verträgt’s bekanntlich, diese schamlose Inbesitznahme, die die Einschätzungen dieses Zugriffs aber nicht selten von „ganz launig“ bis „passt schon“ changieren lässt. Und manchmal ist es auch bloß sinnlos.
Die Akteure des Theaters Lübeck wissen mit dem „Wie es euch gefällt“-Stoff so einiges anzufangen, und bleiben konsequent bei ihrer janusköpfigen Gestaltung: Hier die eminente Neigung zu Jux und Dollerei, dort der „echte“ Shakespeare mit immanentem Melancholie-Rand. Regisseur Patrick Schlösser siedelt die Komödie in einem gekachelten Umkleideraum (wörtlich zu nehmen) mit Spind-Wand an, die Waldler tragen Trachtenjanker, ein riesiger Wildsau-Kopf wird aufgetischt, man freut sich des Lebens in choreografierter Zeitlupe, im Hintergrund sitzt der Tonmeister vor seinem Laptop.
Nochmal: Das ist Shakespeare, und sogar gute Unterhaltung. Warum? Weil das spielfreudige, durch und durch schalkhafte Ensemble völlig unprätentiös durch diese flirrende Verwechslungs-Herz-Schmerz-Kiste turnt. Die Lübecker halten ein Shakespeare-Gebräu am permanenten Köcheln, das voller Ironie, Tragikomik, Blödeleien und Slapstick steckt und deshalb auch so leger vor sich hin dampft.
Entertainment der lockeren Sorte, wenn auch zuweilen ... naja. Der Großmeister aus Stratford-upon-Avon ist wahrlich unkaputtbar.
Es war das Kinoereignis 1984, aber schon vorher hatte Peter Shaffers Drama „Amadeus“ auf den internationalen Bühnen kräftig abgeräumt. Was für eine Geschichte: Antonio Salieri, umschwärmter Komponist am Hofe Kaiser Joseph II., ist ob des sensationellen Erfolgs des Wundermenschen Mozart verbittert und richtet ihn intrigant zu Grunde. Freilich bloße Spekulation, aber was lassen sich aus einem solchen Stoff für theatrale und theatralische Effekte gewinnen!
Die Württembergische Landesbühne Esslingen setzt genau da an – und knallt einen Theaterkrimi auf die Bretter, der sich seiner immensen Unterhaltsamkeit zu jeder Zeit be-wusst ist. Regisseur Manuel Soubeyrand braucht nur ein mobiles Tür-Wand-Bühnenbild, das reicht, denn das Drama ist zutiefst menschlich. In der extensiven Szenenhaftigkeit des Stückes agiert ein Ensemble, das spannungsgeladen durch ein Abenteuer surft, das viele Gelegenheiten für dramatische Begegnungen bietet und diese auch so weidlich wie effektiv nutzt. Wie Dramaturgie funktioniert, nämlich als Einklang von Text und Emotion, wird hier exemplarisch vorexerziert. Den Schauspielern bei der Arbeit zuschauen oder einfach nur der Handlung folgen – in jedem Fall: Große Oper!
