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Sonntag, 16.12.2018

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Burgthann: Lebendiges Museum lud zum Mittelaltermarkt

Altes Handwerk und ein Museum im neuen Glanz - 02.05.2018 20:05 Uhr

Auch die Kinder interessierten sich für die altertümlichen Handwerkskünste, die im Burghof vorgestellt wurden. Der örtliche Geflügelzuchtvereins zeigte eine Auswahl seiner prächtigen Vögel. © Rösler


Gäste strömten in den Hof, um Handwerkskunst und mittelalterlichen Brauchtum zu bestaunen und selbst Hand anzulegen. Alle Türen des neu gestalteten Museums standen weit offen. Zahlreiche Aktionen gab es zu bestaunen und die Mitmachangebote wurden sehr gern angenommen.

Innen im Burghof wurde es heiß. Kein Wunder, denn nicht nur die Sonne, auch der Schmied heizte ordentlich ein. Ein paar Meter weiter standen weitere Zuschauer im Kreis. Vor allem viele Kinder informierten sich über die damaligen Kämpfe und Kampfmethoden. Dabei wurden Taktiken gezeigt und vorgeführt. Stolz präsentierten die Männer den Schaulustigen ihre Anzüge, Rüstungen, unterschiedliche Arten von Schwertern und Kettenhemden. Während also die männlichen Helden in die Schlacht zogen, saßen die Weiber auf ihren knarzenden Stühlen und verrichteten ihre Hausarbeiten.

Bunte Seifen mit herrlichen Düften

Fleißig wurde außerdem gehobelt und getöpfert. Der Mittelaltermarkt im Hof hatte viel zu bieten: Bürsten und Haarspangen aus Holz, Filzdekos und Körbe. Ein Imker stellte seine Arbeit dar und verkaufte Wachskerzen. Der ortsansässige Geflügelzuchtverein stellte sein Federvieh zur Schau.

Im kleinen Keller wurden spannende Geschichten für Groß und Klein vorgelesen, während im großen Keller eine Bärenkünstlerin ihre Stofftiere präsentierte. Des Weiteren konnte man dort mitunter lustige getöpferte Figuren erwerben sowie bunte Seifen mit herrlichen Düften mit nach Hause nehmen. Patchwork-Decken und –Kissen sorgten für Gemütlichkeit, und Gebrauchsgegenstände aus Holz warteten auf neue Besitzer. Voller Begeisterung bemalten die Kinder Holzschwerter oder versuchten mit großem Kraftaufwand Küchengeräte aus Omas Zeit zu bedienen. Hilfe und Erläuterungen kamen von den Burgvereinsmitgliedern.

"Ist das umständlich und harte Arbeit gewesen"

Gemütlich saß man bei Kaffee und Kuchen zusammen. Nach der Stärkung ging es weiter zu den Strick-Lieseln im Turmmuseum, die in der Waschküche gemütlich am Tisch saßen, während an der Decke die Wäsche trocknete. Wie man spinnt, strickt, häkelt und am Webstuhl webt, ist für den heutigen Nachwuchs fast unvorstellbar. So wurde gelebt in den 20-er Jahren. Und wie wurde anno dazumal gearbeitet? Antwort darauf gibt es im Museum ein Stockwerk höher.

Als die Sprösslinge die alte Schule mit Schiefertafel und die Schriftzüge der alten deutschen Sprache sahen, machten sie große Augen. Schnell wurden die knarzenden Bänke besetzt. Das Personal klärte über den damaligen Unterricht und pädagogische Methoden auf. "Ist das umständlich und harte Arbeit gewesen", staunten auch die Erwachsenen, als in der Bäckerei gezeigt wurde, wie man um 1920 Äpfel schälte, oder Feuerspatzen gebacken hat. Alte Handwerkskunst führte auch der Schuster vor.

Infos über QR-Codes

Zum ersten Mal betraten die Burg-Fans die neuen Räume: Auf der anderen Seite vom Burghof, im Kapellenbau, taucht man nun in die Geschichte des Ersten und Zweiten Weltkriegs ein. Der Burgverein empfahl daher den Rundgang im obersten Stockwerk zu beginnen. Auf Tafeln wird über Vor- und Frühgeschichte berichtet. Ebenfalls viel Input erhält man über die Vergangenheit der Burg. Im Kanalmuseumsraum hängen ebenso kleine Infotafeln als Raumteiler von der Decke. Einen hervorragenden Einblick ins 20. Jahrhundert bekommt man im ersten Obergeschoss.

Der Rundgang endet an der Infotafel über den Goldkegel und einem Tonkrug aus dem 17. oder 18. Jahrhundert, der bei Ausgrabungen gefunden wurde. Dieser war stark beschädigt und wurde vom Landesamt für Denkmalpflege wieder hergestellt. Er steht in einer Vitrine im kleinen Raum des ehemaligen Plumpsklos. Mit dem Smartphone kann man sich über QR-Codes Infos zu den einzelnen Bereichen aufrufen.

Stolze 2100 Gäste

Durchwegs positive Resonanz bekam man über die neu gestalteten Museumsräume, aber auch über das Gesamtkonzept sowie über die sehr erfolgreiche Organisation des Lebendigen Museums zu hören.

Die "Volkszählung" am Ende dieser traditionellen Veranstaltung ergab stolze 2100 Gäste. Die Öffnungszeiten des Burgmuseums: Jeden 1. und 3. Sonntag im Monat von April bis Oktober und jeden 1. Sonntag im Monat von November bis März, jeweils von 13.30 Uhr bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Führungen (kostenpflichtig) können auch außerhalb der Öffnungszeiten gebucht werden. Mehr Details (Bilder und einen Plan) gibt es auf der neuen Homepage museum-burgthann.de. Am Sonntag, 13. Mai, findet der Internationale Museumstag statt. 

Sabine Rösler

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