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Samstag, 21.04.2018

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Weißes Schloss Heroldsberg in neuer Blüte

Der Geuder'sche Herrensitz ist seit April ein wichtiger Kristallisationspunkt im Markt - 29.12.2017 18:00 Uhr

Eberhard Brunel-Geuder (re.) erläutert den Besuchern kenntnisreich das Schloss, die Ortsgeschichte von Heroldsberg, die Familiengeschichte der Geuders und die Verbindung des Künstlers Fritz Griebel zu Heroldsberg. © Harald Sippel


Dass das so ist, dafür sind zu einem Teil auch die Kulturfreunde Heroldsberg verantwortlich. Sie haben nicht nur 100 000 Euro zur rund 2,4 Millionen Euro teuren Sanierung des Gebäudes beigetragen, sie haben viele Gestaltungsideen eingebracht und sind im Auftrag der Marktgemeinde Betreiber des Kulturschlosses, erzählt Eberhard Brunel-Geuder, Vorsitzender der Kulturfreunde, bei der Führung im Schloss.

Dass sich der Markt Heroldsberg auf das Wagnis der Sanierung des Weißen Schlosses einließ, ist nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken, dass die Maßnahme zu rund 60 Prozent gefördert wurde. Das Nutzungskonzept ist durchaus bürgernah. Neben der musealen Nutzung gibt es in den Räumen des Schlosses auch Instrumentalunterricht des Heroldsberger Musikinstituts. Und man kann sich im Schloss trauen lassen. Über 60 Paare haben in diesem Jahr diesen Rahmen für ihre Hochzeit gewählt. Oder es für andere festliche Anlässe anmieten. "Es hat aber auch schon kleine Konzerte oder Lesungen hier gegeben", beschreibt Brunel-Geuder die Multifunktionalität des Herrensitzes.

Das Weiße Schloss ist nicht besonders groß. Entsprechend hält sich die Zahl der ausgestellten Exponate im Museum in Grenzen. "Ich wollte ja viel mehr ausstellen", lacht Brunel-Geuder," dann haben mich die Experten überzeugt, dass weniger eher mehr ist."

In der Tat kommen schon im Erdgeschoss, das der Ortsgeschichte von Heroldsberg gewidmet ist, wenige Stücke den Kernpunkten der Historie von Heroldsberg recht nahe. Namensgeber des Ortes war ein gewisser Heriwold oder Herigold, den der Kaiser als Ministerialen eingesetzt hatte. Prägend für Heroldsberg wurde die Patrizierfamilie der Geuder, die 1391 die Ortschaft gekauft haben. Sie übten auch die Gerichtsbarkeit bis nach Gräfenberg hin aus. Davon zeugt symbolhaft ein großes Schwert.

Heroldsberg wurde zwar in den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts protestantisch, doch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der damals 3000-Seelen-Gemeinde 1700 Vetriebene angesiedelt und damit hielt auch der Katholizismus wieder Einzug in den Markt.

Jahrzehnte hing Heroldsberg quasi am tropf der Papierwerke, in denen Tempotaschentücher und Camelia-Frauenbinden produziert wurden. Zeitweise fanden hier bis zu 3000 Menschen Arbeit. Da traf der Niedergang des Unternehmens in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts die Gemeinde schwer. Ansiedlung und Ausbau von Schwan-Stabilo taten dem Markt gut.

Die erste Etage des Schlosses ist ganz dem Künstler Fritz Griebel gewidmet, der einen Großteil seines Lebens in Heroldsberg gewohnt hat. Griebel war Professor für Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Aus Privatsammlungen und Ankäufen sowie der Unterstützung der Familie Griebel birgt das Weiße Schloss nun eine große Sammlung an Werken des 1976 verstorbenen Künstlers, die hier gezeigt werden.

Die zweite Etage beschäftigt sich mit der Patrizierfamilie der Geuder und ihrer Geschichte in Heroldsberg. Eberhard Brunel-Geuder, der als Nachfahre selbst noch im Roten Schloss aufgewachsen ist, erzählt lebendig aus der Familiengeschichte, etwa vom schwarzen Husar, der angeblich die Wendeltreppe mit dem Ross hochgeritten sein soll.

Die Fertigstellung des Weißen Schlosses nach zweieinhalb Jahren Sanierung, ist ein Highlight im Landkreis Erlangen-Höchstadt im Jahr 2017, nicht nur für mich.

  

DIETER KÖCHEL

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