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Eine Forchheimerin und eine Million Pinguine

Annika Beyersdorff machte sich auf Patagonien zu erwandern - 05.07. 13:28 Uhr

Buenos Aires  - Die Forchheimerin Annika Beyersdorff hat sich mit ihrer italienischen Freundin Sara und deren Familie von Buenos Aires aus auf den Weg nach Patagonien gemacht, in den südlichsten Zipfel Südamerikas. Ihr Bericht von dort liest sich teilweise wie ein eher bedrohliches Abenteuer. Aber: Es geht gut aus.


Annika und einer von einer Million Pinguinen im vertrauten Gespräch...
Annika und einer von einer Million Pinguinen im vertrauten Gespräch...
Foto: Beyersdorff
Annika und einer von einer Million Pinguinen im vertrauten Gespräch...
Annika und einer von einer Million Pinguinen im vertrauten Gespräch...
Foto: Beyersdorff

Obwohl ich nun schon seit knapp sechs Monaten in Argentinien war, hatte ich vom Land außer meiner kleinen Provinz noch nichts gesehen. Deshalb beschloss ich, meine beste Freundin hier, Sara, eine Austauschschülerin aus Italien, auf einer Reise nach Patagonien, die sie mit ihren italienischen Eltern geplant hatte, zu begleiten. Meine Gasteltern waren begeistert von der Idee, da sie fanden, ich hätte ohnehin noch zu wenig vom Land gesehen.

Von Monteros aus mussten wir zunächst die stundenlange Busfahrt nach Buenos Aires auf uns nehmen. Dort angekommen galt es zunächst mal, die Gruppe an Italienern, die aus Saras Eltern und zwei weiteren Männern bestand, zu finden. Wir warteten an der Busstation (die in Buenos Aires die Größe eines Bahnhofs hat) an der vereinbarten Stelle, bis plötzlich Saras Name ausgerufen wurde.

Ganz auf die Art „Die kleine Sara sucht ihre Eltern...“, bloß eben andersherum. Als wir uns schließlich gefunden hatten ging das wilde italienische Gerede los. Erstmal verstand ich natürlich nichts, aber während dieser Reise lernte ich auf wundersame Weise Italienisch (Sara ist immer noch davon überzeugt, ich habe eine italienische Seele, weil ich eine Sprache spreche, die ich nie gelernt habe).

Von Buenos Aires aus startete unser Flugzeug in den Süden des Landes, nach 'Trelew', gelegen in der Provinz Chubut. Die ersten Tage verbrachten wir in der am Meer liegenden Stadt 'Puerto Madryn' in einem recht einfachen Hotel.

Das wohl beeindruckendste Erlebnis während unseres Aufenthaltes war wohl der Ausflug zum 'Punto Tombo'. An diesem Ort befinden sich etwa eine Million Pinguine, die vor den Besuchern keinerlei Angst haben, sodass man tausende an Tieren in seiner Umgebung hat, die auch noch Spaß daran zu finden scheinen, für Erinnerungsfotos zu posen.

Das nächste Flugzeug brachte uns nach 'El Calafate', in die südliche angrenzende Provinz 'Santa Cruz'. Im Landeanflug konnte man bereits Gletscherspitzen aus den tief hängenden Wolken herausragen sehen und uns wurde klar, welch atemberaubende Landschaft uns dort unten erwartete.

Diese grandiose Landschaft  bekamen wir zu sehen, während wir mit einem Kleinbus von 'El Calafate' in den wohl beliebtesten argentinischen Ort für Trekking und Wandern 'El Chalten' fuhren.

Dort angekommen bereiteten wir uns auf die erste Trekkingtour der Reise vor. Gerüstet mit Zelten und den nötigsten Campingutensilien brachen wir auf in die Weiten der Patagonischen Berglandschaft. Saras Mutter ist im italienischen Alpenverein und schritt daher mit recht raschem Tempo voran. In den folgenden Tagen wurde von uns allen eine gute Kondition und Durchhaltevermögen gefordert.

