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Montag, 23.04.2018

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Grabfeld für muslimische Bestattungen in Feucht

Sargpflicht besteht jedoch weiterhin - 20.12.2017 09:26 Uhr

Standesamtsleiter Michael Thalheimer zeigt das neue Grabfeld D, das muslimischen Erdbestattungen vorbehalten ist. © Geist


In der Neufassung heißt es wörtlich: „Grabsteine und Grabeinfassungen aus Naturstein dürfen nur aufgestellt werden, wenn sie nachweislich ohne schlimmste Formen von Kinderarbeit (…) hergestellt worden sind und hierfür ein Nachweis (…) vorgelegt wird.“ Die Herstellung umfasst dabei sämtliche Bearbeitungsschritte von der Gewinnung des Natursteins bis zum Endprodukt. Der Gemeinderat stimmte der neuen Satzung einstimmig zu.

Sargpflicht besteht weiter

Diese definiert ferner ein neues Grabfeld D auf dem Neuen Friedhof in Feucht. Dieses fasst zwischen 30 und 40 Gräber und ist muslimischen Erdbestattungen vorbehalten. „Wir können nun auf den Wunsch eingehen, wenn ein muslimischer Mitbürger in reiner Erde bestattet werden möchte“, erklärte Standesamtsleiter Michael Thalheimer im Marktgemeinderat. Als rein gelte die Erde, wenn darin zuvor noch keine andere Person bestattet worden ist. Darüber hinaus richten Muslime ihre Toten bei der Beerdigung gen Mekka aus und bestatten sie lediglich in einem Tuch statt eines Sarges.

Während ersteres laut Thalheimer kein Problem darstellt, verbietet der Freistaat Bayern – anders als die meisten anderen Bundesländer – die sarglose Bestattung. „Und es ist auch nicht erkennbar, dass sich diese Rechtslage in absehbarer Zeit ändern wird“, meint Thalheimer.

Erst Anfang des Monats war ein Antrag der SPD auf Lockerung der Sargpflicht im Bayerischen Landtag an der Mehrheit der CSU gescheitert. Somit erfüllt die Gemeinde zumindest jene Kernforderungen einer muslimischen Erdbestattung, über die sie selbst entscheiden kann.

Etwa 800 bis 1.000 Muslime

Bislang sei zwar noch keine muslimische Familie auf die Verwaltung zugekommen und habe nach der Möglichkeit einer Bestattung in reiner Erde gefragt. Doch Verwaltung und Bürgermeister wollen mit dem Grabfeld D dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung tragen. Von einem „Vorgriff“ spricht Thalheimer deshalb.

Wie viele Feuchter Bürger muslimischen Glaubens sind, kann er nicht sagen. Da sie keine Kirchensteuer zahlen, werden sie in seinem Amt statistisch nicht erfasst. Volkan Karakol, der Vorsitzende des Deutsch-Türkischen Kulturvereins, schätzt die Zahl der Muslime jedenfalls auf 800 bis 1.000.

Der Bedarf eines Grabfelds D dürfte damit gegeben sein. 

Christian Geist

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