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Dabei wird die musikalische Warteschleife zum Ereignis, Rolf Zuckowski zum Protest-Sänger, und Griechenland zur „bosporalen Finanzkorrosion“. „Das Letzte aus den besten sechs Jahren“ enthält gefällige Melodien, unauffällige Gemeinheiten und überfälligen Unsinn, allerdings kaum abfällige Kommentare und schon gar keinen zufälligen Satz.
Auch wenn der Auftritt der Sächsisten Pointen im Akkord aufweist. Nach dem Prinzip „kurze Hose – lange Leitung“ albert sich das verrückt-perückte Duo durch die Musikgeschichte. Von Henry Maskes langsamem Walzer, über ein „Mitmachlied übers Vögeln“, bis zu Chris de Burghs Erdnussflips-Schlagern, beide verstehen ihr musikalisches Handwerk, und das zugehörige Mundwerk.
Dazwischen immer wieder neckische Plaudereien, bevor die Verfremdung auch den nächsten Song eiskalt am Auftakt erwischt. Die Fassade der falschen Haare, der schiefsitzenden Kleidung und der Bontempi-Kinderorgel täuscht. Auch die Pose des Improvisierens, des Nur-So-Dahin-Gesagten, des scheinbar Austauschbaren führt das Publikum in die Irre.
Bei „Zärtlichkeiten mit Freunden“ ist alles geplant. Was man an vielen Details erkennen kann. So wie bei einer Nummer, die mit einem faszinierenden Decrescendo verblasst. „Das habe ich ein bisschen gemacht wie Dvorak“, heißt es danach lapidar.
Wenige Takte später darf der „Bigbandleader Frank Sinalco“ sich ganz dem Rausch des Geräuschs hingeben, monströse Country-Songs absondern und zweideutige Eindeutigkeiten in Gebärdensprache andeuten. „Das ist wie lebendig begraben, aber Seebestattung.“
Nach fast drei Stunden mentaler Fußreflexzonenmassage und der Entfernung einiger Hirnhornhäute mittels verbalen Bimssteins wird einem der ganzheitliche Ansatz des Duos klar.
„Machen wir Musik. Das lenkt auch ab.“ Eine krude Mischung aus Monty Python, Wayne’s World und Samuel Becketts „Endspiel“ nimmt ihren Lauf.
Zwar sitzen „Zärtlichkeiten mit Freunden“ nicht in Mülltonnen auf der Bühne, ihre kunstvollen, doch nichtssagenden Dialoge sind jedoch kaum weniger absurd. Von Stimmhygiene keine Spur.
Stattdessen wird darüber philosophiert, wer später „die Kotze rauskärchern“ darf, wie man als Chi-Rennläufer Erfolg hat und wieso einige Zuschauer ja-panisch reagieren.
Bei Gitarrist Ines Fleiwa (Klarname: Stefan Schramm) und Schlagzeuger Cordula Zwischenfisch (alias Christoph Walter) gehören Mimik und Komik ganz eng zusammen.
Und eine fast schon kindliche Freude an Kalauern, am Schauspielern und an abstrusen Ausdrucksformen. „Das ist richtiger Dreck hier. Aber den Leuten gefällt es. Etwas für den erwerbsschwachen Bodensatz in der letzten Reihe.“ Während der Schlagzeuger das Zeug zum Schlager hat, geht der Kelch, gefüllt mit David Hasselhoff-Hits und Bud-Spencer-Weisheiten nicht an uns vorüber.
Obwohl die „Band“ auch sehr laut werden kann, sind beide doch eher Vertreter des leisen Humors. Und so dürfen wir zeitlosen musikalischen Grausamkeiten beiwohnen, die durch die Behandlung der „Zärtlichkeiten mit Freunden“ immerhin noch eine künstlerische Note eingehaucht bekommen. Erträglicher werden sie dadurch aber kaum.
Manchmal treten sie aber auch auf der Stille. Oder bemühen das „pornographische Gedächtnis“ und den „French-Scheiß,“ der dem Zuschauer zuweilen einen wohligen Schauer über den Rücken jagt.
Zärtlichkeiten mit Freu(n)den: Weil das Publikum beifällig zugibt, dass es ihm gefallen hat, gibt das Bühnenpersonal noch einige Zugaben. Zugegeben: gar nicht so übel.
