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Der große Wurf eines Ebermannstädters

Der 35-jährige Johannes Starost hat sich mit einem eigenen Bio-Produkt selbstständig gemacht — Weit gereist und sehr viel ausprobiert - 31.12.2016 12:00 Uhr

Stolz präsentiert Johannes Starost vor dem Lager im Kirchenwehr seine Produktpalette. Den Apfelschaumwein gibt es in Trocken und Halbtrocken. © Roland Huber


„Adams Apfel“ heißt Johannes Starosts Produkt. Es handelt sich um einen Schaumwein, der aus Äpfeln gemacht wird. In diesem Zusammenhang kommt der junge Starost nicht um ein weiteres frugales Wortspiel herum: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Denn: Papa Ernst Starost produziert seit Jahr und Tag den Apfelschaumwein „Pomme Royal“. Vater und Sohn benutzen logischerweise sogar dieselbe Lagerhalle am Ebermannstadter Kirchenwehr.

Aber Apfelschaumwein ist natürlich nicht gleich Apfelschaumwein. Und Apfelschaumwein ist auch nicht gleich Sekt. Ehe wir diese Frage aufklären, sollten wir noch einen kleinen Blick auf den ungewöhnlichen bisherigen Lebensweg des jugendlich wirkenden 35-Jährigen werfen. Seine Motivation? Ganz klar, sagt er: „Ich habe den Drang, die Komfortzone zu verlassen.“

Der beste Hotelfachmann Nord- und ganz Bayerns zu sein, reichte ihm nicht. Rausgehen, Erfahrungen sammeln, Menschen kennenlernen — das treibt Johannes Starost an. Er arbeitete in Hotels in Frankfurt und Heidelberg. Tolle Häuser, tolle Städte. Aber das konnte nicht alles sein.

Starost flog nach Auckland in Neuseeland und heuerte in einem Fünf-Sterne-Haus an. Nach einem Jahr — so lange gilt das Arbeitsvisum — Rückkehr nach Europa. Auf Malta folgte der nächste Hoteljob. Dann wieder die Rolle rückwärts in die Südsee. Im australischen Sydney saß er in der Lobby des Hotels Four Seasons und sollte einen Fragebogen ausfüllen („In Australien bewirbt man sich nicht, sondern man füllt den Bogen aus und dann fängt man einfach mal an“).

Doch in diesem Augenblick, so erzählt er es in der Rückschau, kamen dem früheren TSV-Basketballer Zweifel, ob er mit einem weiteren Hotel-Job den großen Wurf landet. Statt dessen stand er auf, schaute sich um und stieg bei einem Laden für Bergsport-Artikel ein, verkaufte Zelte, Rucksäcke, Outdoor-Ausrüstung aller Art: „Das hatte ich noch nie in meinem Leben gemacht.“ Was dachten sich die Arbeitgeber dabei? Starost: „Sie sagten: Komm’ vorbei, probier’ es aus.“

Ein Jahr lang steigt der Ebermannstadter also in Sydney früh ins Kajak, paddelt zwei Stunden lang in die Innenstadt, trägt sein Boot weitere zwei Kilometer zur Arbeitsstelle und verlässt schließlich den Laden, in dem er als Aushilfe angefangen hatte, im Rang eines stellvertretenden Filialleiters. Das ist Australien!

Das schafft aber auch nur, wer dazu bereit ist, ins Ungewisse zu fahren und sich dort aufs Unbekannte einzustellen. Seit der Zeit in Sydney jedenfalls führt Johannes Starost im Sommer auch Mountainbike- und Kajak-Touren in Muggendorf in der Fränkischen Schweiz. Die Erfahrung aus Sydney half ihm als Animateur in den Robinson-Clubs auf Mallorca und im schweizerischen Arosa, wo er übrigens im dortigen Four Seasons wieder ins Hotelgeschäft zurückfand.

Am Bodensee gewachsen

Und nun zum Schaumwein, der kein Sekt ist. Denn Sekt nennen darf man in Deutschland nur solche Schaumweinprodukte, die aus Trauben hergestellt werden. Adams Apfel jedoch, nomen est omen, enthält die Apfelsorten Topas und Boskop. Beide wachsen bei einem Obstbauern am Bodensee und zwar in Bio-Qualität.

Das Design stammt aus Coburg, der Apfel vom Bodensee und der Wein gärt in einer Sektkelterei in der Südlichen Weinstraße in Rheinland-Pfalz zu Apfelschaumwein, in Flaschen: „Die Kohlensäure entsteht hier natürlich und wird nicht künstlich zugeführt.“ Johannes Starost, der seinem Vater jahrelang — wenn er gerade im Lande war — über die Schulter geschaut hat, kennt sich mit Schaumwein aus. Der Schritt in die (nicht ganz) unbekannte Welt der Selbstständigkeit war für ihn der logische nächste große Wurf.

Vom Ebermannstadter Kirchenwehr aus fährt der Jungunternehmer nun seit einem Jahr kistenweise Adams Apfel aus (www.adams-bio-apfel.de). Nach Frankfurt und Wiesbaden, in den Taunus und nach Hamburg. In München, Nürnberg, Fürth, Erlangen, Pegnitz, Ebermannstadt, Forchheim und Umgebung ist Adams Apfel zu kaufen, in Feinkost- und in individuell geführten Bio-Läden, allerdings nicht in Supermärkten: „Das ist mir wichtig.“

Ab Ende zwanzig

Weil Johannes Starost ein welterfahrener Mensch ist, der weiß, worauf es ankommt, hat er sich auch über seine Zielgruppe Gedanken gemacht (was unter anderem an dem Markennamen und der Verpackung zu erkennen ist). So sieht sie aus: „Menschen ab Ende zwanzig, die schon über ein eigenes Einkommen verfügen und die den Willen zu einem qualitativ hochwertigen Produkt mitbringen.“

Cornelia Röddiger hat er überzeugt. Mit Ursula Heckel führt sie in Pegnitz den kleinen Bioladen „BioTop“: „Wir hören von Kunden, dass Adams Apfel recht gut schmeckt.“ Sie selbst trinkt am liebsten die trockene Variante: „Der ist noch relativ lieblich.“ Die Flasche verkauft Röddiger zu neun Euro: „Der Prosecco kostet bei uns 5,80 Euro.“

Aber ob der Prosecco auch schon den Ritterschlag erhalten hat wie Adams Apfel? Dass Sternekoch Alexander Herrmann („Palazzo“) in Wirsberg seinen Schaumwein auf die Weinkarte setzte, lässt Johannes Starost, der nicht klein ist, innerlich noch ein wenig wachsen vor Stolz. Ist er also mit Adams Apfel nicht schon längst ein gemachter Mann?

Starost zögert kurz, lächelt nachsichtig und sagt: „Ich muss immer noch Kajak fahren in Muggendorf — was ich aber sehr gerne mache.“ 

ULRICH GRASER

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