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Zwei Stolpersteine erinnern an zwei ausgelöschte Leben

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte selbst die beiden Erinnerungsmale für Ludwig und Linda Kohn in Baiersdorf - 24.03.2009

Zwei Rosen liegen rund um die beiden Gedenksteine für das tragische Schicksal der Baiersdorfer Juden Ludwig und Linda Kohn. Chaim Clemens spricht den Segen.

Zwei Rosen liegen rund um die beiden Gedenksteine für das tragische Schicksal der Baiersdorfer Juden Ludwig und Linda Kohn. Chaim Clemens spricht den Segen. © Harald Hofmann


Die beiden Baiersdorfer jüdischen Glaubens starben bei dem Völkermord der Nationalsozialisten 1942 in Izbica, einem Außenlager des Konzentrationslagers im polnischen Belzec. In diesem Vernichtungslager wurden zwischen März 1942 und Dezember 1942 nachweisbar 434 508 Menschen ermordet. Zwei davon waren die Kohns.

Die zweite Bürgermeisterin Eva Ehrhardt-Odörfer erinnerte vor rund 50 Zuschauern daran, dass der Historiker Horst Gemeinhardt die Verlegung der Stolperstein bereits im Jahr 2006 nach dem Vorbild der Stadt Erlangen beantragt hatte, wo etliche Stolpersteine an das Schicksal jüdischer Mitbürger erinnern.

Leben erläutert

Ilse Sponsel, die Beauftragte für die Kontakte zu ehemaligen jüdischen Mitbürgern in Erlangen, sagte jetzt in Baiersdorf, dass die europaweite Aktion «Stolpersteine gegen das Vergessen» die Anregung biete: «Bückt Euch und lest».

Das Kunstprojekt ist von dem Kölner Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen worden. Demnig verlegte selbst mit Zement, Hammer und Maurerkelle die beiden «Steine des Anstoßes» vor der Hauptstraße 12. Chaim Clemens von der neuen jüdischen Gemeinde in Erlangen sprach den Segen.

Horst Gemeinhardt erläuterte den Anwesenden das Leben von Ludwig und Linda Kohn (eine geborene Offenbacher) vor dem historischen Hintergrund. Ludwig Kohn und sein Vater Benjamin waren in Baiersdorf integriert. Benjamin Kohn war Stadtrat und Feuerwehrkommandant, sein Sohn war ebenfalls in der Feuerwehr aktiv. Linda Offenbacher stammte aus Fürth und heiratete Ludwig Kohn 1919 in der damaligen Synagoge in der Judengasse in Baiersdorf. Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge zerstört. Auch die beiden Kohns wurden in der Nacht vom 9. November misshandelt und verhaftet. In einem «Judenhaus» in Fürth wartete das Ehepaar dann bis 1942 auf die Deportation in ein Vernichtungslager. 

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