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Der FC Germania will fusionieren

Hoffnungslos verschuldeter Sportverein würde sich gern dem ATSV anschließen - 20.07.2011 14:00 Uhr

Einst bundesweit berühmt geworden als „schlechteste Fußballmannschaft Deutschlands“, bejubeln die Germania-Fußballer hier den 1:0-Auswärtssieg beim TSV Gräfenberg II — den zweiten Sieg nach 28 Monaten. © Roland Huber


Mit einer E-Mail, die am 20. Mai der Germania-Vorsitzende Michael Tschorn an die ATSV-Verantwortlichen sendete, und die der Redaktion vorliegt, versuchte Tschorn, den Verein zu einer Fusion mit der Germania zu überreden.

„Ausgangspunkt war die katastrophale Situation des Vereins im Mai mit mir als einer Art Alleinunterhalter“, erklärt Michael Tschorn, seit Juni nun ausschließlich Abteilungsleiter Fußball bei den „Germanen“. Im Mai noch war Tschorn Spielleiter, Trainer, Spieler, Vorsitzender und Abteilungsleiter in einem. „Das hätte ich so nicht mehr lange weitermachen können. Und ich wusste: Wäre ich zurückgetreten, wäre das das Todesurteil für den Traditionsverein gewesen.“ Er sah für den mit rund 95000 Euro verschuldeten Klub mit gerade einmal 55 verbliebenen Mitgliedern trotzdem keine Zukunft mehr.

„Eine Fusion mit dem ATSV, zu dem viele unserer Mitglieder abgewandert waren, wäre eine Möglichkeit der Rettung gewesen.“ Er bot dem ATSV-Vorsitzenden, Klaus Bräun, daher an, dass die aktiven Mitglieder sofort geschlossen zum ATSV wechseln würden und sich die Germania-Fußballmannschaft ebenfalls dem ehemaligen Stadtkonkurrenten anschließt. „Einzige Bedingung wäre es gewesen, dass sich der ATSV umbenennt in ,ATSV Germania Forchheim‘.“ Damit, so Tschorn, wäre sein persönliches Ziel erreicht worden, den Traditionsklub FC Germania 08 wenigstens teilweise zu erhalten — wenn auch nicht als eigenständigen Klub.

Zwar habe der ATSV offenbar in der Vorstandschaft über Tschorns Angebot diskutiert, doch sei man zu dem Schluss gekommen, die Namensänderung nicht vollziehen zu wollen.

Im Juni dann brachte die Jahreshauptversammlung doch noch neue Hoffnung bei den Germanen: Ein neuer Vorsitzender (Lothar Walenta), sowie zwei Stellvertreter (Georgios Papadopoulos, Matthias Kowka) wurden gefunden, ebenso ein Kassier (Tobias Bittner), ein Schriftführer (Sven Eidenhardt), mehrere Rechnungsprüfer und ein Ältestenrat. „Die Situation war plötzlich eine Andere, ich war nicht mehr der Alleinunterhalter“, so Tschorn. Wurde für das Geschäftsjahr 2010 noch ein Minus von rund 5000 Euro verbucht, hofft man bei den Germanen für 2011 mit einem leichten Plus. „Aber auch das würde uns mit rund 60 Mitgliedern nicht aus der Schuldenfalle retten.“

Nun bekam die Fusionsidee mit dem ATSV durch die Rede von Bürgermeister Franz Streit anlässlich des 150. Geburtstages des VfB 1861 (wir berichteten) offenbar neuen Auftrieb. Streit forderte, öffentlich über Fusionen im Forchheimer Sportvereinsleben nachzudenken. „Nachwievor stehen wir dem Gedanken, mit dem ATSV zusammenzugehen, sehr offen gegenüber“, so Tschorn. Auch Klaus Bräun, Vorsitzender des ATSV, will nichts ausschließen: „Das letzte Wort hat natürlich immer die Generalversammlung“, sagt er.

Dem FC Germania samt Gelände, so Tschorn, bliebe im Falle der Fusion trotzdem keine Alternative: „Wir müssten ein Insolvenzverfahren beantragen und würden abgewickelt.“ 

CHRISTOPH BENESCH/ ALEXANDER HITSCHFEL

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