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Während die älteren Schüler in den großen Ferien an den „Vacation-Classes“, also freiwilligem Unterricht während der Ferien, teilnehmen, haben die Jüngeren den ganzen Tag nichts zu tun, da es an Spielsachen mangelt. Wenn ich nicht aktiv bin, sind es die Kinder auch nicht. Also male ich Hüpfkästchen auf den Boden, kaufe Malbücher, bereite kleine Unterrichtseinheiten vor oder spiele mit ihnen die in Ghana beliebten Spiele Owari und Ludo, eine Form von Mensch-ärgere-dich-nicht.
Besonders die Aktion „Credit-Cards“, die ich in den Ferien mit allen Kindern durchgeführt habe, hatte es den Kindern angetan. Hierbei mussten die Kinder jeden Tag eine von mir gestellte Aufgabe erfüllen, wie beispielsweise Matheaufgaben lösen, ein Bild malen, englische Begriffe den entsprechenden Bildern zuordnen oder ähnliches. Auf einem Blatt Papier wurden alle erfüllten Aufgaben festgehalten und mit Stickern belohnt. War die Aufregung schon bei der Wahl des verdienten Stickers kaum zu bändigen, war ihre Freude am Abschlusstag besonders groß. Denn dann durften sie ihre fleißig gesammelten Sticker gegen ein kleines Geschenk, ein paar Süßigkeiten und ein kleines Auto oder Schmuck eintauschen. Auch wenn die Arbeit oft sehr anstrengend ist, lohnt es sich doch jedes Mal für solche Momente. Klar ist es nicht einfach allen 23 Kindern auf einmal gerecht zu werden. Aber wenn man sich mal vor Augen hält, dass für diese Kinder ihr gesamtes Leben nicht einfach ist, weiß ich, dass ich mit solch kleinen Aktionen und ein bisschen Mühe den Kindern schon eine riesige Freude bereiten kann.
Neben der Arbeit im Waisenhaus bleibt natürlich auch für mich noch Zeit, die Kultur und das Land noch etwas genauer kennen zu lernen. So verbringe ich meine freie Zeit am Wochenende nicht nur mit meiner Gastfamilie, sondern gehe mit anderen Freiwilligen auf Reisen. Reisen in Ghana bedeutet Reisen in Trotros, meist alten, klapprigen Kleinbussen, die in Deutschland schon längst verschrottet worden wären. Die Fahrten sind oft langwierig und auf Grund der schlechten Straßenverhältnisse beschwerlich. Aber ich genieße die Zeit in den konstant überfüllten Kleinbussen (ich habe auf 15 Plätzen schon 18 Erwachsene und 3 Kinder gezählt), weil man hinter dem Fensterglas das vorbeirauschende afrikanische Leben wunderbar beobachten kann.
Mit weiteren Freiwilligen zog es mich schon nach Cape Coast und Elmina, der Sklavenhochburg des 19. Jahrhunderts, in den Kakum National Park, wo wir auf Wackelbrücken in bis zu 40 Metern Höhe den Tropischen Regenwald von oben betrachteten, in ein Monkey Sanctuary, wo wir direkt im Wohngebiet von vier Monaaffenkolonien übernachteten, und sogar bis an die Grenze zu Togo, wo wir in einer vierstündigen Wander- und Klettertour die atemberaubenden Wli-Wasserfälle erklommen haben. Die Reisen waren allesamt die bis zu zehnstündige Anreise wert, aber es war auch immer wieder schön nach Akwatia zurückzukommen, wo ich sowohl von meiner Gastfamilie als auch von den Kindern im Waisenhaus wieder herzlich empfangen worden bin.
