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Bei einem Kurzbesuch hatten wir die Gelegenheit, im Beisein von Kirchenvorstand Georg Hostalka ein Gespräch mit dem künftigen Seelsorger Matthias Haag, nicht verwandt mit dem früheren Dekan Haag in Muggendorf, zu führen. Wir erlebten einen weltoffenen, lockeren Gesprächspartner mit klaren Idealen. Nicht nur der Himmel strahlte an diesem Tag in blühender Natur auf die sonnige Terrasse. Vor einer Woche stieg Haag nach sieben Monaten permanenter Abwesenheit aus dem Flieger. Seine Wirkungsstätte ist noch Israel.
1958 in Schweinfurt geboren, studierte Haag in Erlangen und Marburg Theologie und absolvierte sein Lehrvikariat in Baiersdorf. Er ist verheiratet. Die Grenzöffnung erlebte er in Neustadt b. Coburg, die erste selbstverantwortliche Stelle hatte er in Laufach im Spessart inne. Von 1998 bis 2010 wirkte Haag im sozialen Brennpunkt eines Stadtteils von Erlangen, praktizierte Ökumene im weitesten Sinne in der Zusammenarbeit mit christlichen, jüdischen und islamischen Gemeinden.
„Was ist mir wichtig außer der Verkündigung an andere“, fragte sich Haag. Um das herauszufinden, nahm er sich eine zweijährige Auszeit, ließ sich beurlauben und ging nach Israel. Als Personalreferent fand er seinen Platz in Nes Ammim, einer Einrichtung christlich-jüdischer Versöhnung. Sie unterstützt den Dialog zwischen arabischen und jüdischen Israelis sowie den Palästinensern. „In dieser Zeit lernte ich Israel als wunderschönes Land kennen. Ich erlebte, wie die Religion den Menschen ihre Identität gibt, sie stützt, aber sie auch trennt. Ich spürte die latente Bedrohung im Lande und den unschätzbaren Wert des Friedens.“
Nach dieser intensiven Erfahrung will Matthias Haag wieder in seinen vertrauten Kulturkreis als Pfarrer zurückkommen. „Ich mag Gleichmacherei nicht. Heimat als geschätzter Lebensraum, aber mit der großen weiten Welt verbunden sein“, ist seine Devise. Das sei auch die spannende Herausforderung für die Menschen hier im Zeitalter des Internets.
Pfarrer Löblein verließ im November Hetzelsdorf in den Ruhestand. Regionalbischöfin Dorothea Greiner gab einen kurzen „Funkspruch“ nach Israel. Ende Februar schickte Matthias Haag seine Frau Ulrike als „Spionin“ nach Hetzelsdorf. Es gab erste Kontakte. „Wenn ihr Mann die Hälfte der Qualität seiner Frau bringt, ist die Pfarrstelle gut besetzt“, stellten Hostalka und seine Mitstreiter fest. Ulrike Haag schickte Bilder nach Israel, schilderte ihre Gefühle. Für ihn stand schnell fest: „Da bewerb’ ich mich.“ Ebenso rasch war der Beschluss der Kirchenvorstände gefasst. Haag wird mit offenen Armen empfangen.
Er wirkt sehr lebhaft. Eintauchen in die eigene Kultur und eine leckere fränkische Brotzeit seien ja auch etwas Gutes. Wieder ernster werdend betont Haag, er suche die klassische Aufgabe des Pfarrers, Gottesdienste, Unterricht, Seelsorge, gelebte, lebensbegleitende Rituale. Möglichst wenig Bürokratie.
Kirchenvorstand Georg Hostalka erwähnt bei dieser Gelegenheit die Problematik, einen Pfarrer für infrastrukturschwache Regionen wie Hetzelsdorf zu gewinnen, wo man selbst für Grundnahrungsmittel ins Tal nach Hagenbach zum Metzger oder Bäcker fahren müsse. Ein Phänomen, das für weite Teile Oberfrankens ein Handicap darstelle.
Der künftige Pfarrherr wird eine Interimswohnung im Gemeindebereich beziehen. Die Lindanbelastung im Pfarrhaus gegenüber der St. Matthäuskirche übersteigt die Grenzwerte um das Tausendfache. Das Dach mit dem obersten Gebälk muss bei der bereits eingeleiteten Sanierung erneuert werden. Eineinhalb Jahre gehen dafür voraussichtlich ins Land.
Matthias Haag sieht es gelassen und ist gespannt auf seine neue Aufgabe. Visionen? „Die habe ich, möchte aber zuerst die Wirklichkeit kennen lernen“, meint er. „Eine hammerschöne Kirche“, entfährt es dem künftigen Pfarrherrn bei einem kurzen Gang durch die Kirche St. Matthäus, seine künftige Wirkungsstätte.
Die Pläne in Hetzelsdorf sind auch schon sehr konkret. Die Einführung erfolgt am Sonntag, 29. Juli, um 14.30 Uhr. Am 4. Mai aber geht es zunächst zurück nach Israel. Bleibt schließlich noch die Frage, ob die zwei geliebten Katzen von dort auch den Weg mit in die neue Heimat mitgehen dürfen.

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