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Markus Raupach, Bamberger Urgestein und mittlerweile 20facher Bestsellerautor, hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Themen aus seinen Büchern auch lebendig werden zu lassen. Schon seit 2007 bietet der Träger des Bamberger Bierordens seine "Bierkennertouren“ an. Damit auch Einzelne, Paare oder kleine Gruppen in den Genuss kommen, finden nun auch regelmäßige Termine statt. Dazu kommen die "Bierseminare“, hochwertige und spannende Verkostungen, die Raupach gemeinsam mit seinem Bierakademie-Partner, dem Braumeister und Biersommelier Hans Wächtler entwickelt hat. Ab 2013 finden die Kurse in Bamberg und Bayreuth statt.
NN: "Wie kommt man überhaupt auf die Idee, so eine Bierakademie zu gründen?"
MR: "Wenn man Bamberger ist, hat man die Bierkultur ja quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Was liegt da näher, als seine Erfahrungen und Erlebnisse mit möglichst vielen anderen zu teilen?"
HW: "Ich habe mich bisher immer um die Brauereien jeweils vor Ort gekümmert und bin seit zehn Jahren 300 Tage im Jahr unterwegs. Zu meinem 50. Geburtstag wollte ich mich verändern und ein neues Betätigungsfeld in meiner Heimat suchen. Nach einem Treffen mit Markus war die Bierakademie geboren."
NN: "Was trinken wir da eigentlich gerade für ein Bier?"
HW: "Das ist mein Lieblingsbier, ein Triple Hop aus Belgien – so etwas kann man einfach nur genießen!"
NN: "Im Weinglas und nicht gekühlt?"
HW: "Für viele Biertrinker ist das neu, das erleben wir auch in unseren Seminaren. Wir Biersommeliers machen das, damit sich das Aroma maximal entfalten kann und an den Stellen im Mund ankommt, wo es wahrgenommen werden kann. Es ist immer wieder unglaublich, was für AHA-Erlebnisse da jedes Mal entstehen."
NN: "Dann kann man also den Bierkühlschrank abschaffen?"
MR: "Nicht wirklich. Eine Bierverkostung wie in unseren Seminaren ist das Eine, das gemütliche Biertrinken zuhause oder im Lokal das Andere. Dann sollte das Bier etwa acht Grad haben, damit es auch erfrischt.“
NN: "Trotzdem komme ich mir hier ein bisschen blöd vor mit meinem Weinglas…"
HW: "Bier kennt doppelt so viele Aromen wie Wein, warum sollte man sich dann also blöd vorkommen, nur weil man dasselbe Glas benutzt. Riechen Sie doch einfach mal an dem Bier und nehmen dann einen kleinen Schluck auf die Zunge…"
NN: "Das schmeckt wirklich richtig gut, aber ich wäre niemals auf die Idee gekommen, dass das ein Bier ist…"
MR: "Das freut uns – denn das ist auch genau das, was wir in den Veranstaltungen den Leuten vermitteln wollen. Bier ist nicht gleich Bier. Es gibt alleine in Deutschland über zehn verschiedene Grundtypen, die dann natürlich in jeder Brauerei jeweils mit anderen Rezepten gebraut werden. Wenn man dann noch über den Tellerrand des Reinheitsgebotes blickt, sind eigentlich keine Grenzen mehr gesetzt…"
NN: "Das heißt, das Reinheitsgebot ist ein Hindernis?"
HW: "Das kommt darauf an, wie man es sieht. Jedes Land hat seine Bier- und Brautradition. Bei uns gehört eben das Reinheitsgebot dazu, und das ist auch gut so. Schließlich zwingt es die Brauer, mit den Grundzutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe besonders kreativ zu sein. In anderen Ländern haben sich die Biere eben anders entwickelt. Für uns und unsere Seminarteilnehmer ist das aber eher ein Glücksfall – so kommen wir zu tollen Geschmackserlebnissen."
NN: "Können die Leute denn überhaupt noch stehen, wenn sie nach immerhin vier Stunden Biertrinken aus dem Seminar draußen sind?"
MR: "Wir verkosten in der Regel acht Biere, darunter zwei exotische wie dieses belgische, was wir gerade trinken. Von jedem Bier gibt es ca. 0,1 Liter. Davon kann man eigentlich nicht betrunken werden. Außerdem besichtigen wir ja auch noch eine Brauerei – und zu jedem Bier gibt es ein passendes Essen."
NN: "Aber dann schmeckt man doch vom Bier nichts mehr?"
HW: "Mit dem richtigen Essen schmeckt das Bier sogar noch besser, und andersrum. Das gehört auch zu dem, was wir den Leuten zeigen wollen. Es lohnt sich, zu einem guten Essen das richtige Bier auszuwählen, dann gibt das erst den echten Hochgenuss!"
NN: "Wie muss man sich das vorstellen?"
MR: "Viele können sich sicher schon denken, dass zu einem Bamberger Rauchbier beispielsweise Zwetschgenbames oder Räucherkäse hervorragend passt. Das können Sie auch einfach mal zuhause ausprobieren. Erst das Bier blanko trinken und dann mal mit so einem kleinen Häppchen – ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ein anderes Beispiel ist, dass man zu einem guten dunklen Bier ein Stück Schokolade oder Schokoladenkuchen essen kann – auch eine tolle Kombination. Ich will hier nicht zu viel verraten, das Essen ist sicher ein Hauptgrund, warum bisher alle Teilnehmer überrascht und begeistert von der Vielfalt in so einem Seminar waren. Mit exotischeren Bieren zeigen wir das übrigens bei unserem Grünkohlabend im Restaurant Weierich am 23. November."
NN: "Dann kann ich meinen Weinkeller also ab sofort dicht machen…"
HW: "Warum? Es kommt auf die Vielfalt an. Und hier haben wir Franken einfach einen großen Heimvorteil. Markus und ich haben auch schon Bierkennertouren gemacht, bei denen wir in Unterfranken mit einer Weinbergsführung und Weinprobe begonnen und dann hier mit einer Brauerei- und Brennereiführung aufgehört haben. Im nächsten Jahr machen wir zum Beispiel zwei Abende mit Whisky und Bier im VOM FASS in der Langen Straße. Zu Genuss gehört die Vielfalt, und davon haben wir hier mehr als an jedem anderen Ort auf der Welt."
NN: "Ok, überzeugt, was sollte ich noch mit auf den Weg nehmen?"
MR: "Wir wollen vielleicht noch zwei Hinweise geben. Erstens geht nach unseren Seminaren jeder mit einem Bierprüfer-Diplom nach Hause. Zumindest, wenn er die Prüfung besteht, aber das hat bisher jeder geschafft. Und zweitens nutzen viele die Möglichkeit, Gutscheine für Plätze in Bierseminaren oder Bierkennertouren zu verschenken. Anscheinend haben viele Ehefrauen und Freundinnen das Problem, eine gute Geschenkidee für den Mann zuhause zu finden – nun gibt es eine. Interessanterweise kommen die Frauen übrigens meistens mit zu der Veranstaltung. Neulich hatten wir sogar eine Arztpraxis aus Fürth, die das Seminar mit Bierkulinarium als Weihnachtsfeier gebucht hatte, mit 22 Frauen und einem Mann, dem Chef. Und gebucht hatten die Damen…"
NN: "Das klingt nach viel Spaß bei den Seminaren… Vielen Dank für das Interview und das gute Bier, ich bin auf jeden Fall um eine schöne Erfahrung reicher!"
Sa. 18.05.13
Mi. 15.05.13
Sa. 11.05.13
Sa. 11.05.13
Fr. 10.05.13