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Über 3700 Kilometer trennen die Geburtsorte von Anne-Helene Haaland und Mounir Sghairi. Er wurde im Nordwesten Tunesiens, in dem kleinen Ort Bousalem geboren. Sie kam in Oslo auf die Welt, wuchs in Südnorwegen auf. Beide wollen die Welt kennen lernen.
„In Norwegen ist es fast normal, dass die jungen Leute ins Ausland gehen“, erzählt Anne-Helene Haaland. Von den 80 Abiturienten ihres Jahrgangs seien 13 sofort ins Ausland, viele andere etwas später. In der Schule schon lernt sie deutsch, verbringt dann ein Jahr als Aupair in der Schweiz.
Anne-Helene Haaland ist niemand, der lange zaudert, was aus ihm werden soll. Sie spielt Fußball, Handball, schwimmt, macht den Trainerschein für Karate, Haaland weiß, ein gesunder Körper ist ein wichtiger Baustein für ein zufriedenes Leben. Sie will Physiotherapeutin werden. 1989 besteht sie die Aufnahmeprüfung für die Berufsfachschule in Erlangen und zieht um. Ihr erstes Bergkirchweih-Erlebnis: „Autos, Menschen, Lärm, Krach. In Norwegen gibt es so große Menschenzusammenkünfte nicht“, sagt die 44-Jährige und lacht.
Dafür geht man dort jederzeit mal kurz zum Nachbarn auf einen Kaffee rüber. „Das ist in Deutschland schwierig. Da muss man vorher anrufen und einen Termin ausmachen.“
Mounir Sghairi kommt ein Jahr später in Erlangen an. Hinter ihm liegen schon einige Abenteuer. In Tunis hat er Biologie studiert und am Klinikum in der Bakteriologie gearbeitet. „Ich bin sehr ehrgeizig und wollte noch mehr kennen lernen“, erzählt Sghairi. Der heute 49-Jährige begibt sich auf die Suche. Sechs Monate wohnt er im Studentenwohnheim in Basel, dann kehrt er zurück nach Tunesien. In seiner Heimatstadt wird er Präparateur, eine Art Assistent des Lehrers für naturwissenschaftliche Fächer. Er bereitet die Versuche vor. „Das hat sich mit meinem Ehrgeiz nicht vereinbaren lassen.“ Eine Zufallsbekanntschaft verschlägt ihn nach Erlangen. In Deutschland merkt er, hier könnte er finden, was er sucht. „Die Disziplin hat mir gefallen.“
Wenn er an den ersten Deutschkurs denkt, muss Mounir Sghairi schmunzeln. „Ich hatte jeden Tag Kopfweh.“ Französisch kann er fließend, aber das harte Deutsch mit der „komischen“ Satzstellung lernt sich nur mühsam.
Sghairi springt ins eiskalte Wasser: Er wird Möbelverkäufer in Nürnberg. „Das Schöne an Deutschland ist, wenn man etwas erreichen will, dann liegt es an einem selbst, es zu verwirklichen. Wer etwas leistet, bekommt auch etwas zurück.“
Acht Jahre später: Anne-Helene Haaland arbeitet als ausgebildete Physiotherapeutin in Herzogenaurach. Im E-Werk findet eine lateinamerikanische Party-Nacht statt. „Eigentlich wollte ich gar nicht mehr weg und dann bin ich zum ersten Mal in meinem Leben ins E-Werk. Ich gehe rein, sehe sie und wusste, sie ist es“, erzählt Mounir Sghairi.
Am Ende des Abends werden Telefonnummern getauscht, ein Treffen folgt und dann schon das Ende der Beziehung, die gerade erst in der Luft lag wie ein Hauch Parfum. „Ich habe gedacht, das kann doch alles nicht wahr sein“, sagt Haaland. Ist der Südländer wirklich noch ungebunden oder flunkert er nur?
Drei Monate wartet Mounir Sghairi, dann ruft er nochmal an, lädt sie zum Chinesen ein und „er hat die richtigen Worte gefunden“, lacht Haaland verschmitzt.
Lange war Mounir Sghairi auf der Suche, jetzt hat er nicht nur die Frau seines Lebens gefunden, auch alles andere findet und fügt sich ganz schnell. Der ehemalige Fußball-Jugendnationalspieler absolviert die Physiotherapeuten-Ausbildung, jobbt dafür als Nachtportier. 2001 kommt Sohn Yassin auf die Welt, 2002 wird die Praxis in Forchheim eröffnet, 2004 heiraten die beiden und Tochter Ines wird geboren. Die Hochzeit fand in Forchheim statt. Standesamtlich. Anne-Helene Haaland ist Protestantin, ihr Mann Muslim. Die Kinder wachsen im muslimischen Glauben auf, gehen aber in den Religionsunterricht. „Ich halte nichts von Intoleranz und Fanatismus, das ist uns Tunesiern fremd“, sagt Sghairi.
Vor sieben Jahren haben die Sghairi-Haalands in Baiersdorf gebaut, wohnen nun in ihrem eigenen Haus. Deutschland ist Heimat geworden. Aber nicht die einzige: Die Kinder wachsen mit drei Kulturen und Sprachen auf. „Ich unterhalte mich mit ihnen auf norwegisch, mein Mann auf arabisch und untereinander sprechen sie deutsch“, erzählt Anne-Helene Haaland. Gekocht wird international, meistens steht ihr Ehemann am Herd. „Ich probiere gern etwas aus, die vielen Gewürze aus Tunesien.“
Mindestens einmal im Jahr geht es nach Norwegen und Tunesien, um das Heimweh zu stillen. 3700 Kilometer Entfernung machen da keinen Unterschied: „Ich vermisse das Meer, die Natur und das Familienleben. Bei uns kann die Oma nicht mal eben zum Kindergeburtstag kommen“, sagt Haaland. Ihr Mann nickt.

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