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Mit den Händen sprechen

Wie Babys mit den Händen sprechen lernen - 11.09.2010 06:40 Uhr

Die kleine Katharina (Zweite von links) ist mit 19 Monaten ein alter Hase in der Zwergensprache: Sie hat mit ihrer Mama schon zwei Kurse besucht. Nachdem sie mit Worten und Gesten klar gemacht hat, dass sie mehr Seifenblasen möchte, pustet Kursleiterin Bettina Behringer noch einmal in den gelben Plastikring.

Die kleine Katharina (Zweite von links) ist mit 19 Monaten ein alter Hase in der Zwergensprache: Sie hat mit ihrer Mama schon zwei Kurse besucht. Nachdem sie mit Worten und Gesten klar gemacht hat, dass sie mehr Seifenblasen möchte, pustet Kursleiterin Bettina Behringer noch einmal in den gelben Plastikring. © Ruhnau


Bettina Behringer ist ausgebildete Kursleiterin für Zwergensprache. Diesen Herbst beginnt sie wieder ein Programm für Mütter mit Kindern ab dem Alter von sechs bzw. 13 Monaten in ihrem Haus in Schwarzenbruck. „Normalerweise sind es maximal fünf Kinder“, erklärt die Diplom-Sozialpädagogin. Ihre letzten Wörter gehen allmählich in Gequengel unter. Es ist das Ende einer Schnupperstunde zur Zwergensprache. Sechs Frauen sind mit ihren Sinas, Sarahs und Katharinas im Alter von fünfeinhalb bis 19 Monaten gekommen und die Babys werden nach der Stunde langsam unruhig. Davor gab es aber auch viel zu sehen und zu tun.

Neben weitreichenden Informationen über Entstehung, Nutzen und Einsatz der Babyzeichensprache hat Kursleiterin Behringer ein buntes Programm für die Besucher vorbereitet. „Die Schnupperstunde ist einer echten Kursstunde nachempfunden“, erklärt sie. Neben vielen Liedern wird mit Spielzeug, Fingerpuppen und Instrumenten gearbeitet – und nebenbei ein Haufen Zeichen verwendet.

„Wo“ ist das erste, das die Kleinen heute kennen lernen. Mit ausgebreiteten Armen und nach oben gewandten Handflächen fragt Behringer zuerst den Teddybären: „Wo bist du?“. Dann werden der Reihe nach alle Kinder unter einem Schleier versteckt, ein kurzer Reim mit begleitenden Zeichen wird gesungen und schon ist der Nächste dran.

Der Jüngste in der Runde ist mit seiner Oma gekommen – und macht schon beim ersten Durchgang den Versuch, das Zeichen nachzuahmen.

„Wie lange es dauert, bis die ersten Zeichen verwendet werden, ist sehr unterschiedlich“, sagt Bettina Behringer. Wenn man schon bei Neugeborenen immer wieder begleitend zur Sprache Zeichen einsetzt, werden diese etwa nach einem halben Jahr angewandt. Wird damit, wie meistens der Fall, mit etwa sechs Monaten begonnen, kommen die ersten Erfolge nach durchschnittlich sechs bis acht Wochen, so Behringer.

Wozu braucht es denn jetzt aber dieses Gefuchtel? „Viele sind natürlich skeptisch“, meint die Kursleiterin. Doch die Zwergensprache hat einige Vorteile: Sie erleichtert nicht nur die Kommunikation zwischen Kleinkind und Umwelt, bevor es die Sprache überhaupt einsetzen kann.

Beweglichkeit und Motorik werden gefördert

Es fördert Beweglichkeit und Motorik, wirkt sich stimulierend auf das Sprachzentrum aus und kann beim Spracherwerb auch ergänzend zu den Wörtern eingesetzt werden. So lassen sich zum Beispiel sprachliche Missverständnisse umgehen, wenn Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung ähnlich klingen.

Häufig geäußerte Bedenken, dass durch den Zeichengebrauch das Sprechen lernen verzögert wird, sind allen Erfahrungswerten und Studien nach unbegründet. Die Babys lernen im Gegenteil häufig relativ früh das Sprechen und verwenden dann die Gesten ergänzend dazu weiter.

Das Zeichenrepertoire ist aus der Gebärdensprache entlehnt. Die Zwergensprache nutzt außerdem die natürliche Anlage im Kind, sich durch Gesten auszudrücken. Bewegungen wie „Winke, Winke“ oder das Ausstrecken der Arme für das Hochgenommen werden wollen führen viele Kinder spontan aus. Daran orientiert sich das Zwergen-Konzept.

„Wir führen immer die Zeichen mit den entsprechenden Wörtern aus“, erläutert Behringer. So bekommen die Kleinen diese Art der Verständigung ständig vorgelebt.

Babaysprache hat 350

Wenn die Zeit reif ist, können sie diese selbst verwenden. „Für Kinder ist es frustrierend, nicht mitteilen zu können, was sie möchten“, beschreibt die Expertin die Situation vor der Ausbildung der nötigen Muskulatur. Etwa 350 Zeichen umfasst die Babyzeichensprache. Damit wird es dann durchaus möglich, sich der Umwelt zu erklären.

Zwergensprache ist der erste Anbieter in Deutschland, der Kurse veranstaltet. Rund 130 Kursleiter wirken aktuell in der Bundesrepublik, Österreich und der Schweiz, vor fünf Jahren führte Vivian König das Konzept aus England ein.

Im Vordergrund steht bei der ganzen Sache allerdings immer der Spaß. „Hier in den Stunden werden keine Zeichen gelernt“, macht Behringer klar. Aber es wird viel gesungen, gespielt und der Kontakt zu anderen Kindern gefördert.

Die Begleitpersonen lernen natürlich schon etwas. Schließlich ist es dann an ihnen, die Zwergensprache im Alltag einzusetzen und den Babys zugänglich zu machen. Weiter Informationen und Anmeldung unter 091828/925399 oder Bettina.Behringer@babyzeichensprache.com .

 

  

JULIA RUHNAU

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