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Von Wegen Lisbeth: Seltsames im Plastik-Dschungel

Pop-Band aus Berlin war zu Gast im ausverkauft E-Werk-Saal in Erlangen - 07.10.2017 11:30 Uhr

Im Retro-Hemd: Sänger Matthias Rohde. © Katharina Tontsch


Man hat es wohl Doz Zschäbitz zu verdanken, dass es im E-Werk-Saal ein bisschen so aussieht wie in einer schlecht eingerichteten Lobby aus den siebziger Jahren. Die Bühne ist getarnt mit Plastikpalmen, Schmetterlingen und sogar einem Flamingo – passend zum Album-Cover.

Denn auch das Deckblatt von "Grande" wirkt auffällig botanisch. Gitarrist Doz Zschäbitz kümmert sich auch um viele Kunstprojekte. Eines war das Cover, und nun wohl auch die Bühnen-Gestaltung auf der "Hallo Dispo-Tour", die die fünf Berliner nach Erlangen brachte.

Im Gepäck hatte die Pop-Gruppe deutsche Texte vom Allerfeinsten und natürlich allerlei ungewöhnliche Instrumente. Auf der Bühne packen die Berliner ihre Triangel, ein japanisches Omnichord (elektrische Harfe, Wert 2,50 Euro), eine Steeldrum (vergleichbar mit einer chinesischen Wokpfanne) oder ihren heißgeliebten Regenbogenachttästler aus. Letzteres stellt der Gitarrist sogar gesondert vor (buntes Metallophon, empfohlen ab drei Jahren).

Selbst wenn Matthias Rohde nur Gitarre spielt und singt, wirkt es ein wenig seltsam. Der Musiker mit den braunen Bubi-Haaren trägt eine schwarze Adidas-Joggingshose, Sneaker und ein unförmiges, gestreiftes Retro-Hemd. Im Takt wippt er mit den Knien und tanzt wie man es nur neben einem pinken Plastik-Flamingo machen kann.

Von Wegen Lisbeth ist also nicht nur Musik zum Zuhören, Mitsingen und Mitfühlen, sondern auch zum Zuschauen. Sänger Rohde, Gitarrist Doz Zschäbitz und Robert Tischer (offiziell Percussion, aber auch Triangel) wuseln über die plastikbepflanzte Bühne, tauschen die Instrumente oder klimpern auf bunten Tasten herum. Matthias Rohde trägt zeitgleich die meist von ihm selbst geschriebenen Songtexte vor.

Thema sind Absurditäten des Alltags, genauso wie die Selbstdarstellung in den sozialen Medien, Anti-AfD-Parolen und natürlich – Mädchen. Viele Fans im ausverkauften Saal können alle Texte mitsingen, sogar die der etwas älteren Lieder. Manchmal überrascht das den Frontmann selbst. Erlangen galt bislang nicht zwingend als Lisbeth-Hochburg.

Vor drei Jahren, als die Band zum ersten Mal zu Besuch war, übernachteten die Musiker noch über Couchsurfing. Mittlerweile sind die Berliner deutschlandweit bekannte Popstars. Mit einem Faible für Seltsames.