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Gößweinstein: Wird Pfarrhaus zum Rathaus?

Idee präsentiert: Barocker Bau neben Basilika soll umgebaut werden - 14.12.2017 10:00 Uhr

Das historische Pfarrhaus direkt neben der Basilika wurde Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet und steht derzeit zum großen Teil leer. Die Gemeindeverwaltung bekäme 765 Quadratmeter zur Verfügung. © Fotos: Thomas Weichert


Der einzige Tagesordnungspunkt war der Sachstandsbericht zum Rathausneubau. Die 25 Zuhörer staunten nicht schlecht, als Balthasar Neumanns Nachfolger Florian Selig in seiner Eigenschaft als Architekt des Erzbistums Bamberg die Pläne zum Umbau des neben der Basilika stehenden historischen Pfarrhauses zum neuen Rathaus vorstellte.

Platz genug, sogar auch noch für das Pfarrbüro oder die Tourist-Info, ist in dem riesigen prachtvollen dreistöckigen Gebäude, das einst von Neumanns Mitarbeiter Johann Jakob Michael Küchel in den Jahren 1747 bis 1748 mitten auf dem Marktplatz erbaut wurde. Der Ursprungsplan stammt von Balthasar Neumann noch bevor das alte und kleinere Pfarrhaus an gleicher Stelle dem so genannten "Schmalzkübelbrand" 1746 zum Opfer fiel.

Bei möglichen Umbaumaßnahmen unangetastet bleibt der barocke Fürstensaal mit dem Wappen des damals amtierenden Fürstbischofs Freiherr Johann Philipp Anton von und zu Frankenstein. 765 Quadratmeter hätte die Verwaltung in dem Barockbau zur Verfügung und im Dachgeschoss sogar noch einen Mehrzweckraum mit Küche, der sicherlich auch als Sitzungssaal für den Gemeinderat genutzt werden könnte. Für ein zweckmäßiges Rathaus bräuchte man nur etwa 550 Quadratmeter Platz. Ein Aufzug soll für Barrierefreiheit sorgen.

Zimmermann ging zunächst kurz auf die Historie der Standortsuche für das Rathaus ein. Diskutiert wurde der Abriss des alten Rathauses und dort ein Neubau. Weiterhin der Kauf des Gasthofes Rose mit Umbau zum Rathaus und schließlich der Neubau eines Rathauses auf dem Hallenbadareal. Nun kam "Kollege Zufall" ins Spiel.

Nach der Firmung in diesem Jahr in der Basilika, die Generalvikar Georg Kestel hielt, traf sich ein kleiner Kreis zum Mittagessen im Scheffel-Gasthof. Dabei auch Regionalkantor Georg Schäffner. Ihn fragte Kestel, welche Nutzung er sich für das fast leerstehende Pfarrhaus vorstellen könnte. So kam Schäffner spontan auf die Idee, dem Generalvikar eine Nutzung als Rathaus vorzuschlagen. Diese Idee nahm Kestel mit nach Bamberg und besprach Schäffners Vorschlag mit Baudirektor Josef Schwab.

Als Schwab am 20. Juli bei einem Betriebsausflug des Ordinariates nach Gößweinstein mit dabei war, war er von Schäffners Idee begeistert. Kurzfristig wurde Bürgermeister Zimmermann angerufen, der auch spontan dazu kam und ebenso begeistert war.

Schwab ließ von seinem Architekten erste Pläne fertigen, die zunächst den Räten und nun der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Für Zimmermann gehört ein Rathaus nach wie vor in die Ortsmitte. Gerade weil der Ort im Wandel ist und immer mehr Geschäfte im Zentrum schließen. Wie Architekt Selig unter anderem ausführte, könne die Kommune das erste, zweite und dritte Obergeschoss, außer dem Fürstensaal – der aber auch für Trauungen und Empfänge dienen könnte – nutzen. Auch eine Verlegung der Tourist-Info in das Untergeschoss des Pfarrhauses wäre möglich. Sogar Parkplätze hätte man für ein neue Rathaus auf der Pfarrwiese hinter dem Pfarrgarten, der eben so erhalten bliebe, mehr als genug. Auch hier gehören alle Grundstücke entweder der Kirchenstiftung oder der Pfarrpfründestiftung.

