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„Die Fledermäuse überwintern normalerweise ab November in Höhlen oder leeren Bierkellern, die in der Fränkischen Schweiz ja sehr häufig vorkommen“, erzählt Friedrich Oehme, der sich seit mehr als 20 Jahren mit den kleinen Flattertieren beschäftigt. „Es kann schon mal vorkommen, dass sie bei wärmeren Tagen im Januar ihren Stoffwechsel in Schwung bringen.“ Der 72-Jährige hat es allerdings noch nicht erlebt, dass die Tiere ihren Winterschlaf wegen extremer Kälte unterbrechen.
Bei Karsten Gees vom Landesbund für Vogelschutz in Bayreuth (LBV) allerdings haben sich in den vergangenen Tagen bereits einige besorgte Tierfreunde gemeldet, die verirrte Fledermäuse gefunden haben. Dies schreibt Gees in einer Pressemitteilung.
Matthias Hammer, Koordinator für den Fledermausschutz in Nordbayern, erklärt, dass längst nicht alle Fledermäuse vom Frostweckmechanismus betroffen sind: „Es gibt Arten, wie beispielsweise der Abendsegler, die nicht wie andere in Höhlen überwintert, stattdessen aber in Bäumen.“ Dies sei bei diesen Temperaturen natürlich längst nicht so frostsicher wie die geschützten Höhlen. Die Tierchen werden durch die extreme Kälte wach und begeben sich auf eine lebensgefährliche Suche nach anderen Quartieren, die ihrem alten zwar ähnlich, jedoch wärmer sind. Der Abendsegler sucht sich also einen dichteren Baum. Als weiteres Beispiel nennt der Fledermausschutzbeauftragte die Zwergfledermausart, die in Mauer- oder Felsspalten überwintert und sich auf Grund der Kälte nun tiefere Spalten suchen muss. Die Suche endet längst nicht bei allen Exemplaren erfolgreich.
Mit letzter Kraft landet manch erschöpftes Tier schließlich in Kellereingängen, auf Fußmatten vor Haustüren oder gar im Kinderzimmer. Um die Bedenklichkeit dieser Situation weiß auch Friedrich Oehme, der sich als gelernter Elektronikingenieur mit den Ultraschallaufzeichnungen von Fledermäusen beschäftigt hat. Der Rentner empfiehlt im Falle eines Fundes die Tierchen vor allem vor Fressfeinden zu schützen, „erstmal nicht zu wärmen, sondern kalt zu lassen“, um dann schnellstmöglich den Fall beim Bund Naturschutz zu melden. Matthias Hammer stimmt dem zu. „Man darf die Tiere sowieso nicht so sehr an menschliche Pflege gewöhnen.“ Ein Schuhkarton in einem kühlen Keller würde den kleinen Säugetieren schon genügen. Und auf Grund des im Winter heruntergefahrenen Stoffwechsels ist auch Füttern nicht hilfreich.
„Größere Auswirkungen hat die Kälte auf die Fledermäuse dennoch nicht“, so Hammer. Schließlich hätten die Fledermäuse früher auch harte Winter überlebt. Der Diplombiologe zieht es in Erwägung, dass die Evolution einfach vorsieht, dass Arten wie der Abendsegler durch seine Wahl des Winterquartiers nicht zu den stärkeren und damit überlebenden Fledermausarten gehört. Aber Hammer räumt auch ein, dass die kleinen Säugetiere auf jeden Fall zu schützen seien. Traurig findet er demnach, dass nicht die Kälte, sondern der Mensch „die größte Bedrohung für diese wunderbaren Geschöpfe“ ist und bleibt.
Der Bund Naturschutz Forchheim, Telefon (09191) 65960, sowie die Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Nordbayern, Telefon (09131) 8528788, stehen im Falle eines Fundes und für weitere Fragen zur Verfügung.
