|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Der Presslufthammer dröhnt durch das leere Gebäude. Ein Arbeiter ist gerade dabei, die alten Türen, die vor Jahren zugemauert wurden, wieder freizulegen. Ein feiner Staubfilm hat sich auf Boden, Fensterbretter und Fenster gelegt und verschleiert die Sicht nach draußen in die einst barock-verspielte Gartenanlage.
Vor einem halben Jahr hat die gräfliche Familie Bentzel-Sturmfeder-Horneck das mehrere Hektar große Anwesen, das sich schon einmal im Familienbesitz befand (siehe „Zur Sache“), vom Erzbistum Bamberg im Rahmen eines Erbpacht-Vertrags erworben. „Geplant war es nicht, aber als es zum Verkauf stand, haben wir ein Angebot abgegeben“, erklärt Hanfried von Bentzel, dessen Familie auch Schloss Thurn in Heroldsbach gehört. Weil sein Angebot für das Erzbistum „anfangs uninteressant“ gewesen sei, habe das Projekt länger auf Eis gelegen. Erst im vergangenen Sommer sei die Kirche auf ihn zurückgekommen.
Seitdem hat sich eine Menge getan. Waschtische wurden entfernt, Türen versetzt, Bodenbeläge beseitigt, nachträglich eingezogene Wände eingerissen und die alten abgehängten Stuckdecken freigelegt. Immer mehr bekommt das Barockschloss aus dem 18. Jahrhundert auch im Inneren seinen ursprünglichen Charakter zurück.
Genauso soll es sein. „Es soll schlossig werden“, sagt Johannes von Bentzel, jüngster Spross der Familie. Gemeinsam mit seinem Bruder Stephan und seinen Eltern will der Musikmanager hier ein ganz neues Ambiente schaffen. Eines, das nichts mehr mit dem Interieur des einstigen Seniorenheims gemeinsam hat. Dazu gehören ein großer Ballsaal im Erdgeschoss, eine Hochzeitssuite sowie ein Hochzeitszimmer des Eggolsheimer Standesamtes und Gästezimmer.
Für Hochzeiten könnte die Jägersburg dann so genutzt werden: Die Trauung findet in der barocken Schlosskirche oder im Trauzimmer statt. Ein anschließender Empfang kann im Innenhof gefeiert werden, das Hochzeitsfest dann im Ballsaal. Übernachten können die Gäste in den etwa 30 Gästezimmern, die in den Nebengebäuden des Schlosses eingerichtet werden sollen.
„Wir wollen die Jägersburg nicht in ein Hotel umbauen“, schränkt von Bentzel ein. Zum einen sei die Familie kein Großinvestor, der dem einstigen Jagdschlösschen mit Baggern zu Leibe rückt. Zum anderen passe das gar nicht zum Konzept. Demnach soll die Jägersburg ein Raum für Veranstaltungen werden – private wie öffentliche. Neben Hochzeiten könnten hier wie auf Schloss Thurn Taufen, Familienfeiern und Firmenevents stattfinden, blicken Johannes von Bentzel und sein Vater Hanfried in die Zukunft. Auch Ausstellungen und Konzerte – von Rock über Pop bis Klassik – haben die beiden fest eingeplant. Erste Anfragen von Bands habe der Musikmanager, der sich das Schloss auch als Ort für ein kleines Festival vorstellen kann, bereits.
Dafür will Johannes von Bentzel, der momentan noch in Berlin lebt, zurückkehren in die oberfränkische Heimat und gemeinsam mit seinem Bruder Stephan in das oberste Stockwerk des Hauptgebäudes einziehen. Von hier aus wollen die beiden Brüder als Inhaber einer eigenen Firma das Schloss als Veranstaltungsort vermarkten. „Ziel ist, das Anwesen zu 95 Prozent der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, sagt Vater Hanfried, der in die Planungen eingebunden ist.
Auch er steuert einen Teil des Konzeptes bei und hat Kontakte zu einer Porzellanmalerin in Frankfurt hergestellt, die künftig in einer Art Malschule auf der Jägersburg Seminare anbieten soll. Einen Möbelrestaurator – „für Ausstellungen oder für den praktischen Einsatz“ – habe er ebenfalls bereits an der Hand.
Für diese vielfältige Nutzung soll das historische Gebäude im Laufe der Zeit hergerichtet werden. „Von außen müssen wir gar nicht so viel machen“, sagt Johannes von Bentzel. Ein neuer Anstrich sei fällig, aber das sei auch schon alles. „Dach und Heizung sind zum Glück in Schuss“, meint er. Auch die Fenster seien noch in Ordnung. Im Inneren könnte bis zum Sommer alles soweit fertig sein, dass dann die ersten Feiern geplant werden können. „Bei der Bewirtung würden wir anfangs noch auf unsere Küche in Schloss Thurn zurückgreifen“, so der 35-jährige Schlossherr. Nach und nach sei aber geplant, auch hier eigene Wege zu gehen: Dann soll die Küche des einstigen Seniorenheims entsprechend umgebaut werden und eventuell ein eigenes Café entstehen.
Langfristig sei die Zusammenarbeit mit dem Weingut der Familie im baden-württembergischen Schozach geplant, das Johannes Bruder Kilian managt. „Ein Weinlokal hätten wir da im Hinterkopf“, meint Hanfried von Bentzel, fügt aber nochmals an – eher langfristig.
Mehr Bilder unter www.nn-forchheim.de
