Dienstag, 20.11.2018

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Wildkraut statt Chemie: Kommunen verzichten auf Pestizide

"Es geht auch ohne Gift" - Insektenschutz geht in Zeidlergemeinde vor - 09.07.2018 15:39 Uhr

Pestizide sind ein gängiges Mittel der Unkrautbekämpfung. In Feucht sollen die Gemeindeflächen in Zukunft von diesen Chemiekeulen verschont werden. © Patrick Pleul/dpa


"Es muss nicht sein. Es geht auch ohne Gift", sagt Umweltbeirats-Vorsitzender Ernst Klier (SPD). "Wir wollen umweltschonend leben und haben uns deswegen zu diesem Schritt entschieden." Der Zeidlergemeinde geht es vor allem um den Schutz von Bienen und anderen nützlichen Insekten. Bürgermeister Konrad Rupprecht (CSU) hat die Verwaltung beauftragt, den Verzicht auf Unkraut- und Insektenvernichter umzusetzen.

Auch private Dienstleister, die den Auftrag zur Pflege öffentlicher Flächen erhalten, sind dazu verpflichtet, keine Pestizide mehr einzusetzen. Unerwünschtes Unkraut wird künftig traditionell bekämpft und gejätet. Einzig wenn Gefahr für den Menschen besteht, zum Beispiel durch Eichenprozessionsspinner-Raupen, darf der Feuchter Bauhof mit chemischen Mitteln dagegen vorgehen. Das Bauamt wird derlei Ausnahmefälle dokumentieren und an den Umweltbeirat weiterleiten.

Aktiver Artenschutz

Wie in der Zeidlergemeinde, wird auch in der Stadt Altdorf Umweltschutz groß geschrieben. Seit Jahren setzt Stadtgärtner Peter Grögel keine Pestizide mehr auf kommunalem Grund ein. Geschuldet ist dies einem Beschluss von Bürgermeister Erich Odörfer. Die Stadt geht in puncto Artenschutz sogar noch einen Schritt weiter. In Rasch, Röthenbach, Weinhof und Ludersheim hat sie extra Blühwiesen und -streifen für Insekten angelegt. "Das mag auf den ersten Blick vielleicht ungepflegt aussehen, ist aber tatsächlich so gewollt", sagt Pressebeauftragte Susanne Voß. "Aktiver Naturschutz ist uns sehr wichtig."

In der Gemeinde Burgthann kommt bei der Pflege von Gärten und Grünstreifen ebenfalls kein Gift zum Einsatz. "Seit mindestens 21 Jahren, also seit ich hier bin, werden nirgendwo Pestizide verwendet", sagt Bauhofleiter Michael Weih. Er sieht dafür keinen Grund. Das traditionelle Jäten mit Wildkrautbürste reiche völlig aus. Einen konkreten Beschluss zum Verzicht auf chemische Mittel habe es damals jedoch nicht gegeben, lässt Bürgermeister Meyer mitteilen. "Vor langer Zeit" seien die Pächter von Gemeindeflächen und der Burgthanner Bauhof, dazu aufgefordert worden, keine Chemie zur Unkrautbekämpfung einzusetzen.

Auch Schwarzenbruck und Leinburg sind seit über einem Jahrzehnt pestizidfrei. Wie der Entschluss zustande gekommen ist, liegt bei den beiden Gemeinden weit zurück und daher etwas im Dunkeln. Reinhard Bauer vom Bauamt Schwarzenbruck nimmt an, der Verzicht auf Pestizide sei politisch gewollt gewesen.

Winkelhaid spritzt nach wie vor

Die einzige Gemeinde, die nach wie vor Chemie zur Unkraufbekämpfung einsetzt, ist Winkelhaid. "Wir gehen dabei jedoch verantwortungsvoll vor und setzten die Mittel nur sehr sparsam ein", sagt Bauhofleiter Ernst Fritz. Eine Umstellung auf eine umweltfreundliche Methode, wie etwa das Säubern der Gehwege mit Hochdruckreinigern, sei sehr kostenintensiv und werde momentan nicht in Erwägung gezogen.

Bürgermeister Michael Schmidt bestätigt diese Aussage. "Anders würden wir nicht zurechtkommen. Da bräuchten wir ja mindestens drei neue Mitarbeiter", sagt er. "Aber natürlich sprühen wir nicht großflächig in der Gegend herum. Pestizide werden nur gezielt dort eingesetzt, wo es unbedingt nötig ist." Selbstverständlich müsse man auch nicht alles Wildkraut radikal entfernen. "Manchmal sieht es ja auch ganz schön aus", sagt Schmidt. 

Magdalena Mock

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