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Wann soll man Bänder reinigen, die nonstop laufen?

Privatbäcker in Neunkirchen über Sauberkeit in der Backstube - 14.02. 17:00 Uhr

NEUNKIRCHEN/BRAND  - Der Hygieneskandal bei Müller-Brot und in einer weiteren Industriebäckerei in Aschaffenburg hat viele Verbraucher aufgeschreckt. Die Vorstellung von Schaben, Lebensmittelmotten und Mäusen in den Räumen der Backfabrik und sogar in den Zutaten lässt den Appetit vergehen. Die EN sprachen mit Leonhard Merkel, dem letzten Privatbäcker in Neunkirchen, über den Hygieneskandal, Großputz in der Backstube und Katzen, die ums Haus schleichen.

Bäckermeister Leonhard Merkel bäckt Faschingskrapfen. Er ist der letzte Privatbäcker in Neunkirchen und arbeitet in seiner Backstube mit Tochter Claudia, die Konditormeisterin ist, und einer Auszubildenden.
Bäckermeister Leonhard Merkel bäckt Faschingskrapfen. Er ist der letzte Privatbäcker in Neunkirchen und arbeitet in seiner Backstube mit Tochter Claudia, die Konditormeisterin ist, und einer Auszubildenden.
Foto: Harald Hofmann
Bäckermeister Leonhard Merkel bäckt Faschingskrapfen. Er ist der letzte Privatbäcker in Neunkirchen und arbeitet in seiner Backstube mit Tochter Claudia, die Konditormeisterin ist, und einer Auszubildenden.
Bäckermeister Leonhard Merkel bäckt Faschingskrapfen. Er ist der letzte Privatbäcker in Neunkirchen und arbeitet in seiner Backstube mit Tochter Claudia, die Konditormeisterin ist, und einer Auszubildenden.
Foto: Harald Hofmann

Herr Merkel, wie kann es passieren, dass in einer Backfabrik so katastrophale hygienische Zustände herrschen?

Leonhard Merkel: In den Industriebäckereien arbeiten die Menschen in Schichten, und die Bänder laufen nonstop. Wann soll man die dann reinigen? In meiner Backstube läuft kein Band. Ich backe meinen Tagesbedarf und mache anschließend die Backstube und die Maschinen sauber. Wenn einem die Maschinen selber gehören, ist man natürlich auch anders darauf bedacht, dass sie gepflegt werden. Reinigungsarbeiten finden in meiner Backstube außerdem auch an freien Tagen statt.

Können Sie verstehen, dass es in einer Fabrik, in der Lebensmittel hergestellt werden, so schmutzig zugeht?



Leonhard Merkel: Das darf natürlich keinesfalls passieren! Die Angestellten dort haben das ja auch gemeldet. Die Behörden haben Auflagen gemacht. Der Besitzer hat offenbar horrende Strafen gezahlt, ist aber trotzdem nicht eingeschritten. Der Preisdruck ist so hoch, das zum Saubermachen keine Zeit bleibt. Und jetzt sind deswegen allein bei Müller 1100 Arbeitsplätze gefährdet.

Auch Sie bevorraten sich mit Backzutaten. Wie verhindern Sie Ungeziefer?

Leonhard Merkel: Man muss alles ständig kontrollieren. Vor allem, wenn man Lieferungen bekommt. Ich schaue mir jede Lieferung genau an, damit ich mir nichts einschleppe.  („Wir haben auch eine Katze, die außen ums Haus streicht und dafür sorgt, dass Mäuse gar nicht erst hereinkommen!“, fällt seine Frau ein.)

Wer ist verantwortlich für die Hygiene?

Leonhard Merkel: Ich kann zwar nicht so billig produzieren wie die Industriebäcker, aber ich stehe mit meinem guten Namen und meiner Person hinter den Produkten, die ich herstelle. Ich bin für mein Brot, die Brötchen und die Kuchen verantwortlich und natürlich auch für die Sauberkeit in meiner Backstube. Die kenne ich in- und auswendig, da habe ich den Überblick über jeden kleinsten Winkel. Das ist der Vorteil des Privatbäckers.

Wie oft wird Ihre Backstube gereinigt?

Leonhard Merkel: Wie schon gesagt, hier wird jeden Tag ordentlich saubergemacht. Samstags sind wir schon um 6 Uhr fertig mit allen Produkten, dann steht der wöchentliche Großputz an. Mehrmals im Jahr gibt es zusätzliche Reinigungen: Da werden die Fliesen an der Wand geschrubbt, das Silo und der Backofen-Motor gereinigt. Das lernen bei mir schon die Auszubildenden.

Darf ich mal in Ihre Backstube schauen?

Leonhard Merkel: Gerne, jederzeit. Wer will, darf reinschauen, das ist kein Thema. Ab und zu sind auch Schüler oder Kindergartenkinder mit ihren Lehrern beziehungsweise Betreuern da. Die dürfen sich umschauen, wenn sie lernen, wie und was der Bäcker arbeitet. Mitunter kommen auch Spätheimkehrer vom Fasching oder von der Disco. Die sehen dann früh um 4 Uhr Licht in der Backstube, klingeln und fragen, ob schon was fertig ist, weil sie ja sooo einen Hunger haben. Da wir uns im Ort ja kennen, gebe ich denen schon mal ein paar Hörnchen und mahne sie, ihrer Mutter auch gleich welche mitzubringen. Dafür sind sie dann sehr dankbar.

Haben Sie Reaktionen auf den Müller-Brot-Skandal feststellen können?

Leonhard Merkel: Da fragen Sie besser meine Frau. Die steht im Laden und kriegt so etwas mit.

Monika Merkel: Es hat sich ausgewirkt. Wir haben mehr Kunden in den letzten Tagen, und die Stimmung tendiert deutlich zum Privatbäcker. „Hier weiß man halt, wer bäckt und dass es in der Backstube sauber zugeht“, heißt es.

  



Interview: CHRISTIANE BENESCH

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