Mittwoch, 21.11.2018

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1000 Grundschüler sangen in der Hirtenbachhalle

Ohrenbetäubender und harmonischer Unterricht in Heroldsbach - 30.06.2018 08:00 Uhr

Eine ungewöhnliche Konstellation erlebte die volle Hirtenbachhalle. Denn auf den Zuschauerplätzen vor der Bühne saßen Schüler, die den Ton durch ihre Stimmen mitbestimmten. © Foto: Udo Güldner


Es gibt Minuten, in denen man sich um die Hirtenbachhalle ernsthafte Sorgen macht. So ausgelassen sind die Grundschüler, so ohrenbetäubend klingt ihre Begeisterung. Dabei ist das nicht irgendein Popkonzert. Streng genommen gibt es auch kein Publikum, sondern nur Akteure. Auf den Sitzen hält es deshalb keinen.

Auf der Bühne macht die Bamberger VolXmusik-Formation um den Heroldsbacher David Saam das, was sie schon seit Jahren beherrscht. Sie mischt traditionelle Texte, eigene Erfindungen und wunderbare Weltmusik zu einer Melange voller Witz, Tempo und Gefühl. Andreas Richter (Klarinette), Carolin Pruy-Popp (Geige) und Heinrich Filsner (Tuba) stehen dem Sänger zur Seite, der zwischen Akkordeon und Ukulele wechselt.

Rund um den Vuglbeerbaam

Mitunter dürfen auch kleine Schülergruppen um den "Vuglbeerbaam" herum singen und dabei auf die Bühnentreppe klettern. Dabei kann man erstaunlich sichere Stimmen hören. Auch Pfarrer Klaus Weigand wird von seinen Schützlingen veralbert. Schon bald aber sind wieder alle im Saal dran, die als jugendliche Variante der Fischer-Chöre durchgingen. Dazu singt Saam etwas vom "chillen am Weiher drundn" und einem Land, in dem es "Erdbeern, Bizza, Bommes, Ketchup schneid". Da hat die Stimmung in den zahllosen Stuhlreihen bereits den Siedepunkt erreicht, angesichts der tropischen Temperaturen auch verständlich. Es wird gekräht, gegrunzt, geboxt, gegähnt, je nachdem, was im "Giegerla, Gögerla" für tierische Laute gefordert werden. "Es darf nicht wie alter Käse daherkommen," verrät Saam das Ziel. Er wolle mit modernen Mitteln auch die junge Generation ansprechen und für die fränkische Volksmusik gewinnen. "Wir haben das am bandeigenen Nachwuchs schon getestet." Da muss es ebenso gut angekommen sein, wie bei den über 1000 Kindern, die freudestrahlend klären "Wo die Hasen Hoosn haaßn".

Mitmacher von vielen Schulen

Wie erfolgreich das Musikprojekt inzwischen geworden ist, zeigt sich daran, dass vor drei Jahren bei der Premiere in der Stadthalle Ebermannstadt gerade einmal 400 Kinder mitgemacht haben. Damals hatte die Gesangspädagogin Heike Henning (Nürnberg) die zündende Idee. Inzwischen haben die beiden Musiklehrkräfte Julia Deutsch (Forchheim) und Miriam Sümmerer (Hausen) die Schlagzahl erhöht und Lehrkräfte an folgenden Grund- und Mittelschulen Anklang gefunden: Ebermannstadt, Effeltrich, Eggolsheim, Adalbert Stifter-Schule Forchheim, Martinschule Forchheim, Hausen, Heroldsbach, Hiltpoltstein, Kersbach, Kirchehrenbach, Langensendelbach, Mittelehrenbach, Pestalozzi Förderzentrum Forchheim, Wiesenthau. Außerdem waren Gäste aus Memmelsdorf-Litzendorf dabei. Sie alle hatten das JeKI-Projekt auch ohne Schlagzeug, Geige oder Gitarre wörtlich genommen und ihre Stimme als Instrument mitgebracht. Um die fränkischen Lieder herum hat Saam eine Geschichte gebastelt, in der "Beddla und Michel und der Hexenmasdä Grimifax" die Hauptrollen spielen.

Zahnschmerzen gehören dazu

Ausgerechnet beim Hansgörch vo Bischberch soll die Erlösung auf die Elisabeth (Beddla) warten, die vom Zahnschmerz geplagt wird. Auf dem Weg dorthin begegnen den Geschwistern drei Krähen. Dass da gerade zwei Schulstunden vorübergegangen sind, mag keines der neunjährigen Kinder aus der 3. Klasse der Grundschule Effeltrich glauben.

Auch nicht Hannes, dem die "megamäßige Stimmung" in Erinnerung bleiben wird; oder Julia, die zu Hause nicht nur Popmusik hört, sondern auch fränkische Lieder; Leni erzählt, wie sie sich in jeder der wöchentlichen Musikstunden vorbereitet und alles auswendig gelernt haben. Einig sind sie sich aber auch Basti und Anna über ihr Lieblingslied, die "Forchheimer Hymne": "Britschä braat, britschä braat sappn´s rum in mein Salat". Damit auch des Dialektes Unkundige erfahren, was damit gemeint ist, beginnt ein wildes, doch rhythmisches Stampfen. Der Salat im Garten des Hexenmeisters hätte derlei nicht überstanden. Die Kinder hatten ihren Spaß.

ZEin Video der 1000 singenden Grundschüler finden Sie unter www.nordbayern.de/forchheim 

UDO GÜLDNER

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