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Die Suche nach den Ursachen der Flut

Das Hochwasser prägte die Bürgerversammlung — Bodenverdichtung und zu kleiner Brückendurchlass? - 04.12. 17:05 Uhr

KIRCHEHRENBACH  - Die Spur der Flut vom 21. Juli zog sich auch durch die Bürgerversammlung in Kirchehrenbach. „Berechnungen für so ein Ereignis gibt es nicht, das Restrisiko tragen wir“, sagte Helmut Keilholz, einer der geschädigten Anwohner am Ehrenbach.

Mit Schutzmauern versuchen sich die Anwohner selbst vor künftigen Fluten zu schützen.
Mit Schutzmauern versuchen sich die Anwohner selbst vor künftigen Fluten zu schützen.
Foto: Marquard Och
Mit Schutzmauern versuchen sich die Anwohner selbst vor künftigen Fluten zu schützen.
Mit Schutzmauern versuchen sich die Anwohner selbst vor künftigen Fluten zu schützen.
Foto: Marquard Och

Bürgermeisterin Anja Gebhardt zeigte in ihrem Bericht anstehende Schutzmaßnahmen auf: die Beseitigung von Ufergehölz, eines Wässerwehrs, die Reaktivierung von Abflussgräben zur Ableitung des Wassers aus dem Wald sowie das Bestreben, mit Leutenbach einen Gewässerentwicklungsplan zu erarbeiten. Dank sagte sie für eine Spendenaktion im Ort. Die eingegangenen 5440 Euro seien inzwischen — zweckgebunden für Hochwasserschutz — an die Antragsteller verteilt worden.

Deutlich machte Gebhardt den 50 Zuhörern im Gasthaus Sponsel aber auch, der technische Hochwasserschutz etwa mit einem Damm oberhalb des Dorfes sei bei einem Aufwand von zig Millionen Euro gegenüber einer Schadensbilanz von vielleicht einer halben Million für die Gemeinde nicht realisierbar. In der Diskussion wähnte Stefan Kraus die Bodenverdichtung im Wald durch den Harvestereinsatz als eine der Ursachen für vollgelaufene Keller im Siedlungsgebiet. Die tiefen Fahrspuren verhinderten auf lange Jahre das Versickern des Wassers im Waldboden.



Sehr kritisch äußerte sich Helmut Hübschmann zum Durchlassvermögen der geplanten Brücke ins neue Baugebiet Hutweide und die Wirksamkeit der gegenwärtig entstehenden Regenrückhaltebecken. Hier entgegnete Gemeinderat Rainer Gebhardt, die Brückendurchlässe seien für fünf Kubikmeter pro Sekunde ausgelegt, am 21. Juli seien aber 26 Kubikmeter gekommen. Zur Bewältigung so einer Abflussmenge müsste eine Schneise durch den Ort geschlagen werden, der viele Häuser weichen müssten.

Die Bürgermeisterin sagte dazu: „Wenn ich den Planern und den Fachleuten der Wasserwirtschaft nicht vertrauen kann, wem dann?“ „Wenn wir oben in der Füllsackstraße schon rudern, merkt ihr das im Dorf noch gar nicht“, bemängelte Helmut Keilholz. Er, der ob seiner eigenen Schutzmauern in der Nachbarschaft nicht außer Kritik steht, kritisierte Grundstücksauffüllungen, Holzbarrikaden und Hochackerungen landwirtschaftlicher Flächen, die die Ausbreitung des Ehrenbachs verhinderten. Ferner beklagte Keilholz erneut die „Schaumbäder“ und das in den Nächten „besonders graue Wasser“, das seiner Meinung nach aus der Leutenbacher Kläranlage stammt. Er forderte: „Ihr müsst erwirken, dass die ihr Abwasser nicht den Bach runterschicken.“

Zum teilausgebauten, derzeit gestoppten Radweg entlang der Bahnlinie und anderen als Radweg genutzten Flurbereinigungswegen äußerten sich die Bauern kritisch. „Wenn einer wegen der Schollen aus dem Acker auf die Schnauze fällt, ist gleich das große Geschrei“, ärgerte sich Bernd Gebhard. Und ob der fünf Prozent Landabgabe jedes Landwirts für die eigentlichen Wirtschaftswege forderte Hans Kraus Schilder „Radfahrweg auf eigene Verantwortung“. Sie kritisierten auch den für Viehmägen schädlichen Hundekot im Gras. „Wenn mich die Hundehalter sehen, leinen sie ihre Hunde an, kaum bin ich außer Sicht, wird die Leine eingepackt.“

Dank an Helfer

Der Feuerwehr dankte die Bürgermeisterin für 3450 freiwillig geleistete Stunden zum Neubau des Feuerwehrhauses, die als wesentlicher Beitrag zur Einhaltung der 1,27 Million Kostenschätzung gelten. Ein Dank ging ebenso an die Hallenbad-Initiative, die den Betrieb im gemeindlichen Hallenbad organisiert und vielen Schulen den Schwimmunterricht sowie Vereinen Wassersport ermögliche.

Als Zwischenlösung bezeichnete Anja Gebhardt die Mittelschule. Bei rückläufigen Schülerzahlen sei der Schulstandort langfristig nicht zu halten, wenn die Politik nicht umdenke. Die Kindertagesstätte werde bei derzeitiger Belegung mit 64 Kindern, die Kinderkrippe mit 18 unter Dreijährigen sehr gut angenommen, berichtete sie. Am Ende der Versammlung hatte die Bürgermeisterin nur einen Wunsch: „Ein gutes neues Jahr — ohne Hochwasser.“ 



MARQUARD OCH

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