Mittwoch, 17.10.2018

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Bedroht der ICE-Trassen-Ausbau geschützte Tierarten?

Bund Naturschutz kritisiert "mangelhaft umgesetzte Maßnahmen" — Aufsichtsbehörden sehen offenbar keine Fehler - 27.11.2017 20:00 Uhr

Für die neue ICE-Trasse – hier an der Brücke an der Anschlussstelle der A 73 bei Baiersdorf-Nord – wird unermüdlich gearbeitet. Doch der Artenschutz bleibe dabei auf der Strecke, meint der Bund Naturschutz. © Foto: Roland Huber


"Der Ausbau der Bahnstrecke ist ein schwerwiegender Eingriff in Natur und Landschaft", heißt vom BN. Das betreffe gerade im Bauabschnitt Forchheim viele Tierarten, die per Gesetz europaweit geschützt sind. BN-Mitarbeiter haben sich die Baustelle unter eben diesen Voraussetzungen angesehen – und kommen zu einem deutlichen Ergebnis: "Anders als die Bahn gerne behauptet, ist bei diesen Bauarbeiten längst nicht alles in Ordnung", ärgert sich BN-Regionalreferent Tom Konopka beim Ortstermin neben der Bahnbrücke an der Anschlussstelle Baiersdorf-Nord.

Etliche Maßnahmen wären zu spät, andere falsch angelegt worden und das Ziel, die streng geschützten Arten zu erhalten, werde nicht erreicht. "Und das, obwohl der Bahn im Planfeststellungsbeschluss vom Eisenbahnbundesamt (EBA) klare Ausgleichsmaßnahmen zum Artenschutz aufgelegt wurden", so Konopka.

Sein Kollege, Naturschützer Ole Draeger, hat die Artenschutz-Maßnahmen der Bahn entlang der Baustrecke über zwei Jahre beobachtet und dokumentiert – und kommt ebenfalls zu einem vernichtenden Ergebnis: "Im Grunde haben sowohl die Behörden, also das EBA, als auch der Umweltbeauftragte der Bahn und die ökologische Baubegleiter versagt."

So sei von den im Planfeststellungsbeschluss vorgegebenen rund 30 zu schaffenden Tümpeln zwischen Baiersdorf und Forchheim, die mit einer Größe von je 100 bis 200 Quadratmetern Amphibien als Laichgewässer dienen sollen, nichts zu sehen. "25 Quadratmeter ist bisher das höchste der Gefühle, die meisten Teiche sind aber nicht mal halb so groß – und im Sommer so stark von Algen befallen, dass sie meistens austrocknen. Gedeihen können Amphibien hier nicht." Damit meint Draeger streng geschützte Arten wie die Kreuzkröte, die Knoblauchkröte, den Laubfrosch oder den Kammmolch.

Und oft würden auch die verpflichtenden jährlichen Monitoring-Berichte fehlen, also Berichte, die Aufschluss über die Wirksamkeit der Artenschutz-Maßnahmen geben – "zum Beispiel über die Biber-Population, Fledermäuse oder Ausweichstrukturen für Feldvögel wie Rebhuhn und Wachtel, die am Boden brüten", erklärt Konopka.  Man müsse damit rechnen, so der BN-Regionalreferent, dass die Population vieler Arten vor Ort nun einfach ausradiert worden sei. "Ich gehe davon aus, dass es die Knoblauchkröte im Bereich der ICE-Trasse nicht mehr gibt."

Zwar habe man das EBA als Aufsichtsbehörde detailliert über all diese Missstände informiert – "doch da haben sie uns einfach geantwortet, dass alle Maßnahmen korrekt erfolgt seien, ohne dass die Behörde näher auf unsere einzelnen Kritikpunkte einging", erzählt Draeger. Und die Bahn selbst? "Die macht auf ihrer Homepage stolz Eigenwerbung, man lobt sich selbst, dass man sich an alle Artenschutzbestimmungen halte", so Konopka.

Zuletzt appelliert Ulrich Buchholz, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Forchheim, noch einmal eindringlich: "Wir sind hier Teil der Sandachse Franken, ein El Dorado vieler gefährdeter und geschützter Tierarten, die sich hier noch halten konnten." Mit dem Trassen-Ausbau sei diese Vielfalt nun zum Teil aber erloschen. "Vielleicht nicht nur bei uns, sondern entlang der ganzen Ausbaustrecke Nürnberg-Erfurt." 

PHILIPP ROTHENBACHER

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