Dienstag, 25.09.2018

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Zahlen per Smartphone erreicht regionale Banken

Die Sparkasse Nürnberg war Teil des Pilotprogramms - 20.08.2018 13:29 Uhr

Bei dem neuen Bezahlsystem muss nur das Smartphone an das Zahlungsterminal gehalten werden. © Robin Walter


Kontaktloses Bezahlen, ganz ohne EC- oder Kreditkarte hat nun auch den Weg zu den Deutschen Verbrauchern gefunden. Neben Google, das seinen Kunden seit Ende Juni den Google Pay Dienst anbietet, stellen nun auch deutsche Banken eigene Lösungen vor.

Diese Dienste sollen den Geldbeutel in Zunkunft überflüssig machen: Mittels eines Chips im Smartphone können Kunden der Sparkasse Nürnberg und der Raiffeisenbank Altdorf/Feucht ab sofort ganz ohne Bargeld oder EC-Karte ihre Einkäufe in bestimmten Geschäften bezahlen. Bei den Chips in den Handys handelt es sich um so genannte Near-Field-Communication (NFC) Chips, welche über eine Entfernung von maximal vier Zentimetern mit den Kartenlesegeräten an den Kassen kommunizieren können. Zudem muss keine aktive Verbindung zum Internet bestehen, da die nötigen Informationen für Einmalzahlungen in der App gespeichert sind.

Die Sparkasse Nürnberg war Teil des Pilotprogramms der deutschen Sparkassen und hatte bereits vor dem Start des Systems am 30. Juli die Gelegenheit, alle Funktionen auf Herz und Nieren zu prüfen. Auch die Raiffeisenbanken erkannten das Potenzial der innovativen Zahlungsmethode und starteten ihr "Mobiles Bezahlen" zum 13. August.

Kontaktlos zahlen nichts Neues

Die Idee mittels eines NFC-Chips Transaktionen zu tätigen, ist allerdings nicht neu, denn bereits seit 2016 sind viele EC-Karten mit einem solchen Chip ausgestattet. Doch egal, ob kontaktlos mit der Karte oder dem Handy, der Vorgang ist gleich: beim Zahlen die EC-Karte oder das Smartphone an das Bezahlungsterminal halten und schon wird das Geld vom Konto abgebucht.

Ob man per Handy zahlen kann, hängt von mehreren Faktoren ab: Die Bank und das Geschäft müssen an diesem System teilnehmen und entweder Google Pay oder ein eigenes Produkt anbieten, das entsprechende Konto muss für Online-Banking freigegeben sein und der vielleicht entscheidendste Faktor ist der Besitz eines Smartphones mit dem Android Betriebssystems, da Apple aktuell an einem eigenen Konzept arbeitet und sich deshalb querstellt.

Marco Weishäupl von der Raiffeisenbank Altdorf/Feucht sieht im kontaktlosen Zahlen die Zukunft. Bereits jetzt finden 15 von 100 Zahlungen aller Raiffeisenbankkunden kontaktlos statt. Vorteile gegenüber Bar- und Kartenzahlung seien laut Weishäupl, dass beinahe jeder stets sein Handy bei sich trägt und so auch ohne Portmonee seine Einkäufe bezahlen kann.

Auch die hygienischen Vorteile seien, so ein Argument für kontaktloses Bezahlen der Banken, nicht zu vernachlässigen, schließlich wandert ein Geldschein durch Unmengen fremder Finger, so dass die Euroscheine schnell zu Keimschleudern würden. Das Bezahlen per Smartphone nimmt den Verkäufern und Kunden außerdem die Last unzähliger Münzen, da die Wenigsten an einer Kasse passend bezahlen.

Selbstversuch im Supermarkt

Um sich ein Bild vom mobilen Bezahlen machen zu können, wagt der Bote den Selbstversuch: die Suche nach einem teilnehmenden Geschäft endet schnell erfolgreich, da jeder Laden, der kontaktloses Zahlen per Karte auch mobiles Zahlen unterstützt. Zu erkennen ist dies an dem Wellensymbol an den Bezahlterminals der Kassen. Nun muss nur noch die passende App installiert und der Account für das neue System aktiviert werden. Für den Versuch kauften wir im Bio-Supermarkt Ebl in Feucht ein.

Beim Thema Zahlen per Smartphone konnte uns zu Beginn niemand Auskunft geben, ob dies tatsächlich möglich sei, da bisher noch kein Kunde das neue System genutzt hat. An der Kasse zeigte sich dann, wie einfach die Zahlungsmethode ist: Ohne Probleme wird die digitale Karte akzeptiert und der Bezahlvorgang abgeschlossen. Filialleiter Thomas Coste ist begeistert, wie problemlos das funktioniert, allerdings ist er skeptisch, wie sicher diese Methoden tatsächlich sind.

Das mobile Bezahlen ist für ihn nichts Neues, da er bei einem Russland-Urlaub beobachten konnte, wie sich dort das kontaktlose System bereits vielerorts erfolgreich durchsetzen konnte. "Ich denke, dass es nicht lange dauern wird, bis sich das auch hier etablieren wird. Ein Handy hat fast jeder, und alles, was mobil funktioniert, ist einfach im Trend", meint der Filialleiter. Ob es sich allerdings so etabliert, dass das Zahlen ohne Bargeld dieses in naher Zukunft bereits überflüssig machen könnte, ist unwahrscheinlich, vermutet Heidi Rietpitsch von der Sparkasse Nürnberg, "Die meisten Deutschen können einfach nicht ohne ihr Bargeld in der Tasche leben", scherzt sie.

Sicherheitsbedenken sind laut Sparkasse Nürnberg unbegründet, da versehentliche Abbuchungen angeblich unmöglich sind. Außerdem sind keinerlei bedenkliche Daten auf dem Handy gespeichert, die bei einem Diebstahl des Handys zum Verhängnis werden könnten. 

Robin Walter

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