Samstag, 17.11.2018

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Frost im Frühjahr: Teilweise Totalausfall bei Obsternte

Kleine Betriebe bedroht - Frostschäden unterschiedlich verteilt - 07.09.2017 06:00 Uhr

Anni Reichold blickt bei der Zwetschgenernte auf reich tragende Bäume. Die Frostnächte haben sie in Ortspitz gut überstanden — dank der Höhenlage des Ortes.


Herbert Hubmann nennt das Kind gleich beim Namen. Von "starken Frostschäden" spricht der Geschäftsführer der Absatz- und Verwertungsgenossenschaft Igensdorf. Dort liefern rund 1000 Obstbauern aus dem Umkreis Kirschen, Zwetschgen oder Mirabellen an, die über Supermärkte und Großhändler deutschlandweit in den Obstschalen der Bürger landen. Mit einem Vergleich demonstriert Hubmann die Auswirkungen der kalten Nächte Ende April.

Zählte die Genossenschaft im vergangenen Jahr noch 1000 Tonnen angelieferte Süßkirschen, waren es dieses Jahr gerade mal 500 Tonnen. Gleiches gelte auch für die Zwetschge, auch hier sei die Hälfte der üblichen Ernte dem Frost zum Opfer gefallen. "Wir können nicht alle Kunden bedienen", sagt Hubmann über die gleichgebliebene Nachfrage nach Früchten. Sinkt gleichzeitig die Menge, steigt der Preis. Doch davon haben Bauern, deren Obstblüten erfroren sind, nichts. Wie ungleich sich die Schäden verteilen, zeigt ein Blick nach Hagenbach.

"Die Arbeit bleibt die gleiche"

Auf rund 3,5 Hektar, einer Fläche von zirka fünf Fußballfeldern, stehen die Äpfel-, Zwetschgen- oder Kirschenbäume von Georg Fleischmann. Einige Sorten seiner Äpfel tragen dieses Jahr gar nichts, andere gerade mal ein Viertel der üblichen Menge. "Als Nebenerwerbslandwirte können wir das noch eher verkraften", sagt Fleischmann. Er ist Mitglied in der Genossenschaft Obstmarkt Pretzfeld, die sich für die Vermarktung mit den Igensdorfer und Mittelehrenbacher Kollegen in der Igensdorfer Absatz- und Verwertungsgenossenschaft zusammengeschlossen hat.

In Pretzfeld zählt die Genossenschaft rund 300 Obstbauern, so Fleischmann, die zu 90 Prozent nebenberuflich die Bäume im Frühjahr schneiden und im Sommer bis in den Herbst hinein ernten. Der Igensdorfer Obstgroßmarkt mit seinen derzeit 1400 Mitgliedern gilt als größter Umschlagplatz für Süßkirschen in Europa. Das Einzugsgebiet erstreckt sich vom Fränkischen Seenland über die Hersbrucker Schweiz bis hin zu den Höhen der Fränkischen Schweiz. Selbst wenn die Ernte gering ausfällt - "die Arbeit bleibt die gleiche", so Fleischmann. Mehrere Frostjahre nacheinander und gerade junge Bauern hören mit dem Anbau auf, befürchtet Fleischmann. Das Geld ließe sich einfacher verdienen.

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Hubschrauber gegen Kälte

Auf großen Plantagen, wie rund um den Bodensee, versuchten die Besitzer ihre Blüte mit Hubschraubern zu retten. In den kalten Nächten stiegen sie auf, um die wärmeren Luftschichten über den Bäumen nach unten zu pressen, die Frostluft zwischen Bäumen und Blüten zu vertreiben. "Doch auch das war erfolglos", sagt Fleischmann. In der Fränkischen schützt mancher Bauer seine Bäume mit Dächern vor der drohenden Kälte, die eigentlich im Sommer, kurz vor der Ernte, über Kirschbäumen zum Einsatz kommen, wenn der Regen droht, die Frucht aufplatzen zu lassen.

Die Kälte von oben kann damit ein wenig abgehalten werden. Doch alle Maßnahmen kosten Geld. Und der Aufwand stehe nicht immer im Verhältnis zum Ertrag, so Fleischmann. Glück gehabt hat dieses Jahr die Familie Reichold in Ortspitz. Auf 500 Metern liegt ihre 2,5 Hektar große Obstplantage. Gerade hoch genug für die Knospen, um die Frostnächte zu überleben. Während die niedrigeren und näher an der Ortschaft gelegenen Bäume der Landwirte in den Tagen vor der Kälte bereits zum Blühen begannen, verzögerten die Temperaturen in der Höhe ein frühzeitiges Austreiben.

"Totalausfall" für Williams Birne

"Bei uns hat der Frost deshalb nicht viel ausgemacht", sagt Anni Reichold. Nur wenige Meter weiter, in kalten Senken, dort wo die kalte Luft Zeit hat, anzugreifen, sind Ausfälle zu beklagen. Im Nebenerwerb konzentriert sich die Familie auf die Süßkirsche. Mirabellen, Äpfel und Birnen verarbeiten die Reicholds für den destillierten Genuss. "Allerdings hat es die Williams Birne gravierend erwischt", sagt Reichold und spricht von einem "Totalausfall".

Auch die Bäume von Fleischmann in Hagenbach haben die kalten Nächte unterschiedlich gut verkraftet. Schon wenige Meter machten einen Unterschied. "Bäume, die 50 Höhenmeter höher stehen, hatten zum Zeitpunkt der Frostnächte die Blüten noch nicht stark entwickelt", sagt Fleischmann. Das hat ihn vor einen Totalausfall der Ernte bewahrt.

Jährliche Zitterpartie

Für besonders geschädigte Landwirte hatte die Bayerische Staatsregierung in den vergangenen Jahren ein Hilfsprogramm aufgelegt und zinslose Darlehen oder Steuervergünstigungen ermöglicht. Auch für dieses Frostjahr sind finanzielle Hilfen zugesagt. Doch Georg Fleischmann aus Hagenbach bezweifelt, dass die hiesigen Nebenerwerbslandwirte davon profitieren.

"Es muss nachgewiesen werden, dass die Schäden existenzgefährdend sind", sagt Fleischmann. In dieser Situation seien eher die Vollerwerbslandwirte mit großflächigem Anbau.

Fleischmann hat bereits das nächste Erntejahr im Blick. Dann beginnt die Zitterpartie, beim Blick auf das Thermometer während der Blütezeit erneut.

  

Patrick Schroll Redakteur Nordbayerische Nachrichten Forchheim E-Mail

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