Mittwoch, 19.12.2018

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Frauen haben es im Sport-Ehrenamt nicht leicht

Martina E. Kellner hat sich durchgesetzt - 06.11.2017 17:35 Uhr

Martina E. Kellner © Foto: Kellner


"Dass sich der Bayerische Fußballverband darum bemühen will, mehr Frauen fürs Ehrenamt zu begeistern, ist für sich ein unterstützenswertes Anliegen. Die Klubs suchen händeringend nach Helfern, weil immer mehr jahrzehntelange Leistungsträger wegbrechen. Bei den Frauen besteht tatsächlich viel ungenutztes Potenzial. Obwohl sie auch in unserem Verein gut ein Drittel der Mitglieder stellen, sind die wenigsten in einer Position engagiert. Bei nur zehn von 190 Fußballvereinen im Kreis steht eine Frau an der Spitze (wird die erweiterte Vorstandschaft mit Gremien und Schriftführer-Tätigkeit hinzugezählt, sieht die Quote freundlicher aus; d.Red.). Ein Austausch unter Vorstandsfrauen stieß bisher leider nicht auf Interesse.

Viel gewonnen ist durch den einen oder anderen Informationsabend aus meiner Sicht nicht. Da predigt ein Verband mal wieder Wasser — und trinkt selbst Wein. Der Fußball und auch der bfv sehen sich noch immer als Männer-Domäne, das zeigt die Besetzung der Posten beim bfv und das zeigt die kleine Nebensache, dass die Frauen auf dem Internetportal in der Hierarchie der Ergebnisse nach den Herren noch hinter den G-Junioren geführt werden.

Es ist natürlich auch eine Sache der Persönlichkeit, dass Frauen lieber im Elternbeirat aktiv sind anstatt Versammlungen zu leiten. Aber es schlägt ihnen ja von vornherein schon Misstrauen entgegen. So bin ich bei meiner Wahl zur Vorsitzenden doch quasi verhört worden, wie fundiert meine berufsbedingten Kompetenzen aus Betriebswirtschaft und Rechnungswesen denn überhaupt seien. Es hat knapp ein Jahr gedauert, bis ich mir das Vertrauen und den Respekt erarbeitet hatte. Mit der gleichen Zaghaftigkeit, die meinen männlichen Vorgängern noch nachgesehen wurde, wäre ich gescheitert. Mir kommt entgegen, dass ich gerne auf die Leute zugehe. Es wird schon registriert, wenn ich auch einmal an der Sportheim-Theke mithelfe oder bei Heimspielen unserer 1. Mannschaft eine Runde um den Platz drehe.

Selbst der Kleidungsstil wird bei Frauen beäugt. Da sind wir im Fußballverein gerade auf dem Land häufiger an der Grenze zum Sexismus als im Alltag. Wie ich mir am besten Gehör bei einer Versammlung verschaffe, habe ich zum Glück inzwischen herausgefunden: mit einem Löffel und einer Bierflasche."

 

gu

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