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Prozess: Hat der Schäfer die Tierquälereien erfunden?

Schäfer lehnte jede Hilfe aus der Bevölkerung ab - Polizei ermittelte - 12.09.2018 15:51 Uhr

Die Vorfälle auf der Weide des Schäfers Frank Z. sorgten 2017 für Schlagzeilen. © Blinten


Im Juni vergangenen Jahres hatte Schäfer Frank Zöcklein aus Schwarzenbruck bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, als er davon berichtete, dass sich Unbekannte nachts an seine Schafherde heranschlichen und Tiere dann aus deren eingefriedeten Bereich hetzten. Dabei sollen etliche Lämmer verendet sein. Im Wald bei Grünsberg sollen Schafe bei einer solchen Hatz zu Tode gestürzt sein, als sie über Felsen einen Abhang hinunter fielen. Am Mittwoch muss sich der Schwarzenbrucker vor dem Amtsgericht in Hersbruck verantworten. Der Vorwurf lautet: Vortäuschung einer Straftat.

Hat es die Attacken auf Zöckleins Tiere nie gegeben? Hat der Schäfer alles nur erfunden? Die Polizei hat - wie berichtet - nach Zöckleins Anzeige reagiert und ist von Altdorf aus regelmäßig Streife gefahren. Beamte waren nachts vor Ort und haben die Umgebung beobachtet, der Schäfer hat Wildkameras installiert und dann den Beamten Aufnahmen für deren Ermittlungen zur Verfügung gestellt. Dabei geriet ein Bürger aus der Nähe von Schwarzenbruck in den Fokus der polizeilichen Untersuchungen. Die Beweise reichten am Ende aber nicht aus.

In den sozialen Netzwerken wurde unablässig darüber diskutiert, wer hinter den nächtlichen Attacken auf die Schafherde stehen könnte. Außerdem boten zahlreiche Facebook-Mitglieder Zöcklein ihre Hilfe bei der Überwachung der Herde an. Die lehnte er aber ebenso ab wie den Rat, sich doch einfach zuverlässige Schäferhunde anzuschaffen.

28 Fälle in 2017

Von Anfang des Jahres 2017 bis Ende November 2017 zeigte Zöcklein insgesamt 28 Straftaten an, darunter Überfälle auf seine Herde und Diebstähle von Wildkameras, die er zur Überwachung der Schafe installiert hatte. Außerdem präsentierte er der Polizei und den Medien Drohschreiben, die er auf den Schafweiden fand.

Immer wieder fand der Mann tote Lämmchen, die bei der nächtlichen Hetzjagd verendet sein sollen. © Alex Blinten


"Ich möchte die scheiß Schafe nicht haben", heißt es in einem, "geh mit den Viechern weg, sonst passiert schlimmeres". Und in einem anderen: "Du solltest dich öfter umdrehen, damit dir nichts passiert." Zöcklein meldete bei der Polizei auch mehrfach den Diebstahl von Weidezaungeräten sowie Zäunen.

Bundesweites Interesse

Der Bote erfuhr seinerzeit von den Klagen des Schäfers über Angriffe auf seine Herde durch Rotraut Freifrau Stromer von Reichenbach-Baumbauer, der Schlossherrin auf Burg Grünsberg. Sie hatte Flächen in Grünsberg als Weideland an Zöcklein verpachtet, der ihr damals sein Leid klagte.

Nachdem die Redaktion das Thema aufgegriffen hatte, standen Radio- und Fernsehsender bei dem Schwarzenbrucker Schäfer vor der Tür und Nachrichtenagenturen fragten an, so dass Zöckleins Fall im Sommer vergangenen Jahres bundesweit bekannt wurde.

Vor dem Amtsgericht in Hersbruck wird seit Mittwoch ab 10 Uhr aufgerollt, ob der Schwarzenbrucker seiner Fantasie freien Lauf ließ, als er von den Vorfällen berichtete. Vertreten wird der Schwarzenbrucker von Rechtsanwalt Manfred Neder, der darlegen will, dass Zöcklein die Straftaten keineswegs vorgetäuscht hat, sondern dass diese tatsächlich von bislang Unbekannten begangen wurden. 

Alex Blinten

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