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"Vom Fach": Fränkischer Zollfahnder debütiert als Krimi-Autor

"Dadord Frangn": 1. Teil im April - Über Freimaurer und Kinderpornographie - 09.03.2014 16:30 Uhr

Der pensionierte Zollfahnder Roland Geisler ist aus Liebe zur fränkischen Heimat von Köln zurück in den Landkreis gezogen. Dort spielt auch sein erster Kriminalroman. © Gisa Spandler


Zudem hat er einen Trumpf im Ärmel, über den nur wenige (Hobby)-Autoren verfügen: Er ist vom Fach. Nicht dass Roland Geisler studierter Literat wäre und schon eine große Liste an Romanen veröffentlicht hätte. Nein, er hat Insider-Wissen der anderen Art. Nach einer Karriere als Beamter bei den Zollfahndern landete er schließlich im Ermittlungsreferat des Generalbundesanwalts in Köln, war bei der Terrorismusbekämpfung eingesetzt und spürte europaweit Kriminellen hinterher, die mit Massenvernichtungswaffen handelten. Da gehören Spurensicherung, Zeugenvernehmung und Indizienauswertung zum kleinen Einmaleins.

Wenn sein Protagonist, der Nürnberger Kriminaler Schorsch Bachmeyer, zu Werke geht, kann der Leser sicher sein, dass die Vorgänge bei der Untersuchung der Mordfälle auch den Realitäten entsprechen.

Berufserfahrung und Hobby kombiniert

Geschrieben hat Geisler immer gern, allein die Zeit hat gefehlt. Nach seiner Frühpensionierung 2012 stand er plötzlich vor der Entscheidung, was er mit der vielen freien Zeit denn anfangen sollte. Natürlich bot es sich da an, seine kriminalistische Erfahrung und die Leidenschaft für die Schreiberei zu verbinden, denn Sport, Fliegenfischen und Reisen allein erschien ihm nicht ausreichend, den neuen Alltag zu füllen.

Dass dabei dann allerdings auch etwas mit Hand und Fuß entstehen sollte, war ihm von Anfang an klar, bei der Planung sollte nichts dem Zufall überlassen bleiben. Der Hype um die Regionalkrimis und die „Tatort-Franken“-Diskussion taten ihr Übriges, die Idee, Mord und Totschlags-Fälle mit Schauplatz Franken in spannende Thriller umzusetzen, war geboren. Auch wenn Geisler zu dieser Zeit noch in Köln wohnte.

In der ersten Aprilwoche kommt das Ergebnis auf den Markt, auch der zweite Band ist so gut wie fertig, soll im November erscheinen und heißt „Die Kreuzigung – Auge um Auge, Zahn um Zahn“.

Flott von der Hand

Und weil ihm die Schreiberei so flott von der Hand ging, hat er sich zwischen Band 1 und Band 2 zu einem Kurz-Krimi entschlossen, den er beim diesjährigen Fränkischen Krimi-Preis der Nürnberger Nachrichten und des Cadolzburger Ars Vivendi-Verlags einreichte. Zu einer Prämierung hat es zwar nicht gereicht, aber einen Vorgeschmack auf die großen Romane gibt „Herrn Schierlings letzte Halbzeit“ doch. Ermittelt wird natürlich von Schorsch Bachmeyer, der Mord passiert im Frankenstadion während eines Clubspiels, fränkische Mundart spielt ebenfalls eine Rolle – mehr Lokalkolorit geht nicht.

Das gilt auch für sein Erstlingswerk „Massa Confusa und Der Tote am Pulversee“, nur wird dabei nicht gar so breit fränkisch palavert, denn den Krimi sollen ja auch Nichtfranken lesen und verstehen. Damit das und auch der kriminalistische Fachjargon keine Sprachbarriere darstellen, hat der Autor dem Text ein fränkisch-deutsches Wörterverzeichnis und ein fachsprachliches Glossar beigefügt.

