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Freitag, 17.08.2018

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Walking für das Gehirn in Eckental

Die Volkshochschule bietet eine neuartige Kombination von Wandern und kognitivem Training an - 26.05.2018 11:00 Uhr

Vom Eckenberg machte sich die Gruppe Richtung Ebach auf — unterwegs gab es auch für den Denkapparat immer wieder Herausforderungen. © Fotos: Scott Johnston


Die zertifizierte Gesundheitswanderin Sabine Adler aus Forth stellte am Parkplatz auf dem Eckenberg, dem Startpunkt für diese besondere Form der Fortbewegung, kurz die Ergebnisse einer Studie vor, die das Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegeben hatte. Hierbei konnte nachgewiesen werden, dass beim Wandern neben den übrigen Gefäßen auch das Gehirn stärker durchblutet und mit mehr Sauerstoff versorgt wird. Dies wiederum regt die Bildung neuer Zellen und Nervenstränge an. Der schleichenden Vergesslichkeit im Alter wird so auf natürliche Weise vorgebeugt beziehungsweise gegengesteuert.

Nach dieser wissenschaftlichen Einleitung folgten die ersten praktischen Schritte. Sie führten bis zum Flurstück Mausloh, wo sich ein herrlicher Blick auf den Hetzles, den Lindel- und den Küheberg bot. Wenn Sabine Adler von den Burgen erzählte, die sich dort einst befanden und von denen teilweise noch Überreste vorhanden sind, wurden die grauen Zellen sofort angespornt.

Vor allem eine Frage ging einem nicht mehr aus dem Kopf: Woher kommt eigentlich der Name der nahen Ortschaft Mausgesees? Saß hier in langsameren Zeiten eine Maus auf ihrem Allerwertesten?

Mitnichten! Ein flinker kleiner Mann wurde im Mittelalter "muso" gerufen. Die Endung "-gesees" verweist auf eine Siedlung. Vermutlich war der Gründer des Dorfes ziemlich geschäftig unterwegs und nicht gerade ein Riese.

Nach dieser kleinen Lerneinheit wurden erneut die Wadeln gefordert. Durch Ebach ging es zu den Weihern des Eckentaler Fischereivereins. Wer es bislang nicht geschafft hatte, seine beiden Gehirnhälften sauber zu koordinieren, erhielt hier einen Crashkurs.

Wechselseitig mussten Arme und Beine gebeugt und gestreckt werden. Mit Geduld und Konzentration gelang dies bei jedem — nicht immer filmreifen — Versuch ein bisschen geschickter. Auf einem Handout, das Sabine Adler verteilte, konnten noch einmal die Hauptaufgaben der verschiedenen Bereiche in unserem Gehirn nachgelesen werden. Und mit den Neuronen verhält es sich nicht viel anders als mit den Menschen: Wenn sie sich darauf einigen zusammenzuarbeiten, sind die Ergebnisse weit optimaler, als wenn sie sich zanken. Durch bestimmte, oft ungewohnte motorische Abläufe kann die Interaktion zwischen logischem und kreativem Denken gezielt gefördert werden.

Kaum war der Mühlbach überquert, wurde es knifflig. Die Trainerin für Körper und Geist hatte vorab Fächer mit jeweils sechs Buchstaben gebastelt. Daraus Wörter formen — eine wahrlich leichte Übung!

Denkste! Hgiren? Rheing? Neghir? Klingt alles komisch. Dabei ist die Lösung so einfach: Gehirn. Hering wäre auch gegangen. Auweia: So ein Coaching für Muskeln und Oberstübchen war wohl überfällig.

Sabine Adler baut stets unterschiedliche Übungen in die Wanderabschnitte mit ein. Zum einen achtet sie darauf, dass durch Gymnastik neben den Beinen der ganze Körper beansprucht wird. Zum anderen streut sie Aufgaben ein, mit denen sich unser Gedächtnis, das Vorstellungsvermögen oder das analytische Denken verbessern lassen. Tipps zum richtigen Gehen und Atmen runden die Anregungen ab.

Die 53-Jährige, die hauptberuflich einen Master-Studiengang für Multimedia-Didaktik an der Universität in Erlangen betreut, absolvierte eine Ausbildung zur Wanderführerin und eine Fortbildung als Gesundheitswanderin beim Deutschen Wanderverband. Zudem besuchte sie die Kneipp-Akademie. Führt die Route an einem passenden Gewässer vorbei, erläutert sie daher auch, was beim Kneippen zu beachten ist.

Vielleicht beim nächsten Mal. Bald tauchte nämlich bereits wieder der Eckenberg hinter einer Waldspitze auf. "Ich hätte nicht gedacht, dass die Zeit so schnell vergeht", kommentierte eine Branderin und zog ein erstes Resümee: "Wir haben viel gelernt, ohne es groß zu merken."

Nach sieben Kilometern alias zweieinhalb Stunden sorgte eine Pizzamassage für den Schlusspunkt. Gegenseitig kneteten sich die Teilnehmerinnen den Rücken, streuten Tomatensauce darauf, hackten Zwiebeln und krönten das Ganze mit bitzelnden Gewürzen — alles virtuell versteht sich.

Das Entscheidende ist nun, all die Impulse des Brainwalkings in den Alltag zu integrieren. Deshalb hoffen Sabine Adler und ihre Mitwanderinnen, dass möglichst über die Volkshochschule in Eckental hierzu eine feste Gruppe zusammenfindet.

Viele Krankenkassen erkennen das Gesundheitswandern, wenn es von entsprechenden Fachkräften geleitet wird, in ihren Bonusprogrammen an.

Weiterführende Informationen im Internet auf www.gesundheitswanderfuehrer.de  

SCOTT JOHNSTON

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