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Zum zweiten Mal kam Arenz bei einem überschaubaren, aber regen Publikum mit gedruckten und gesprochenen Sätzen begeisternd an. Diesmal las er aus seinem neuen Roman „Der Diamantenschleifer“, der in der Mitte der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts spielt. Das historische Projekt sprengt den Rahmen seiner bisherigen Werke nicht nur vom Umfang her.
Vor einem Jahrzehnt wurde der Autor durch seine Erzählung vom „Teezauberer“ überregional bekannt. Der Teezauberer Arenz erwies sich als Sprachzauberer. Sein nächstes größeres Werk, das dem „Duft der Schokolade“ gewidmet war, lag auf einer parallelen Linie. Genau wie einst Patrick Süskind in seinem Weltbestseller „Das Parfum“ ging Arenz dem flüchtigen und unsichtbaren Reich der Gerüche nach.
In seinem neuen historischen Kriminalroman steht ein ähnlich magisches Motiv im Zentrum: das mystische Licht, das ein von Sonnenstrahlen berührter Dichter an seine Umwelt abgibt. Die Handlung spielt in Berlin.
Nach Weltkriegsniederlage, stecken gebliebener Revolution und Bürgerkrieg folgt eine kurze Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs, der bürgerlichen Sicherheit und avantgardistischen Kultur.
Bevor Weltwirtschaftskrise, politische Reaktion und faschistische Brutalität die ungeliebte erste deutsche Republik erledigen. Arenz hat sich durch einen Berg historischer und literarischer Werke gearbeitet, um Geist und Atmosphäre dieser uns inzwischen fernen Epoche zu erfassen: Erich Kästner und Ernst Jünger, Arnold Zweig und Erich Maria Remarque, Alfred Döblin.
Seine Hauptfiguren – Kriminalisten und Edelstein-Spezialisten – sind nicht erfundene, sondern historisch reale Personen, deren biographischen Spuren er folgt. Kein Wunder, dass der Autor in dieser für ihn neuen Erzählwelt nicht immer die gewohnte Leichtigkeit der spielerischen Sprache erreicht, dass seine Diktion etwas bemüht wirkt; selbst bei platonisch verhaltenen Liebesepisoden.
Die Nürnberger Literaturkritik ist seinem neuen Werk nur mit begrenztem Lob begegnet. Doch in Kirchehrenbach, wo viele Sympathisanten wohnen, kam er mit vollen Segeln an, nicht zuletzt durch seine persönlichen Kommentare, die den Glanz eines literarischen Salons andeuten, während im Nachbarraum die Schafkopf-Karten auf den Tisch knallten.
Ewald Arenz – ein fränkischer Autor? Wie gern möchte er einer sein, aber er spricht nur blankes Hochdeutsch, dank der rigiden Sprachnormen, die ihm seine westpreußische Mutter aufdrückte, als er als erstes von sieben Pfarrerskindern in einem winzigen Dorf in der südfränkischen Provinz um Weißenburg aufwuchs. Doch mit seiner Heimatlandschaft ist er nach wie vor vertraut.
Fünfmal in der Woche radelt er von seinem Haus im Landkreis Fürth quer durch die Pampa zu seinem Arbeitsplatz am Johannes-Scharrer-Gymnasium in Nürnberg. Dort kann es sein, dass ihn überraschend ein staatlicher Schulaufsichtsbeamter besucht. Romane lassen sich nur in den Ferien schreiben.
