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Donnerstag, 13.12.2018

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Den Winterblues vertrieben

Keller Mountain Blues Band bietet dreistündiges Konzert der Extraklasse - 13.01.2013 17:53 Uhr

Musik im Blut: Thomas Langguth (li.), Alex Teubner, Nadine Albrecht und Rainer Adebahr (re.). © Udo Güldner


„Wir spielen hier die Songs, die wir am Annafest nicht spielen dürfen.“ Wie der jüngere Bruder Joe Cockers wirkt Alex Teubner, wenn der 42-jährige Nürnberger singt, und das tut er im Gegensatz zum Sprechgesang des Originals auch wirklich. Die etwas ungelenke Gestik und die wahnwitzige Mimik aber hat er zur choreographischen Perfektion erhoben. Wagt er sich in lateinamerikanische Eskapaden, wird aus ihm ein „Cocker-Spanier“, der wie sein Vorbild auch knurren kann. Und einen ganz herzigen Dackelblick für die weiblichen Zuhörer hat, bis eine Dame aus der ersten Reihe laut ruft: „Red’ nicht, Alex, zieh dich aus!“

Es folgt ein fast schon sakral-andächtiges „Hi de ho“ auf Bigband-Heroen wie Cab Calloway, ein rasanter „Long train running“, den die Doobie Brothers aufs Gleis gesetzt haben, und ein ansehnliches „Brick house“, das den Commodores gehört. Aber so gehört hat man das noch nicht. Die Keller Mountain Blues Band hat die Musik der letzten 50 Jahre nicht nur im Blut.

Stevie Wonder wird blass

Stimmlich noch stimmiger tritt Nadine Albrecht auf. Die Nürnbergerin lässt Stevie Wonder blass werden und Dusty Springfield glatt verstaubt wirken. Nach dem Motto „Power sucht Frau“ intoniert sie „Son of a preecher man“ oder Muddy Waters’ „Hoochie coochie man“ mit weiblicher Urgewalt, expressiver Begeisterung und kunstvoller Gestaltung. Auch im Duett wissen beide um ihre Qualitäten, und rufen sich gegenseitig zu „You can stay but the noise got to go“. An den Gitarren flankieren Thomas „Foxy“ Langguth und Rainer „Ade“ Adebahr nicht nur instrumental, sondern auch vokal. Im Tower of Power-Klassiker „Don’t change horses in the middle of the stream“ entwickelt sich ein dynamisch durchschlagendes Quartett. Zeit zum Durchatmen bleibt kaum für Meister Adebar, der den Zuhörern die kleinen Gitarren-Rifs bringt. Ralf „Banz“ Heilmann hat alle Keys an Bord und liefert mit dem Hammond-Orgel-Klang das richtige 70er Jahre funky feeling. Zuweilen ergreift der Tastenvirtuose auch die Gelegenheit, um wild um sich zu tasten und Koryphäen wie Helmut Zerlett fingerfertig in den Schatten zu stellen. In ruhigen Balladen, die wie Pretiosen aufschimmern, o(h)rgelt er mit großer Ausdruckskraft.

Roland Zenk am Bass macht sich zum rhythmischen Erfühlungsgehilfen und haucht Johnny „Guitar“ Watsons Hits neues Leben ein. Den brillant präzisen Bläsersatz bilden Harald Dallhammer (Baritonsaxofon), Katja Heinrich (Tenorsaxofon), die den sonst solierenden Stephan Greisinger vergessen macht, Jürgen Trießl (Posaune), sowie die Trompeter Guido Grimm und Thomas Schleicher. Die eigenen Arrangements der Jazz-Standards wie Nat Adderleys „Work Song“, der sich bei Alex Teubner gar nicht wie Arbeit anhört, oder der R&B-Ohrwurm der Miracles „I heard it through the grapevine“ bringen die ansonsten eher schüchternen Franken jenseits der Bühne sogar zum Tanzen.

Die Zugabe rückt den ansonsten optisch, jedoch nicht akustisch im Hintergrund agierenden Jochen Schmidt in den Mittelpunkt. Der Schlagzeuger begeistert mit einem Solo, das die Resonanz handelsüblicher Glaspfandflaschen testet.

Die Keller Mountain Blues Band spielt das, was man von ihr erwartet, und was sie kann — das ist nicht wenig. Wer die Originalsongs von Crosby, Stills, Nash & Young oder von Aretha Franklin im Ohr hat, der weiß die energiegeladenen, mitunter in lyrische Gefilde gleitenden Versionen der Band zu schätzen. Inzwischen gehört die Formation schon so zum Jungen Theater, dass man getrost von der KulturKeller Mountain Blues Band sprechen darf.

Nächster Live-Auftritt: 19. Mai, 20 Uhr, auf dem Schweizer Keller in Reuth. 

UDO GÜLDNER

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