Freitag, 16.11.2018

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Ausbildung im Landkreis Forchheim ist heiß begehrt

Wenig freie Lehrstellen zum Ausbildungsstart Anfang September - 14.08.2018 10:00 Uhr

„Sei schlau, geh’ zum Bau“, lautete einst ein Werbespruch. Doch der Branche fehlen die Azubis, auch in Forchheim. © Foto: Waltraud Grubitzsch / dpa


In Ebermannstadt denkt man schon ans nächste Jahr: "Ab Herbst laufen bei uns bereits die Bewerbungen für das Jahr 2019", sagt eine Sprecherin von Kennametal. Die Ausbildungsplätze als Maschinen- und Anlagenführer und als Industrie-Mechaniker sind beliebt, sieben bis zehn Azubis pro Jahr machen hier ihre ersten Schritte ins Berufsleben, für das aktuelle Ausbildungsjahr 2018 gibt es keine freien Plätze mehr.

"Alle Plätze vergeben", meldet auch die Firma Geiger in Pretzfeld. Auch hier haben sich die künftigen Azubis bereits im Herbst des Vorjahres beworben. Geiger bildet in den Berufsbildern Zerspanungs-Mechaniker, Industrie-Mechaniker, Mechatroniker, Maschinen- und Anlagenführer und als Industriekaufmann/-frau aus. "Mehr Bewerber als Plätze" gab es auf die insgesamt 22 Ausbildungsstellen, die das Touristik-Unternehmen Schmetterling International im Obertrubacher Ortsteil Geschwand anbietet.

Dabei nehmen die jungen Leute durchaus teilweise Hunderte von Kilometern auf sich, um sich im 400 Seelen-Ort als Fachinformatiker, Kaufleute oder Mediengestalter ausbilden zu lassen. Aus Kiel und Cottbus, von Holland bis nach Slowenien kämen die Azubis, heißt es aus der Schmetterling-PR-Abteilung.

Insgesamt acht Azubis starten bei Piasten in Forchheim ins Berufsleben. Während es für die Ausbildungs-Klassiker Industriekaufmann/Industriekauffrau und Industrie-Mechaniker quasi wie von selbst läuft, ist eine Stelle in der Schokoladen-Fabrik noch zu haben. Für die "Fachkraft für Lebensmitteltechnik" könne man sich noch für das aktuelle Ausbildungsjahr ab September bewerben, so Personalchefin Barbara Gradel: "Die Stelle ist schwierig zu besetzen." Das liege wohl auch an dem bei jungen Menschen "unbekannten Beruf", vermutet Gradel. Die "Fachkraft für Lebensmitteltechnik" arbeite dabei "direkt am Produkt", führe die Anlage, müsse sich mit Schokolade auskennen und die richtige Temperatur der Maschine steuern. Voraussetzung hierfür sei ein guter Hauptschul-Abschluss, vor allem in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern.

Zu Beginn des Ausbildungsjahres zählt die Arbeitsagentur noch viele offene Plätze. Besonders Baufirmen suchen Nachwuchs, im Landkreis Forchheim sind aktuell noch 43 Ausbildungsplätze zu besetzen. In ganz Bayern zählt die Branche 5235 freie Azubi-Stellen. "Schulabgänger haben jetzt noch die Chance, kurzfristig einen Platz zu bekommen. Sei schlau, geh’ zum Bau — das gilt heute genauso wie früher", sagt Gerald Nicklas von der IG Bau Oberfranken mit Blick auf die Bezahlung und Karrierechancen in der Branche.

Nach einer Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung zählen Bau-Azubis zu den Bestverdienern unter den Azubis. So startet ein angehender Maurer oder Betonbauer mit 850 Euro pro Monat ins erste Lehrjahr. Im dritten Jahr sind es bereits 1475 Euro. "Nach der Ausbildung können Gesellen eine lange Karriereleiter hinaufklettern — und es bis zum Polier oder Bauleiter bringen", sagt Nicklas. Doch der finanzielle Anreiz allein scheint keine Schulabgänger in die Baubranche zu spülen: "Wir finden keine Azubis", sagt Franz-Josef Ismaier, von der gleichnamigen Bau-Unternehmung in Hausen.

Viele wollten nach der Schule noch ein weiteres Mal die Schulbank drücken, gingen auf die Fachoberschule, auf die Uni oder lieber ins Büro. "Wir kriegen nicht mal Bewerbungen", so Ismaier. Und das, obwohl die Firma die Werbetrommel rührt, bei Informationstagen in den Haupt- und Realschulen die Berufsbilder und Karrieremöglichkeiten vorstellt. Einen Maurer-Azubi würde er sofort einstellen, sagt Ismaier. Voraussetzung sei Spaß an körperlicher Arbeit und Motivation. Und die Bereitschaft, "das ganze Jahr draußen zu sein".

Der Fachkräftebedarf dürfte bei den heimischen Baufirmen in den nächsten Jahren weiter wachsen, schätzt Gerald Nicklas. "Die Arbeit wird den Bau-Spezialisten mit Sicherheit nicht ausgehen. Gebaut wird immer — die Branche ist ein fester Faktor der Binnenkonjunktur." 

Birgit Herrnleben Nordbayerische Nachrichten Forchheim E-Mail

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