Dass das Buch in Köln entstand, stellte für ihn kein Hindernis dar, denn die Kontakte zum Frankenland hat er immer gehalten, schon aus Liebe zur Heimat. Die fränkische Beschaulichkeit hat ihm nämlich in den zwölf Jahren in Rheinland-Pfalz gefehlt und war letztendlich auch der Ausschlag dafür, dass er sich vor wenigen Wochen wieder im Nürnberger Land niedergelassen hat.

Fakten umfassend recherchiert

Auch wenn die Handlung für ihn wie ein Film vor seinem inneren Auge abläuft und er den Plot nicht mühsam konstruieren muss, hat er für die Substanz des Romans im Vorfeld gründlich recherchiert. Ein Jahr lang hat er sich für Schreiben und Recherche Zeit genommen, denn „die Fakten müssen stimmen“, da ist der 54-Jährige ganz Profi.

Wirklich nicht einfache Themen hat er sich für seinen ersten Fall vorgenommen: Es geht einmal um Freimaurerei und zum anderen um Kinderpornografie, die er als Thema wählte, noch bevor er von der Aktualität des Stoffes zur Zeit des Erscheinungstermins wissen konnte.

Während der letztere Themenkomplex noch eher in sein Fachgebiet als Ermittler fällt, waren ihm Regeln und Rituale der Freimaurer so fremd wie den meisten Menschen. Zusammen mit einem auskunftswilligen Logenmitglied und tagelangen Recherchen im Internet hat er sich schlaugemacht, bevor es ans Schreiben ging, so dass die Detektiv-Geschichte nicht nur unterhält, sondern auch seltene Informationen vermittelt. Mit Hilfe des Freimaurer-Großmeisters erlangte er Zugang zu den einschlägigen Internet-Seiten, die sonst nur den Mitgliedern vorbehalten sind.

Viel ist ihm über den Inhalt nicht zu entlocken. Er verrät, dass es zwei Tote gibt, ein geheimnisvolles Tattoo auf der Brust eines der Todesopfer, die Beziehungen zwischen einer tschetschenischen Söldnertruppe, die zunehmend auch in Deutschland eine Rolle spielt, und eine obskure Freimaurer-Internet-Seite, die „nebenbei“ von Kunden mit bestimmten sexuellen Vorlieben besucht wird. Gelöst wird der Fall durch den Instinkt von Schorsch und seinen guten Kontakten zum Bundesnachrichtendienst.

Reale Nürnberger Orte mit eingearbeitet

Wichtig ist Geisler die Authentizität der Orte, beispielsweise der „Pulversee“, ein gewisser, Insidern bekannter Nürnberger Swingerclub, die Kulisse der Blauen Nacht. Handlung und Personen sind natürlich fiktiv, das Personal ist innerhalb der Reihe aber fest etabliert.

Zum Lokalkolorit, das den Reiz vor allem für echte Franken erhöhen soll, gehört bei dem bekennenden Feinschmecker auch noch die real existierende Kulinar-Szene in und um Nürnberg: So wird in jeden Krimi ein bekanntes örtliches Promi-Lokal und eine seiner Spezialitäten eingearbeitet, ein Wiedererkennungswert der besonderen Sorte.

Und was antwortet er denen, die daran zweifeln, dass ein guter Ermittler auch ein guter Romancier ist? Mit der Germanistin Sina Vogt hat er sich Unterstützung geholt, die ihn beim Ausformulieren unterstützt, wo er sich unsicher ist. Sie hilft ihm beim Feilen am Text, hat aber keinen Einfluss auf den Inhalt. Dies ist sogar vertraglich geregelt, ebenso wie er sich das „Dadord-Frangn“-Logo und die Verwendung von Freimaurer-Wissen juristisch hat sichern lassen. Da schlägt natürlich der studierte Kriminalbeamte durch: „Nichts dem Zufall überlassen“.

Anfang April wird die erste Auflage ausgeliefert: „Massa Confusa und der Tote am Pulversee“ von Roland Geisler und Sina Vogt aus der Reihe „Dadord Frangn“, 2013, ISBN 978-3-00-044877-5. 

Gisa Spandler

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