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CSU-Kreischef Udo Schönfelder tritt zurück

Kein Rückhalt mehr in der Partei für Udo Schönfelder - 18.05.2012 18:55 Uhr

Udo Schönfelder (li.) mit Eduard Nöth, den er so gerne in München beerbt hätte, und mit Franz Stumpf, der auf dem Posten sitzt, den Nöth so gerne besetzt hätte.

Udo Schönfelder (li.) mit Eduard Nöth, den er so gerne in München beerbt hätte, und mit Franz Stumpf, der auf dem Posten sitzt, den Nöth so gerne besetzt hätte. © Roland Huber


Die Rücktrittserklärung beginnt mit den Worten: „Aufgrund aktueller Entwicklungen, die ich nicht näher ausführen möchte, aber respektieren muss, erkläre ich hiermit meinen Rücktritt als Vorsitzender des CSU-Kreisverbandes.“

Was Schönfelder nicht näher ausführen will, erweist sich bei näherem Hineinhören in die Partei als unverhohlene Drohung. Die Stellvertreter Benedikt Graf Bentzel, Stefan Förtsch, Konrad Rosenzweig und Kerstin Debudey haben sich in den letzten Wochen mehrfach getroffen und über den Tag X gesprochen: „Was ist, wenn Schönfelder zurücktritt?“ Diese Gespräche, so ist zu hören, gipfelten in einem Ultimatum: „Wenn Du nicht zurücktrittst, dann tun wir es.“

Damit war die Lage geklärt und Schönfelder konnte gar nicht mehr anders als das Handtuch zu werfen. Der 48-Jährige hatte sich vor drei Jahren das Amt des Kreischefs in einer Stichwahl gegen Michael Hofmann aus Neuses erkämpft. Seither tourte er unermüdlich durch den Landkreis. So unermüdlich focht er darum, die CSU jünger, weiblicher und streitbarer zu machen, dass ihm schon bald höhere Ambitionen nachgesagt wurden.

Und tatsächlich: Anfang des Jahres teilte Schönfelder der Partei mit, dass er dazu bereit ist, um die Landtagskandidatur zu kämpfen — unabhängig davon, wie sich der Noch-Abgeordnete Eduard Nöth entscheiden würde. „Das macht man nicht“, ist aus der Partei zu hören. Schönfelder indes fühlte sich so stark, dass er glaubte, das Partei-Establishment ignorieren zu können.

Doch das Imperium schlug zurück. Unerbittlich. In der berühmten Ortsvorsitzenden-Konferenz Anfang März, als ein ehemaliger Abgeordneter Schönfelder die „charakterliche Eignung“ für höhere Weihen absprach, „da lag schon was in der Luft“, sagt ein Augenzeuge. „Wenn da einer der Stellvertreter aufgestanden wäre und hätte gesagt: ,Ich mach’s‘, dann wäre Schönfelder schon damals weg gewesen.“

Stattdessen erhielt er eine Bewährungsfrist, doch er merkte es nicht. Den nächsten Tiefschlag setzte Forchheims CSU-Chef Thomas Werner. Öffentlich forderte er Eduard Nöth zur erneuten Kandidatur für den Landtag auf. Kurz darauf legte Dieter George, CSU-Urgestein, in einem Leserbrief nach und nannte Schönfelder einen Spalter. Jetzt endlich muss Udo Schönfelder gedämmert haben, was die Stunde schlug.

In einem Gespräch mit den NN nahm er nun keine Rücksicht mehr. Er holte aus zu einem Rundumschlag gegen die Altvorderen und gegen Thomas Werner. Endgültig standen Personalfragen im Mittelpunkt: „Personalpolitische Diskussionen zurückzustellen und uns auf Sachpolitik zu konzentrieren“, wie im März vereinbart, „ist nicht gelungen“, schreibt Schönfelder. „Ich übernehme hierfür die Verantwortung.“

Wortlaut des Rücktrittsschreibens und weitere Stimmen unter http://blog.nn-online.de/forchheim 

VON ULRICH GRASER

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