Samstag, 23.03.2019

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Ein-Mann-Brauerei: "Red Castle Brew" ist Geschichte

Gräfenberg: Bellair musste aus finanziellen Gründen aufgeben - 28.02.2019 10:53 Uhr

Michael Bellair in den Resten des ehemaligen Sandstrandes im Gräfenberger Gewerbegebiet. Sein Traum stellte sich als langfristig nicht alleine leistbar heraus. © Petra Malbrich


Michael Bellair hat den Zapfhahn zugedreht. Die Brauerei Red-Castle-Brew und die Gastwirtschaft im Gewerbegebiet sind Geschichte. Das ist die Nachricht, die in Gräfenberg einem Paukenschlag gleicht. Nicht nur das handgebraute Bier zog Besucher an, sondern auch der Sandstrand, der für ein einmaliges Flair sorgte. Und natürlich die berühmten Michael Bellair Burger.

"Es waren die besten Burger westlich des Mississippi", schwärmt Bellair, halb lachend. Genauso ist ihm zumute. Die Entscheidung, seine Brauerei zu schließen und damit auch die Wirtschaft samt Sandstrand an den Nagel zu hängen, ist ihm alles andere als leicht gefallen. "Es gibt genau zwei Gründe dafür", erklärt der 53-jährige Gräfenberger. Hauptgrund ist die Pacht. Die Vermieterin hat diese nach seiner Aussage deutlich erhöht: "Das kann ich nicht stemmen. Dafür müsste ich einen monatlichen Umsatz von 15 000 Euro haben, um die Pacht herauszuwirtschaften", sagt Bellair.

Keine normale Wirtschaft

Als Grund für die Erhöhung wurde ihm gesagt, im Gastronomiebereich sei diese Pachthöhe durchaus üblich. Nur handelt es sich aus Bellairs Sicht nicht um eine Gastwirtschaft. Eine "leere Halle" sei es gewesen, die er "aufgemöbelt" habe. Küche und Toiletten sind untergebracht und ansonsten braut Bellair sein Red Castle Brew Bier dort. Eine selbst aufgebaute Winterhütte ist seine Gaststätte mit 75 Sitzplätzen. Und dann gab es dort noch den Sandstrand mit ungefähr 40 Sitzplätzen. Das war das besondere Ambiente und der Magnet im Sommer. Die Gäste kamen deutschlandweit, doch vor allem lockte es die Gräfenberger Bürger an.

An Sommerwochenenden wanderten sie ab 16 Uhr zu Michael Bellair, tranken dort ein kühles Glas Bier, aßen Gegrilltes und plauderten ausgelassen bei offenem Lagerfeuer. "Für die Gräfenberger war es eine feste Lokalität und eine feste Größe", sagt Bellair. Vor allem aber war es die einzige Möglichkeit für die Gräfenberger, im Sommer draußen ein Bier zu trinken, denn die Biergärten der Brauereien sind mit Seidla-Steig- Wanderern besetzt.

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Der Umsatz an Seidla-Steig-Besuchern betrug bei ihm nur 20 Prozent. Der andere Grund ist gesundheitlich bedingt: "Ein 16-Stunden-Tag, die gesamte Woche hindurch", erklärt Michael Bellair die Belastung durch seine Ein-Mann-Firma.

Der Gräfenberger hat alles selbst gemacht: Bier gebraut, Essen gekocht, serviert und ausgeschenkt. Im Winter war es etwas ruhiger, fiel doch die Bewirtung am Strand weg. Als Quereinsteiger ist er damals zum Brauen gekommen und hat seinen Traum sechs Jahre lang, die letzten zwei Jahre im Gewerbegebiet in Gräfenberg, gelebt.

Seit sein Entschluss steht, erhielt er viele Angebote für andere Gaststätten: "Es ist nicht dasselbe. Die meisten sind an eine Brauerei gebunden. Ich möchte mein eigenes Bier brauen und verkaufen", erklärt Bellair. Sein Vorhaben brauche eine bestimmte Lokalität und die war mit der Halle und dem Platz im Gewerbegebiet gegeben. Ein Sandstrand wäre woanders nicht durchführbar: "Ich habe das mit viel Herzblut gemacht", beteuert Bellair. Deshalb das weinende Auge, das ihm den Entschluss schwer machte.

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Andererseits ist er froh, nun etwas weniger Stress zu haben. Er werde in seinen früheren Beruf als Maschinenbauer zurückkehren. Wo, das weiß er noch nicht. Eine feste Anstellung hat Bellair noch nicht und er gibt sich auch noch ein wenig Zeit dafür, stehen doch noch Aufräumarbeiten an.

"Ich habe alles gelagert und muss erst einmal aufräumen, aussortieren und verkaufen." Die Halle ist bereits geleert, die Küche verkauft, nichts deutet mehr auf das Brauen des Red-Castle-Brew-Biers und die selbst gemachten Burger mit Rindfleisch aus der Region hin. Nur der Sandstrand, die kalte Asche in den Feuerschalen und das Sommergefühl sind noch stumme Zeugen einer kurzen Erfolgsgeschichte. 

PETRA MALBRICH

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