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Gößweinstein: SPD wirbt für Umgehungsstraße

Bürger sind gespalten — Vorteil oder Nachteil für die Innenstadt? - 16.12.2017 14:00 Uhr

Schmal sind die Straßen durch den Ort: Viele Bürger ärgern sich auch deswegen über den Schwerlastverkehr. Die SPD wirbt für die Umgehung. © Beke Maisch


Die Sprecher der SPD, Jürgen Kränzlein, Georg Bauernschmidt, Bernhard Vogel und Ferdinand Haselmeier erklärten dabei unisono, dass die Südumgehung für eine erfolgreiche Weiterentwicklung alternativlos sei. Die große Mehrheit der Versammlungsteilnehmer sah dies nach der Vorstellung der Trassen durch Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG) ebenso.

Erste Planungen zu einer Südumgehung reichen zurück bis ins Jahr 1974. Der damalige Hollfelder Architekt Franz Neuner kam schon vor über 40 Jahren zu dem Schluss, dass mit einer Umgehungsstraße alle Verkehrsprobleme beseitigt wären.

Inzwischen gibt es schon den siebten Ausbauplan des staatlichen Bauamts — mit nur noch einer einzigen möglichen Variante: vom Trafohäuschen in Richtung Leutzdorf und von dort eine neue Staatsstraßenverbindung auf die Etzdorfer Straße und über den so genannten „Finsterweg“ zur Staatsstraße zwischen Gößweinstein und Pottenstein.

Baut man diese Trasse, müsste sich der Markt finanziell nicht beteiligen. Klar wurde während der Versammlung, dass eine Umgehung aber nur dann kommt, wenn die Gößweinsteiner sie mit Nachdruck fordern. Argumente für eine Umgehung sind die Verkehrsbelastung, die zu einer schlechten Aufenthaltsqualität führt, der Schwerlastverkehr, illegales Parken, die Bushaltestelle am Marktplatz, die Leerstände und die schmalen Gehsteige. Wie Bauernschmidt erklärte, liegen die Vorteile für eine Umgehung auf der Hand. Die Staatsstraße könnte zur Gemeindestraße abgestuft werden.

Mit Mitteln der Städtebauförderung könnten die Gehsteige dann abgesenkt und barrierefrei gemacht werden. So könnte ein Fußgängerbereich mit Neugestaltung des Marktplatzes unter Einbeziehung des Rathauses, falls dieses ins Pfarrhaus kommt, entstehen — wenn möglich wieder mit einem Brunnen am Marktplatz.
Profitieren davon würde laut SPD vor allem die Gastronomie mit Außenbewirtung. Man erhofft sich aber auch neue Investoren die dann Leerstände, wie die Gasthäuser Rose und Sonne, die ehemalige Basilika-Apotheke oder die Bäckerei am Markt wieder beleben.

„Ein Ort wird nicht durch Autos entdeckt“, so Haselmeier, der zum Beispiel einen Marktbrunnen als weitere Attraktion sieht. Auch die Arge Tourismus und Wirtschaft forderte bereits 2010, den Schwerlastverkehr aus dem Ort zu verbannen und das Halten von Bussen vor der Basilika zu verbieten. Irrig sei die Meinung mancher Geschäftsleute, der Ort würde nach dem Bau einer Umgehungsstraße aussterben, so Haselmeier.

Wie Kränzlein erklärte, solle diese erste Veranstaltung zur Südumgehung zu einem Stimmungsbild der Gößweinsteiner führen. Die SPD will die Bürger für diese Idee gewinnen. Da der Markt kürzlich die Erstellung eines integrierten Stadtentwicklungskonzepts beauftragt hat, wolle man, dass die Bürger in dieses Projekt einbezogen werden. Für den früheren Marktrat Reinhard Brendel braucht es nicht unbedingt eine Südumgehung — habe man mit der B470 doch schon die Nordvariante, die zudem die billigste aller Lösungen sei. Brendel sah die Staatsstraße die mitten durch Gößweinstein führt, von Mautflüchtlingen missbraucht. „Kann man denn nicht schon in Pottenstein und Ebermannstadt ein Schild aufstellen dass Gößweinstein für Fahrzeuge über fünf Tonnen gesperrt ist“, fragte Brendel. Außerdem hielt er die Querung vom Trafohäuschen in Richtung Leutzdorf zum Finsterweg für die „größte Sünde“. Denn damit durchschneide man eine einzigartige Heckenlandschaft. Er schlug vor, von der Leutzdorfer Doline aus eine Verbindung zum Finsterweg zu bauen.

Vogel befand, dass die Bundesstraße nicht als Umgehung genutzt wird. „Kommt die Umgehung, wird die Ruhe in Gößweinstein erschreckend sein“, befand Brendel daraufhin. Denn nach seiner Meinung ziehe es dann niemanden mehr nach Gößweinstein. Dies sah Kränzlein anders. Denn mit Burg und Basilika habe man einzigartige Attraktionen im Ort.
„Gößweinstein ist ein sehr attraktiver Ort, der noch attraktiver wird, wenn er verkehrsberuhigt ist“, gab Haselmeier Kränzlein recht.

Bei der Statistik des Staatsministeriums, die Zimmermann vorstellte, sind nach Meinung von Rainer Polster (FWG) schon Fahrzeuge über 2,5 Tonnen Schwertransporter. Diese Aussage will Kränzlein überprüfen lassen.

Walter Bogner trat mit Nachdruck für die Umgehung ein. „Das dann weniger Kunden und Gäste kommen, sind veraltete Ansichten“, so Bogner. Konrad Schrüfer (FWG) bezweifelt das. Niemand im Ort würde dann noch ein Geschäft aufmachen. Er will lieber den Finsterweg ausbauen. Dann zahle aber Gößweinstein und nicht der Staat, konterte Leicht. Die Diskussion wird fortgesetzt. 

THOMAS WEICHERT

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