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Was Hochwasser bedeutet, wissen inzwischen viele Ortschaften im Landkreis Forchheim. Nach der großen Flut von 2007 haben am 20. Juli 2011 erneut Wassermassen Dörfer wie Kirchehrenbach, Gosberg und Weigelshofen geflutet und immensen Schaden angerichtet. Entsprechend groß war das Interesse an dem Gewässer-Nachbarschaftstag, der jedes Jahr zum Erfahrungsaustausch über Gewässerunterhaltung stattfindet, im Rathaus Gosberg.
Fast alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der von Überschwemmungen betroffenen Orte verfolgten die Vorträge, die sich aufgrund der aktuellen Ereignisse mit „Hochwasser an kleinen Gewässern“ beschäftigten. So referierte Severin Hajer vom WWA Kronach über Gewässerentwicklung und Hochwasservorsorge. Leider gebe es die Tendenz, dass rund um die Gewässer immer mehr aufgefüllt und zugebaut werde. Und gerade bei Flurbereinigungsmaßnahmen habe man das Problem, dass die kleinen Raine auf beiden Seiten von Bächen, die bei Überschwemmungen gut Wasser aufnehmen könnten, alle beseitigt werden. „Wir laufen da gegen Windmühlen“, bedauert Hajer.
In anderen Bundesländern seien die Uferstreifen geschützt, in Bayern aber dürften die Flächen bis direkt ans Gewässer landwirtschaftlich genutzt werden. „Da kann man nur an die Vernunft der Leute appellieren“, sagt der Fachmann. Hajer zeigt verschiedene Bilder von vormals begradigten Bachläufen, die wieder renaturiert und dabei breite Mulden angelegt wurden, die im Falle eines Falles das Hochwasser ausbremsen können.
Man müsse immer überlegen, wo liegt das Problem, erläutert auch Frank Hafner, Bauoberat am WWA Kronach. „Wenn Gemeinden am Oberlauf eines Baches den Abfluss beschleunigen, dann trifft es die darunterliegenden Orte um so mehr. Den letzten beißen die Hunde“, so Hafner. Daher müssen im besten Fall alle Maßnahmen entlang eines Wasserlaufes aufeinander abgestimmt sein.
Schließlich sei immer zu hinterfragen, was finanziell machbar ist. Für einen technischen Hochwasserschutz, also Baumaßnahmen, müsse man in der Regel viel Geld in die Hand nehmen, was sich viele Gemeinden aber gar nicht leisten könnten. Ein Wasserrückhalt in der Fläche sei daher in der Regel leichter zu realisieren. Daneben gelte der Grundsatz, dass die Grundstücks- und Hausbesitzer selbst schauen müssen, wie sie sich schützen können. „Oft kann man durch einfache Maßnahmen selbst viel erreichen“, betont Hafner.
Am Nachmittag geht es zum Ortstermin an die Eisenbahnbrücke in Gosberg, unter der jetzt der Hirtenbach klein und harmlos hindurchfließt. Am 20. Juli stand hier das Wasser meterhoch und flutete die Grundstücke und Häuser bis zum Kinderspielplatz. Bürgermeister Reinhard Seeber zeigt auf die Uferstreifen: „Die Leute kippen hier Bauschutt und Gartenabfälle hin“, moniert er. Dadurch werden die Uferstreifen immer höher und bei Hochwasser könne das Wasser nicht in die umliegenden Felder ausweichen. Daher soll nach Absprache mit dem WWA nun die Uferböschung etwas abgetragen werden, damit der Abfluss wieder besser werde. Auch Johann Böhm sagt: „Da nützt die beste Brücke nichts, wenn davor und danach alles zugeschüttet wird.“ Er zeigt auf eine nahe am Bach gebaute Mauer, die das Gewässer einengt. Auch weiter oben seien Treppen und Mauern gebaut, weiß ein Anwohner. Anschließend fuhren die Tagungsteilnehmer nach Bubenreuth und besichtigten dort zwei für rund 550000 Euro neu gebaute Rückhaltedämme. Diese Hochwasserschutzmaßnahme hatte Ralf Deutschmann vom Ingenieurbüro Kubens, Nürnberg, am Vormittag mit allen technischen Details genau erläutert. „Letztlich geht es immer darum, das Risiko eines Hochwassers zu minimieren“, betont Frank Hafner.
