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Fußballer kümmert sich um arme Kinder Südafrikas

Tobias Eisgrub aus Forchheim absolviert soziales Praktikum - 10.11.2017 10:50 Uhr

Tobias Eisgrub arbeitet als Praktikant einer Fußballschule mit Kindern aus Armutsvierteln Südafrikas.


Township Lwandle ist eine jener heruntergekommenen Armuts-Siedlungen, die zu Zeiten der Rassentrennung in Südafrika entstanden sind – Lwandle gehört bis Weihnachten zur Arbeitsumgebung von Tobias Eisgrub. Bei Somerset West, knapp 50 Kilometer vom Zentrum der Metropole Kapstadt entfernt und bekannt für seine Weinberge, treffen zwischen den abgeriegelten exklusiven Wohnvierteln der privilegierten Bevölkerungsschicht und den verwahrlosten Gassen Welten aufeinander.

Der 22 Jahre alte BWL-Student hat sich zwischen Bachelor und Master für ein soziales, unbezahltes Praktikum der außergewöhnlichen Sorte entschieden. Zur Vorbereitung holte der Buckenhofener nützliche Ratschläge für einen längeren Auslandsaufenthalt im Allgemeinen ein und beschäftigte sich speziell mit Südafrikas Kultur. Die Realität freilich wirkt mit größerer Wucht. "Die Schere zwischen Arm und Reich, Schwarz und Weiß ist riesig. Innerhalb von Minuten und Kilometern bekomme ich teilweise ein brutales Kontrastprogramm zwischen abgelegenem Luxus und Wellblechhütten geboten, das Touristen und wohl auch die meisten Einheimischen nicht erleben."

Essensrationen nach dem Training

Tobias Eisgrub hat inmitten extremer Eindrücke, die von Ausflügen in die Natur noch ergänzt werden, eine Aufgabe. Zu Hause betreute er neben der aktiven Fußballkarriere als Verteidiger beim Bayernligisten Jahn Forchheim die Jugend im Heimatverein, nun ist er für die U18 der Soccer Akademie "Young Bafana" zuständig. Rund 100 Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren stehen im Mittelpunkt eines Projekts, das der deutsche Gründer Bernd Steinhage mit weniger als einer handvoll hauptamtlichen Kräften aufgebaut hat.

In der Fußballschule wird täglich trainiert. Nach jeder Einheit werden Essens-Portionen für eine ausgewogenere Ernährung verteilt, die zur Verfügung gestellten gebrauchten Schuhe zur Sicherheit wieder verwahrt. Mit Bussen werden die Spieler, die mittlerweile aus Townships bis Kapstadt kommen, hin- und zurücktransportiert. "Durch die Fahrerei bleibt viel Zeit auf der Straße liegen. Aber einen regulären Tagesablauf gibt es in Afrika sowieso nicht, es wird improvisiert", erklärt Eisgrub. Trotzdem gibt es bei den Betreuern, die Ansprechpartner, Mentoren und Paten zugleich sind, eine morgendliche Konferenz. Der Anspruch lautet, qualifizierte Übungen durchzuführen. Mehrere Mannschaften messen sich dank einer Klub-Kooperation im Spielbetrieb, im Ausnahmefall gelingt den besten Talenten aus der höchsten Juniorenliga sogar einmal der Sprung zu einem großen Klub.

Anstatt aber den Traum einer Profikarriere zu vermittteln, geht es viel mehr darum, Perspektiven für das ganze Leben zu schaffen. In einer örtlichen Schule erhalten die Fußballer, deren Sport im Vergleich zum ebenfalls weit verbreiteten Cricket noch immer als Beschäftigung der Unterschicht gilt, Englisch- und Matheunterricht. Im Gegenzug nimmt eine Gruppe Privatschüler im Akademie-Training teil. "Das finde ich sehr wichtig, weil der Austausch Hemmschwellen abbaut und Integration fördert", sagt Eisgrub. Die Basiskommunikation für alle erfolgt über die universale Sprache des Balles.

Wer wissen möchte, wie er "Young Bafana" helfen kann, findet Informationen unter www.youngbafana.com 

KEVIN GUDD

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