Dienstag, 25.09.2018

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Söder will Tierheime mit staatlichen Mitteln unterstützen

Ministerpräsident wird Hundepate - Tierheim Feucht feierte Jubiläum - 10.09.2018 10:15 Uhr

Rund 1200 Gäste haben laut Tierheim das Fest zum 60-jährigen Bestehen besucht: Ministerpräsident Markus Söder übernimmt zur Freude von Ulrike Lang und Herbert Sauerer eine Patenschaft für Hündin Leila. © Geist


Schröder zitierte zunächst das Tierschutzgesetz, in dem steht, dass niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Dann berichtete er von Rindern, denen ohne Betäubung der Hornansatz ausgebrannt werde; von Puten, die als hochgezüchtete Fleischberge vegetieren; und von 40 Millionen männlichen Küken, die jährlich getötet würden, weil sie wirtschaftlich nicht gebraucht werden. "Der wirtschaftliche Grund darf kein vernünftiger Grund sein", meinte Schröder im voll besetzten Tierheimgarten.

Dann wandte er sich direkt an den Ministerpräsidenten. Ab 1. Januar 2019 nämlich ist die Kastration von Ferkeln ohne Betäubung in Deutschland laut Tierschutzgesetz verboten. Einige Landwirte wie auch Politiker aus den Reihen der Union setzen sich allerdings dafür ein, die Regelung um fünf Jahre aufzuschieben.

Schröder bezeichnete die Kastration ohne Betäubung als "ethisch verwerflich" und forderte Söder auf, seine Meinung zu überdenken und sich von der Initiative abzuwenden. Die Kosten für eine Kastration unter Betäubung bezifferte er mit fünf Euro und rechnete vor: "Bei einer 100-Kilo-Sau sind das ein halber Cent pro 100 Gramm Schnitzel. Dafür verrät man nicht das Staatsziel Tierschutz!"

"Ethisch verwerflich"

Anschließend nannte Schröder einige Probleme der deutschen Tierheime, etwa den illegalen Welpenhandel oder mangelnde Heimplätze für Reptilien, und rechnete vor, dass den deutschen Heimen rund 65 Millionen Euro fehlten. Vom einstigen Umweltminister Söder forderte Schröder deshalb bessere Unterstützung: "Herr Doktor Söder, Sie haben ein Herz für Tiere. Ich hoffe, Sie haben auch das Geld für Tiere."

Söder bezeichnete sich selbst als Hundemensch, gab ein paar Anekdoten vom ersten Kennenlernen mit dem Hund seiner Frau zum Besten und meinte, dass das Leben mit Tieren einfach menschlicher und schöner sei. Dann setzte er sich mit Schröders kritischem Grußwort auseinander. "Vom Gefühl her bin ich sehr nah bei dem, was Sie sich vorstellen", sagte Söder und gab zu, dass er die Situation der männlichen Küken auch nicht nachvollziehen könne.

Auf die weitere Kritik Schröders gegenüber der Landwirtschaft ging Söder nicht ein. Er sprach lediglich von "unterschiedlichen Interessen" und konzentrierte sich auf die Tierheime in Bayern und deren finanzielle Situation. Bislang erhalten diese zwar Unterstützung von den jeweiligen Kommunen, nicht aber vom Freistaat. Das will Söder nun ändern. "Ich bin bereit, in die staatliche Förderung der Tierheime einzusteigen", erklärte der Ministerpräsident in Feucht erstmals öffentlich – unter großem Beifall der Tierfreunde im Publikum. Es sei an der Zeit, finanziell zu investieren, denn "Tiere gehören zu unserer Gesellschaft". Jene Gesellschaft nahm Söder nach einem Lob für das große ehrenamtliche Engagement der Tierheimmitarbeiter in die Pflicht.

Söder wird Leilas Pate

Es tue ihm in der Seele weh, wenn Menschen sich ein Tier anschaffen, die Lust verlieren und "es dann behandeln wie irgendeinen Müll. Wer ein Tier hat, muss auch Verantwortung dafür übernehmen und es behandeln wie einen besten Freund oder ein Familienmitglied". Zu seinen Hunden Fanny und Bella nahm Söder die siebenjährige Leila dann nicht gleich mit nach Hause.

Er übernahm jedoch eine Hundepatenschaft für den Kangal-Mischling, der laut Tierheimleiterin Ulrike Lang schon zwei Bauch- und Milzoperationen überstanden hat, sich auf dem Weg der Besserung befindet und nun ein neues Zuhause sucht. "Ich werde ein Leben lang für Tiere da sein", versicherte Söder abschließend und scherzte: "Ein Hund ist ein bisschen wie ein Mann: mit Streicheln, ein bisschen Essen und Pflege, da kommt man schon ziemlich weit."

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Während sich Söder von Tierheimleiterin Lang und Tierheim-Vorsitzendem Herbert Sauerer deren Einrichtung zeigen ließ, tönte SPD-Landtagskandidat Marcel Schneider bereits, er werde Söder nach der Wahl im Landtag "unter Kandare nehmen", damit der sein Versprechen auch einlöse. Schneider vertrat bei der 60-Jahr-Feier die tierschutzpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Susann Biedefeld.

Auf der Bühne stand im Lauf des Sonntags neben der Polit-Prominenz auch Kabarettistin Lizzy Aumeier, die einst einen Hund aus dem Feuchter Tierheim aufgenommen hat. Angesichts bevorstehender Landtagswahlen und einer zunehmenden "Idiotendichte in den Regierungen der Welt" wurde auch sie politisch. "Lasst den Hass und die Missgunst nicht in eure Herzen", appellierte sie an die Gäste, "und tut mir einen Gefallen: Bitte wählt nicht die AfD". 

Christian Geist

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