Montag, 24.09.2018

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Behindertenbeauftragte ohne Rollstuhl

Leihfahrzeug lässt auf sich warten - "Anderen würde ich raten, damit an die Presse zu gehen“ - 11.04.2012 22:26 Uhr

Angelika Feisthammel versucht, trotz allen Ärgers gelassen zu bleiben. Am kommenden Dienstag bietet sie wieder eine Sprechstunde für Behinderte im Landratsamt an. © blinten


Angelika Feisthammel ist Ansprechpartnerin für Behinderte im Nürnberger Land. Regelmäßig hat die Oberferriedenerin Sprechstunde im Landratsamt in Lauf, gibt Tipps und macht Mut. Wenn aber jemand zu ihr kommen würde und ihr das erzählen würde, was ihr jetzt selbst widerfuhr? „Dann würde ich raten, damit an die Presse zu gehen“, sagt sie.

Bis heute kein Ersatz

Angelika Feisthammel ist auf den Rollstuhl angewiesen, wenn sie draußen unterwegs ist, braucht sie ein elektrisches Gerät. Das macht sie unabhängig von Helfern, die sie in einem konventionellen Rollstuhl schieben müssten. Nun ist die für die Freien Wähler im Burgthanner Gemeinderat engagierte Oberferriedenerin seit Mitte März bereits ohne E-Rolli. Und über Ostern wird sich daran auch nichts ändern. Das hat ihr das Unternehmen mitgeteilt, das Mitte März ihren elektrischen Rollstuhl abholte - und bis heute keinen Ersatz zu liefern in der Lage ist. Abgeholt hat sie das Gerät, weil es sich um einen Leih-Rolli handelte, den Angelika Feisthammel fuhr, nachdem ihr ursprünglicher E-Rollstuhl den Geist aufgegeben hatte. Danach stand eine Neuanschaffung an, die aber von der Krankenkasse abgesegnet werden muss. Für die Zwischenzeit stand dann das „Leihfahrzeug“ zur Verfügung. Weil bis Mitte März bei der norddeutschen Rollstuhlfirma aber keine Kostenübernahmerklärung von Feisthammels Krankenkasse für einen neuen Rollstuhl vorlag, holte man den Leihroller einfach in Oberferrieden ab.

Seitdem kann Angelika Feisthammel nur noch vor die Tür, wenn sie einen Helfer hat, der sie schiebt. Bis zwei Wochen nach Ostern muss sie sich gedulden, bis sie ihren neuen Elektro-Rollstuhl aus Norddeutschland bekommt. Dabei könnte alles so einfach sein. In Neumarkt gibt es nämlich eine Firma, die sofort Geräte zur Verfügung stellen könnte, Leih-Geräte und/oder neue Rollstühle. Weil aber die norddeutsche Konkurrenz Partner von Angelika Feisthammels Postbeamtenkrankenkasse ist, muss sie für alles, was sie von der Neumarkter Rollstuhlfirma leihen oder kaufen würde, aus eigener Tasche zahlen. Elektrorollstühle sind aber richtig teuer, und das Familienbudget der Feisthammels ist begrenzt.

Vor über zehn Jahren, erinnert sich die Behindertenbeauftragte des Landkreises, da gab es eine Rollstuhlfirma, die war richtig klasse: „Die Leute sind zu mir gekommen, haben mich individuell beraten, und dann habe ich einen Elektrorollstuhl ganz nach meinen Wünschen bekommen.“ Von Beratung kann zwischenzeitlich keine Rede mehr sein, erzählt sie. Jetzt wird sie sich mit ihrem Mann beraten, wie man über die Ostertage Spaziergänge organisiert.

Selbststandig Rollstuhl fahren kann sie ja derzeit nicht. „Sonst bin ich täglich auch mit dem Hund unterwegs, das geht seit ein paar Wochen nicht mehr“, klagt sie.

Bei der zuständigen Firma in Lünen bedauert man außerordentlich, dass der neue Rollstuhl für Angelika Feisthammel nicht früher geliefert werden kann. Das teilte man der Oberferriedener auch schriftlich mit, verbunden mit der Hoffnung, dass ihr keine Unannehmlichkeiten entstehen.

Am Mittwoch, 11. April, bot Feisthammel im Landratsamt (Zimmer 420 im vierten Stock, Aufzug vorhanden) wieder Sprechstunden für Behinderte an. Normalerweise macht sie sich selbstständig auf den Weg. Nächste Woche muss sie jemanden finden, der schiebt. 

A.B.

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