Mittwoch, 14.11.2018

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Eggolsheimerin bricht das Tabu um Fehlgeburten

26-Jährige hat ihre Erfahrungen in Kunstwerke umgewandelt - 17.08.2018 15:00 Uhr

„Das Risiko gehe ich ein, weil ich gemerkt habe, wie groß der Redebedarf, wie wichtig der Austausch ist“: Mirijam Endres gibt in einer Ausstellung Einblicke in persönliche Bilder und Gedanken zum „Tabuthema Fehlgeburt“. © Foto: Endres


Wenn ein Kind noch vor der Geburt stirbt, kreuzen sich die Wege von Leben und Tod auf besonders grausame Weise. Der Rest ist allzu oft: Schweigen. "Ich finde es schade, dass über ein so alltägliches und zutiefst menschliches Thema kaum gesprochen wird", sagt Mirijam Endres. Im Januar erlitt die 26-Jährige eine Fehlgeburt, es war ihre erste Schwangerschaft. Als sie daraufhin mit dem Malen begann, hatte sie nicht die Absicht, ihre Werke einmal öffentlich auszustellen.

Innere Intuition

"Ich habe für mich selber gemalt, um dieses Ereignis zu verarbeiten", erklärt die Eggolsheimerin. Endres nennt das, was sie da mit Kreide zu Papier gebracht hat "farbenreiche Bilder", die intuitiv entstanden sind, "weil ich mit Worten nicht alles ausdrücken konnte, was in mir vorging". Unmittelbar nach der Fehlgeburt habe sie "auch gar nicht verstanden, was das für Gefühle waren". Durch das Malen konnte Endres diesen fremden Emotionen und ihrer Trauer Raum geben, statt beides zu verdrängen.

Es sind verhältnismäßig kleine Werke geworden, rund 20 Stück im DIN A4-Format, Papier und Kreide. Parallel dazu führte die Studentin eine Art Tagebuch, persönliche Gedanken und ehrliche Empfindungen in Textform, die mit ihren Bildern korrespondieren. Am Ende stellte sie sich selbst drei Fragen: Wofür bin ich im Laufe dieses Prozesses und meinem Kind gegenüber dankbar? Was tut mir leid? Was will ich vergeben? Ihre schriftlichen Antworten auf diese Fragen sind Teil der Ausstellung.

Hat die junge Frau keine Angst, diese schmerzhaften, intimen Gedanken in die Öffentlichkeit zu tragen, soviel Persönliches von sich preiszugeben? "Ja, klar. Mir ist schon bewusst, dass ich mich dadurch sehr verletzlich mache", sagt sie. "Aber das Risiko gehe ich ein, weil ich gemerkt habe, wie groß der Redebedarf, wie wichtig der Austausch ist."

Ein Teil des Lebens

Ein respektvoller Umgang mit dem Thema ist Endres wichtig, um "Verständnis für etwas aufzubringen, das nun einmal zum Leben dazugehört". Die 26-Jährige studiert Friedens- und Konfliktforschung in Innsbruck. Ein Teil des Studiums ist die Auseinandersetzung mit persönlichen Konflikten.

"Ich habe dann eine Seminararbeit über das Thema Fehlgeburt geschrieben und meine persönlichen Erfahrungen in Bezug zu dem gesetzt, was ich in der Fachliteratur gefunden habe." Diese Arbeit ist ebenfalls Teil ihrer Ausstellung.

Außerdem will sie Plakate mit Fragen aufhängen, auf die Besucher ihre Antworten oder Gedanken zur Thematik schreiben können. "Jeder, der möchte, kann sich so damit auseinandersetzen." Denn Mirijam Endres weiß, dass keinem geholfen ist, derlei leidvolle Erfahrungen, von denen viele Frauen und Eltern betroffen sind, einfach totzuschweigen.

Die Ausstellung "Tabuthema Fehlgeburt" von Mirijam Endres läuft am Freitag, 31. August, von 17 bis 19 Uhr, und am Samstag, 1. September, 10 bis 12 Uhr, im Tanzsaal Eggolsheim (Hauptstraße 27, neben der Kulturscheune). Der Eintritt ist frei. 

PHIILIPP ROTHENBACHER

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