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Armin Stingl stammt aus Tennenlohe bei Erlangen. Nach seiner Zeit bei der Bundesmarine mit Standort Eckernförde und dem Abschluss seines Studiums in Kiel zog es den Kapitänleutnant und Sozialpädagogen zurück nach Franken.
„Nachdem ich so viel in der Welt herumgekommen war und dann so lange in Norddeutschland gelebt hatte, haben sich meine fränkischen Wurzeln bemerkbar gemacht. Die Jugendpflegerstelle hier war gerade zur rechten Zeit ausgeschrieben, und ich bin sehr glücklich, dass ich sie bekommen habe“, erzählt Stingl.
Sein Büro hat er in der Tagesschule Poxdorf. Die Tür seines Zimmers ist immer offen. Vom Schreibtisch aus überblickt er den Flur und winkt freundlich, so dass für Kinder, Jugendliche oder Eltern, die zu ihm wollen, Berührungsängste erst gar nicht aufkommen. In seinem Zimmer sind zur Zeit Materialien für das vom Familienministerium ausgeschriebene Bundesprojekt „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ aufgebaut: kleine rote Häuschen eines Dorfes auf einer grünen Wiese, dazwischen verschiedene Figürchen. Geplant ist die Herstellung eines Video-Clips in zwölf Einzelszenen zum Thema „Toleranz auf dem Dorf“.
Da manche Kinder sich nicht gerne filmen lassen, ist Armin Stingl auf die Idee gekommen, Figuren agieren lassen. Deshalb die gelben Gummibärchen und daneben die beiden roten. „Das sind die Außenseiter, ist doch klar“, haben die Kinder schnell erkannt.
Für dieses Projekt konnten ein Camcorder, ein Videobeamer, ein PC nebst Schnittprogramm und zwei Moderationswände angeschafft werden: Gesamtwert 2000 Euro. Das Familienministerium zahlt, die Ausrüstung bleibt in der Gemeinde und kann wieder verwendet werden.
Im ersten Jahr seiner Tätigkeit hat Armin Stingl den Kindern und Jugendlichen seiner drei Gemeinden vielerlei geboten: Tiergartenbesuch bei Nacht, Fahrten ins Legoland, nach Geiselwind und nach München in die Bavaria-Filmstudios, wo sie sogar einen Film drehen durften; Geocaching, also eine Art Schnitzeljagd mit dem Navi und, in Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz, die Untersuchung eines Wasserbiotops.
Für etwas ältere Jugendliche gab es den Knigge-Kurs zur Förderung des Selbstbewusstseins und zur Berufsvorbereitung. Oder es gab den Improvisationstheater-Workshop, bei dem Fantasie, Kommunikation und ganzheitliches Denken weiter entwickelt werden. Auch Alkohol-Prävention, Rat und Hilfe für Eltern in Bezug auf das Internet und bei Fragen des Jugendschutzes waren im Programm.
Im Januar 2012 werden die Gemeinden Poxdorf und Effeltrich darüber entscheiden, ob Armin Stingls Ende Juli 2012 auslaufender Vertrag verlängert wird. Langensendelbach hat sich schon dafür ausgesprochen.
Angesichts der klammen Haushaltssituation der beiden VG-Gemeinden liegt der Rotstift nahe. Da gerät schnell in Vergessenheit, dass die Kinder und Jugendlichen von heute die Bürger von morgen sind, dass Jugendarbeit ein Standortfaktor sein kann, der eine Gemeinde attraktiv macht.
Die Rechnung ist ganz einfach: Dank der Förderung durch den Landkreis und der Zusammenarbeit der drei Gemeinden belaufen sich die Kosten für den Jugendpfleger für Poxdorf auf rund 14700 Euro pro Jahr. Bei 328 Kindern und Jugendlichen muss die Gemeinde für jeden jungen Bürger 44,70 Euro im Jahr ausgeben. Das sind 3,70 Euro im Monat.
