Dienstag, 25.09.2018

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Den inneren Schweinehund überlisten

Die Firma Sanosense entwickelt Gesundheitsprogramme für Unternehmen — Coaching als zweites Standbein - 03.09.2018 19:27 Uhr

Thomas Heidenreich ist der Chef des Start-up Unternehmens Sanosense AG. © Foto: Giulia Iannicelli


Gesunde und motivierte Mitarbeiter, schon heute sind sie ein wesentliches Kriterium für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Angesichts des Fachkräftemangels und des demographischen Wandels werden sie aber schon bald zu dem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Davon ist Thomas Heidenreich überzeugt – und will den Firmen helfen, das Potenzial ihrer Mitarbeiter auszunutzen.

Schon vor zehn Jahren gründete der gelernte Sozialversicherungsfachangestellte in der Forchheimer Hornschuchallee die Firma Sanosense. Durch seine Ausbildung und anschließende Arbeit bei einer Krankenkasse hatte er sich intensiv mit dem Thema Krankenstand in Unternehmen auseinandergesetzt.

Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit wollte er Firmen helfen, diesen zu reduzieren. Inzwischen haben er und seine Mitarbeiter über 100 000 Menschen in fast 1500 Unternehmen in ganz Deutschland beraten — vom Firmenchef bis zum Angestellten. Siemens und die Carl Zeiss AG gehörten dabei ebenso zu den Kunden wie viele Mittelständler sowie Banken und Sparkassen.

Betriebliches Gesundheitsmanagment heißt das Zauberwort — und tatsächlich investieren inzwischen viele Firmen in ein solches. Sie bieten Rückenschulen an, geben Zuschüsse zur Mitgliedschaft im Fitness-Studio oder veranstalten Gesundheitstage. "Der Nutzen für die Arbeitgeber ist jedoch überschaubar", sagt der Sanosense-Chef und weiß auch genau, wer daran Schuld ist: der innere Schweinehund. Denn der lasse sich auf diese allgemeinen Maßnahmen nur selten ein.

Appell an Eigenverantwortung

Sanosense entwickelte in den verganenen Jahren daher ein System, das individuell auf den jeweiligen Mitarbeiter eingeht — und seinen inneren Schweinehund überlisten will. "Wir beginnen mit einem Gesundheitscheck und einer Befragung", erklärt Thomas Heidenreich. Ziel ist es, an die Eigenverantwortung des Mitarbeiters zu appellieren. "Das schaffe ich nur, wenn ich ihm Ergebnisse einer Untersuchung liefere, beispielsweise eines Rückenscreenings, ihm anhand dessen genau sage, was er ändern muss und ihn bei dem Änderungsprozess unterstütze", erklärt Heidenreich. Das müsse unmittelbar nach dem Erhalt der Untersuchungsergebnisse beginnen, denn dann sei die Betroffenheit hoch und mit ihr die Motivation, etwas zu ändern.

Sanosense stellt also ein Gesundheitsprogramm für den jeweiligen Mitarbeiter zusammen und begleitet ihn in den folgenden zwölf Wochen bei der Umsetzung. "Damit haben wir einen Fuß in der Tür beim Thema Verhaltensstabilisierung", weiß der Gesundheits-Experte. Denn bis sich eine Verhaltensänderung durchsetzt, brauche es drei bis sechs Monate. Und noch etwas sei wichtig: "Das Training muss dem Mitarbeiter Spaß machen und er muss Erfolge verzeichnen — und das alles in einem überschaubaren Zeitrahmen."

Genau deshalb sei der persönliche Kontakt so wichtig und genau deshalb funktionieren von oben übergestülpte Programme so selten. "Auch wir haben keine 100prozentigen Erfolgsquoten", räumt der 42-jährige Bamberger ein. Aber immerhin erreiche Sanosense mit seinem Konzept bei 40 Prozent der Mitarbeiter eine Verhaltensänderung — und könne den Unternehmen damit tatsächlich helfen, die Fehlzeiten ihrer Mitarbeiter zu reduzieren.

Firmen fit machen

Aus diesem Gedanken heraus hat Sanosense seine Dienstleistungen in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. "Der Gesundheitsbereich ist heute nur noch ein Teil unseres Angebots", sagt Thomas Heidenreich, der inzwischen Chef von zwölf festangestellten Mitarbeitern und diversen Honorarkräften ist. Ein weiterer Teil ist es, Firmen fit zu machen für die Zukunft. "Die meisten Unternehmen kommen aus einer anderen Zeit. Einer, die von einem autoritär und streng hierarchischem Führungsstil geprägt war", weiß er. Die Digitalisierung, aber auch die verschiedenen Generationen, die inzwischen im Arbeitsleben tätig sind, stellen sie vor große Herausforderungen.

"Früher hat sich der Arbeitnehmer vor allem gewünscht, dass sein Arbeitsplatz sicher ist. Bei den jungen Leuten von heute steht das nicht mehr im Vordergrund, sie wollen wissen, warum sie etwas tun", erklärt er. Sinnhaftigkeit und Anerkennung seien somit große Themen im Arbeitsleben. Welche Eigenschaften sollten Führungskräfte mitbringen? Wie schafft man es, die Kollegen zu motivieren? Wie geht man mit Drucksituationen um? Fragen wie diese gelte es dabei zu beantworten.

Auch hier helfe seine Firma, die vor eineinhalb Jahren ins Medical Valley Center gezogen ist, um der modernen Unternehmenskultur auch räumlich Rechnung zu tragen. Heidenreichs Ziel: "Wir wollen die Unternehmen unterstützen, selbst ein Verständnis dafür zu entwickeln." Das gehe nur mit Ehrlichkeit. "Wir agieren wie ein guter Freund und sagen auch Dinge, die unbequem sind." Immer im Mittelpunkt: Die ganzheitliche Lösung. Gut aufgestellte Firmen mit leistungsfähigen und motivierten Mitarbeitern.  

JANA SCHNEEBERG

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