Mittwoch, 16.01.2019

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Forchheim: "Die Geburt Christi" in der Johanniskirche aufgeführt

Gelungenes musikalisches Wagnis - Zwei Dutzend Musiker und 100 Stimmen - 24.12.2018 08:00 Uhr

Es müssen nicht immer Bach oder Händel sein: In der Kirche St. Johannis wurde „Die Geburt Christi“ von Heinrich von Herzogenberg aufgeführt. © Foto: Udo Güldner


Am Anfang ist noch viel von Finsternis und Feindschaft die Rede. Es ist "die alte Geschichte" des Propheten Moses vom Sündenfall. Noch sind die Seelen alleine, der Verdammnis preisgegeben.

Und doch leuchtet am Horizont die zarte Hoffnung auf Erlösung. Ein anderer Prophet ist es, Jesaja nämlich, der den gemeinsamen Chor aus gleich zwei Johannis-Kantoreien, die eine aus Lauf an der Pegnitz mit Markus Kumpf, die andere aus Forchheim mit Stephanie Spörl, von Gram und Schmerz befreit.

Klangwelt eines Brahms

Dazu braucht es nur die Sätze eines Martin Luther, die Gedanken eines Christoph Fürchtegott Gellert und die Klangwelt eines Johannes Brahms. Der Textkompilator Friedrich Spitta und der Komponist Heinrich von Herzogenberg haben daraus am Ende des 19. Jahrhunderts ein beeindruckendes Werk erschaffen.

Als Erzähler steht kein Bachscher Evangelist vor den Zuhörern. Vielmehr teilen sich die Propheten die prosaische Aufgabe, die Handlung in Rezitativen voranzutreiben. Ihnen leihen die wortgewaltigen und zugleich sanftzüngigen Bassisten Jakob Mack und Tobias Germeshausen aus Würzburg ihre Stimmen, die tief hinab ins Alte Testament abtauchen.

Später im Oratorium, die Verheißung hat sich schon erfüllt, sind es die fabelhaft feinfühligen Tenöre Rainer Bittermann aus Nürnberg und Sebastian Köchig aus Schwarzenbruck, die einen helleren Ton anschlagen können. Schließlich gibt es einen Neuen Bund, der in himmlische Höhen verweist.

Alle haben sie Johannes vertont

Wer hat nicht alles die Worte aus dem Johannes-Evangelium vertont: Heinrich Schütz, Dietrich Buxtehude, Georg Philipp Telemann und natürlich Johann Sebastian Bach: "Also hat Gott die Welt geliebt" ist die zentrale Botschaft des dreiteiligen Oratoriums. Weshalb der Doppelchor ganz glaubhaft aus sich herausgeht, was die Lautstärke angeht.

Sobald die eigentliche Weihnachtsgeschichte, angelehnt an das Lukas-Evangelium, ihren Lauf nimmt, schlägt die Stunde der weiblichen Stimmen.

Den Erzengel Gabriel gibt Edeltraud Rupek aus Würzburg so ausdrucksvoll, dass Sigrun Haaser aus Aschaffenburg als lyrische Maria gar nicht anders kann als die beseelte Muttergottes zu spielen.

Als im Mittelteil des Chorwerkes ganz ausdrücklich von ihrer Schwangerschaft gesprochen wird, klingt noch einmal der "englische Gruß" in den Streichern nach.

Die zwei Dutzend Musiker der "Laufer Stadtstreicher" unter Leitung Heidi Brauns stützen die fast 100 Stimmen unter dem leuchtenden Stern, sind es doch ungewöhnliche, bisweilen auch an Richard Wagners "Parsifal" erinnernde Harmonien, die von den Sängern gefordert werden.

Kaum aber sind die Hirten auf dem Felde gefragt, der Verkündigung der Engel zu lauschen, nimmt Birgit Wehr aus Stein mit ihrer Oboe die Sänger bei der Hand und führt sie, auf der Kanzel hat sie den Überblick, hin zum Erlöser im Stall. Das Gloria der Gläubigen ist dann keineswegs ein lautstarkes Siegesgebrüll, sondern eher innige Freude, die den messianischen Nachwuchs nicht erschrecken möchte. Sich aber ihrer Sache gewiss ist.

Auch Weihnachtslieder dabei

Inmitten all der biblischen Worte hat Heinrich von Herzogenberg auch zahlreiche Weihnachtslieder wie "Vom Himmel hoch, da komm ich her" oder "Als ich bei meinen Schafen wacht" eingefügt, die allerdings nicht so klingen, wie man das erwarten würde. Da ist der Komponist ebenso von Mendelssohn-Bartholdys Chorklang inspiriert, wie von Brahms’ kühner Harmonik und von Humperdincks Märchenoper.

Das traumsüße Wiegenlied "Joseph, lieber Joseph mein", mit dem das Jesuskind eingeschläfert wird, bevor die Engelein mit Trompetenschall die ganzen Mühen wieder zunichte machen, erinnert schon sehr an "Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh". Der Laufer Markus Ellinger am Harmonium, das wie die Sänger atmet, um Töne zu erzeugen, ist oft der einzige, der den Solisten folgen darf. Mit spätromantischer Orgelwucht aus den Fingern und Füßen des Berliner Organisten Harald Berghausen wendet sich der Komponist von der Geburt Christi ab.

Das Licht ist in die Welt gekommen. Da braucht es kein weiteres Wort. Aber starken, lang anhaltenden Beifall eines Publikums, das immer wieder in den Chorälen mitgesungen hat. Es müssen nicht immer Bach oder Händel sein, wenn man hochklassige Konzerte hören will. 

UDO GÜLDNER

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