Da im Gepäck nicht mehr Platz gewesen war, schliefen Sara und ich während des Trekkings zu zweit in einem Einmannzelt – gemeinsam mit unseren großen Rucksäcken. Es war extrem eng, aber wenigstens wurde die Luft im Zelt schneller wärmer, denn nachts sank die Temperatur auf unter 0°C.

Nachdem wir am zweiten Tag des Trekkings morgens aufgebrochen waren, war plötzlich der (theoretische) Leiter der Gruppe, Massimo, verschwunden. Da er schon in den vorherigen Tagen allen permanent auf den Nerv gegangen war und keinerlei Rücksicht gezeigt hatte, waren zunächst alle eher verärgert als besorgt.

Das änderte sich allerdings, als er nach längerem Suchen und Rufen immer noch nicht wieder aufgetaucht war. Schließlich sahen wir als einzige Möglichkeit, zum Zielcampingplatz zu laufen und zu hoffen, Massimo befände sich schon dort. Als wir drei Stunden später dort ankamen, war dort allerdings keine Spur von ihm. Da es schon angefangen hatte zu dämmern, wollten wir per Funk eine Suchmeldung losschicken, doch in diesem Moment tauchte ein vollkommen wütender Massimo auf.

Nach dem Trekking erwartete uns der Ausflug zum wahrscheinlich berühmtesten Gletscher der Welt: 'Perito Moreno'. Als ich vor den unvorstellbaren Mengen an zerklüftetem Eis stand, merkte ich schnell, dass er diesen Ruf nicht umsonst weg hatte. Einen Gletscher hatte ich mir immer als starre Masse vorgestellt, bei der man höchstens mit Zeitraffer und über Jahre hinweg eine Bewegung wahrnehmen konnte. 'Perito Moreno' bewies mir das Gegenteil: Minütlich krachten Eisbrocken mit einem donnernden Geräusch aus 30-50 Metern Höhe in das eisblaue Wasser.

Auf dem Programm stand außerdem eine Bootstour über Argentiniens größten See 'Lago Argentino'. Für Sara wurde diese Bootstour allerdings zum schrecklichsten Erlebnis der Reise. Auf dem Steg, der zum Schiff führte, wollte sie ein Foto machen, doch die Kamera entglitt ihr und fiel in den See. Mit ihr 1549 Bilder, die sie bis zu diesem Zeitpunkt aufgenommen hatte.  Dementsprechend groß war dann natürlich bei allen das Entsetzen.

Schließlich kam der Zeitpunkt, an dem ich nach sechs Monaten Argentinien das erste Mal wieder verließ, um den chilenischen Teil Patagoniens kennen zu lernen.
Nachdem wir die chilenische Stadt 'Puerto Natales' besichtigt hatten, begannen wir von dort aus das zweite Trekking. Während des Trekkings wachten wir eines Morgens auf und stellten fest, dass unser Zelt sich inmitten einer Schlammlache befand.

Es hatte die ganze Nacht geregnet und somit die Erde in Schlamm verwandelt und mit ihm unser Zelt bedeckt. Auch innerhalb des Zeltes war alles nass. Das einzige was wir hatten, waren leere Trinkflaschen und ein 100 Meter entfernter Fluss eisigen Wassers (Im wahrsten Sinne des Wortes, denn es trieben Eisbrocken im Wasser). Damit versuchten wir dann mühselig, die Zelte zu säubern.

Ich kann mir bis heute nicht erklären wie genau, aber irgendwie haben wir es schließlich geschafft.  Auf wundersame Weise waren auch die nass gewordene Kleidung und Schlafsäcke am Abend wieder relativ trocken. Nach der Trekkingtour machten wir uns auf den stundenlangen Weg in die südlichste Stadt der Welt 'Ushuaia' und somit zurück in den argentinischen Teil.

Viel zu schnell war es Zeit, uns von Patagonien zu verabschieden und in das Flugzeug zu steigen, das uns zurück nach Buenos Aires brachte.
  



Annika Beyersdorff

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