"Gewisser Charme"

So weit es der Denkmalschutz zulässt, würde das Pfarrhaus energetisch saniert. "Das Rathaus im Pfarrhaus am Marktplatz hat einen gewissen Charme", so Peter Helldörfer (CSU). Jürgen Kränzlein (SPD) ist nicht so ganz begeistert. Einerseits lässt sich das Pfarrhaus nur durch eine entsprechende Nutzung nachhaltig sichern, andererseits sieht er als Mieter die Unabhängigkeit der politischen Gemeinde in Gefahr. Kränzlein will mehr als nur einen Mietvertrag, einen Vertrag auf "Augenhöhe". Wie man juristisch diesen Vertrag gestalten könne, hängt letztendlich von der Regierung ab, dazu Schwab.

"Ich bin in einfachen Verhältnissen aufgewachsen in denen Eigentum immer im Vordergrund stand", so Georg Lang (CSU), der das Konfliktpotenzial bei zwei Herren über einem Haus als sehr hoch einschätzt. Das Ganze werde nicht billig. "Was kostet uns die Miete?", wollte Bernhard Vogel (SPD) wissen und "wie lange dauert die Bauzeit?", war die Frage von Benno Beck (BMG). "So weit sind wir noch nicht", so Zimmermanns Antwort zur Miete und der Architekt schätzt, das man nächstes Jahr planen und ab 2019 zwei Jahre lang bauen könnte. Falls die Regierung entsprechend hohe Zuschüsse bewilligt.

Für die Vitalität des Ortes brauche man einen lebendigen Marktplatz, warb Zimmermann für die Idee. Und den bekomme man eben mit einem solventen Eigentümer wie der Kirche und einem solventem Mieter wie der Gemeinde hin. "Wir sind eine über 1000 Jahre alte Firma", erklärte Schwab, Kirche und Gemeinde müssten eine gemeinsame Verantwortung vor Ort wahrnehmen. "So lange ich in der Diözese noch etwas zu sagen habe, werde ich dahinterstehen", betonte der Baudirektor des Erzbischofs.

Energieversorgung im Blick

"Gößweinstein kann sich wirklich über diese Vorlage freuen", betonte Konrad Schrüfer (FWG). Denn vom Zentrum lebe der ganze Ort. Schrüfer brachte die Wärmeversorgung ins Spiel. Auch daran hatte der Architekt bereits gedacht. Denn würde man das kircheneigene marode Wohnhaus oberhalb des Pfarrhauses "Am Kreuzberg 11" wegreißen und dort ein zentrales Blockkeizkraftwerk bauen, könnte man nicht nur alle kirchlichen Gebäude bis hin zum St.-Franziskus-Kindergarten mit Fernwärme beheizen, sondern sogar die Grund- und Mittelschule und viele private Haushalte.

Lang zweifelt

Lang bezweifelte jedoch das man die Hackschnitzel in diesem Ausmaß über die engen Straßen auf den Kreuzberg überhaupt liefern kann. Daniela Drummer (FWG): "Die Gößweinsteiner Kirche ist offen und geht einen ganz großen Schritt nach vorne. Das finde ich modern und ganz toll." Mieter zu werden, ist aber auch für Dietmar Winkler (CSU) nicht unbedingt erstrebenswert. Er wollte wissen was die Kirche mit dem Pfarrhaus macht, wenn die Idee mit dem Rathaus nicht zum Tragen kommt. "Wenn es nicht zustande kommt, sehe ich einen weiteren Werteverfall für das Pfarrhaus", so die Antwort von Kirchenpfleger Bernhard Schrüfer.

"Wenn es nach mir gehen würde, wären wir schon viel weiter", schloss Zimmermann die Debatte. Der Beschluss war einstimmig: "Das Vorhaben, das Rathaus im Pfarrhaus unterzubringen, soll weiter verfolgt werden." Nun sind die Planer des Erzbistums wieder am Zug. 

THOMAS WEICHERT

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