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Es muss nicht immer ein Leben im Heim sein

Programm der Lebenshilfe bietet erwachsenen Behinderten ein selbstständiges Leben in eigenen Wohnungen - 21.02. 10:00 Uhr

FORCHHEIM  - „Was denkst du denn, wie viel Geld du diesen Monat noch übrig hast?“, fragt Sozialpädagoge Karlheinz Reger seinen Schützling Marco Sharma. Der 28-Jährige zögert erst, lacht nervös, bevor er antwortet: „So 130 Euro vielleicht?“ Karlheinz Reger nickt und klopft ihm auf die Schulter. Zusammen mit Christian Rödel sitzen sie am Tisch und gehen die Finanzen für diesen Monat durch. „Eigentlich können die zwei ihr Geld mittlerweile selbst einteilen“, erzählt der Sozialpädagoge, der im Moment noch den Schlüssel für die Geldkasse bewahrt.

Marco Sharma, Christian Rödel und Karlheinz Reger (v.li.) besprechen die Finanzen für den restlichen Monat.
Marco Sharma, Christian Rödel und Karlheinz Reger (v.li.) besprechen die Finanzen für den restlichen Monat.
Marco Sharma, Christian Rödel und Karlheinz Reger (v.li.) besprechen die Finanzen für den restlichen Monat.
Marco Sharma, Christian Rödel und Karlheinz Reger (v.li.) besprechen die Finanzen für den restlichen Monat.

Marco und Christian sind zwei von insgesamt 21 Bewohnern in zwölf Wohneinheiten, die von Bereichsleiter Reger und seiner Kollegin Angelika Schütz im Rahmen des AUW betreut werden. 1997 wurde das Projekt bereits gegründet, doch erst seit 2008 tragen die Bezirke Mittel-, Ober- und Unterfranken die Kosten.

Nicht mehr ins Heim

„Wir müssen heute noch einkaufen gehen“, wirft Christian ein. „Wir brauchen Getränke“, pflichtet Marco ihm bei. Marco, der bei Piasten arbeitet, ist lernbehindert und lebt seit 2004 selbstständig im Rahmen der AUW. Mit Christian und seiner Freundin teilt er sich die geräumige Wohnung in der Kantstraße. „Sein Kalle“ betreute ihn dabei von Anfang an. Und Marco bemüht sich sichtlich: Der Boden ist gewischt, die Zimmer sind aufgeräumt und die Küche ist sauber. Im Heim möchte er nämlich keinesfalls mehr wohnen.



Zu festen Terminen besucht der Sozialpädagoge die verschiedenen Wohnungen und hilft, wo Hilfe nötig ist. „Das ist von Bewohner zu Bewohner unterschiedlich.“ Körperlich Beeinträchtigte bräuchten vor allem physische Hilfe, während geistig Behinderte viele Gespräche fordern würden und Hilfe beim Aufbau von Sozialkontakten bräuchten. Bei Marco und seinen Mitbewohnern beschränkt sich die Hilfe auf die Verwaltung der Finanzen, das Einkaufen gehen und die Planung von Terminen oder gemeinsamen Ausflügen. „Es ist wichtig, dass die Bewohner neben der Arbeit auch noch andere Dinge gemeinsam unternehmen.“

Reger weiß, wovon er spricht. Seit mehr als elf Jahren arbeitet der Diplom-Sozialpädagoge für das Programm AUW der Lebenshilfe. „Unser Ziel ist eigentlich unsere Arbeitslosigkeit“, schmunzelt der Pädagoge, während er Marco sein Taschengeld für die Woche in die Hand drückt. „Das schönste an meiner Arbeit ist, dass sie von den AUW-Bewohnern so wertgeschätzt wird.“

Selbstständigkeit fördern

Die oberste Aufgabe der Betreuer des AUW sei es, die Bewohner zu absoluter Selbstständigkeit zu erziehen. „Marco und Christian sind auf dem besten Weg“, bestätigt Reger. Aber eine hundertprozentige Erfolgsgarantie gebe es nicht. Selten kommt es vor, dass Bewohner wieder für einen Heimplatz angemeldet werden.

Der erfahrene Betreuer erklärt: „Die Bewohner müssen sich schon auch bemühen und bereits zu Beginn einen gewissen Grad an Selbstständigkeit vorweisen.“ An dem Programm der AUW schätzt Karlheinz Reger vor allem die Inklusion. „Heime wirken isolierend.“ Aber hier würden die Behinderten in einer „ganz normalen Nachbarschaft“ leben.

Und das hat nicht nur Vorteile für die AUW-Bewohner. Viele Nachbarn waren skeptisch. Aber nach wenigen Wochen lösten sich die Vorurteile auf. Marco und die anderen Bewohner kamen ihren Pflichten pünktlich nach. Der Gehsteig ist gekehrt, die Hausordnung gemacht. Und der Erfolg bestätigt Marco in seinem Stolz: „Es ist so viel schöner, eigenständig zu leben.“
  



Lena Knauer

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