Samstag, 17.11.2018

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Bei Filmschlägerei kamen echte Maßkrüge zum Einsatz

Prominenter TV-Regisseur besucht seinen ersten Drehort Gräfenberg im September - 11.07.2018 15:00 Uhr

Hans-Jürgen Tögel © Foto: Andreas Gebert/dpa


Herr Tögel, wie sind Sie auf die Stadt Gräfenberg als Drehort gekommen?

Hans-Jürgen Tögel: Wir haben eine Stadt gesucht, die in sich geschlossen ist. Mein Bruder war Bühnenbildner und hat mit Gräfenberg gefunden, was wir brauchten. Auch Hilfe wurde uns zugesagt und so war es schön, dass alle Menschen, die beim Dreh zugeschaut hatten, dann auch gleich im Film mitgewirkt haben.

Welche Erinnerungen haben Sie an diese Filmtage in Gräfenberg?

Hans-Jürgen Tögel: Ich habe nur gute Erinnerungen an diese Zeit. Wenn wir beispielsweise einen Gegenstand vergessen hatten, hat das ein Gräfenberger sofort von zu Hause geholt. Es waren einmalige Erlebnisse, dass man die Menschen faszinieren kann und diese auch gleich in dem Film mitwirken. Für die Schlägerei im Bierzelt hatten wir Bierkrüge aus Styropor dabei. Doch manche Gräfenberger waren dann wirklich so betrunken, dass sie das vergessen hatten und mit einem echten Bierkrug zugeschlagen haben.

Die Einnahmen der Filmvorführung gehen an Ihre Stiftung. Wie kamen Sie dazu, die Tögel-Stiftung zu gründen und was bewirken Sie mit dieser Stiftung?

Hans-Jürgen Tögel: Wir waren gerade auf Motivsuche in Indien unterwegs. Mein Sohn Fabian, der Medizin studieren und Zivildienst leisten wollte, war auch dabei. In der Gemeinde, in der wir ankamen, gab es zwei Schulräume, sonst nichts. Das war kein Leben dort. Wir wollten etwas tun. Die meisten Eltern waren Analphabeten, die ihre Kinder zum Arbeiten mitnahmen. Den alten Pater, der dort war, lösten wir ab und bauten zwei Schulen, mit 450 Schülern, die dort untergebracht waren, dort essen und trinken konnten. Das war vor 24 Jahren. Wir haben auch mit großen Organisationen zusammengearbeitet. Vier Mädchen und drei junge Männer unterrichten nun selbst als Lehrer an unseren Schulen, aus den Schülern sind aber auch Ärzte geworden, die nun in Krankenhäusern arbeiten oder Ingenieure. Einer der Ingenieure hat sich auf Wasser spezialisiert und eine unterirdische Halle gebaut, um Wasser zu sammeln. Nun ist er in Nigeria und zeigt dort, wie man Wasser aufheben kann. Das ist für die Menschen sehr wichtig. Beim Spendensammeln wurde ich oft gefragt, was ich selbst dafür tue. Ich investiere mein Geld und meine Zeit, war dann meine Antwort. 240 000 Euro habe ich zunächst investiert. Die Stiftung gründete ich 2007. 

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Für diese Stiftung und Ihr soziales Engagement sind Sie mit dem Verdienstkreuz am Band der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Haben Sie damit gerechnet?

Hans-Jürgen Tögel: Ich wusste nichts davon, das war eine Überraschung für mich. Für das Bundesverdienstkreuz muss man vorgeschlagen werden. Ich wurde von den Rotariern vorgeschlagen. Sie fanden mein soziales Engagement toll und ich trage das Bundesverdienstkreuz mit Stolz.

Sie investieren viel Zeit in Ihren Beruf und in Ihre Stiftung. Haben Sie da noch Zeit für Hobbys?

Hans-Jürgen Tögel: Die soziale Arbeit ist mein Hobby. Es bereitet Freude, wenn man Menschen helfen kann. Ich gehe aber auch oft ins Theater, um mir neue Schauspieler anzuschauen. Aber ich nehme mir jetzt auch Zeit für Urlaub. Den verbringe ich oft am Lago di Orta. Dort lebt die Witwe von Karl-Heinz Schroth, mit der ich mich gut verstehe.

War es schon immer Ihr Berufswunsch, Regisseur zu werden?

Hans-Jürgen Tögel: Ich wollte Dirigent werden, war aber nicht musikalisch genug. Winifred Wagner, die Leiterin der Festspiele in Bayreuth, hat dann den Vorschlag gemacht, ich solle eine Schauspielschule besuchen. Eine Schule für Regisseure gab es damals ja noch nicht. Unter anderem war ich dann bei der UFA in Berlin und lernte, was ein Schauspieler können sollte.

Der Film "Das Betzenreuther Wildfieber" war ihr dritter Film, den Sie gedreht haben. Würden Sie ihn wieder drehen?

Hans-Jürgen Tögel: Ja, er hatte eine gute Handlung, eine gute Dramaturgie. Die Filme heute sind oft nur Massenware. Das Durchschnittsalter der ZDF-Zuschauer liegt bei 60 Jahren. Diese Menschen wollen etwas Nettes sehen, nicht wieder Betrunkene oder Frauen, die vergewaltigt worden sind. Aktuell drehe ich noch die Heiratsgeschichten und bearbeite Drehbücher, damit sie meinen Stil hinterlassen. Im Herbst kommt ein neuer Pilcher-Film heraus. Aber mit 77 lasse ich es nun langsam angehen.

  

Interview: PETRA MALBRICH

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