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Haydn, Mozart, Beethoven: Harmonisch schroff

Bamberger Streichquartett und ein blasender Kollege im Schlosspark Unterleinleiter - 27.06.2017 16:50 Uhr

Das Bamberger Streichquartett, hier mit dem Klarinettisten Günther Forstmaier (re.), sorgte im Schlosspark Unterleinleiter für einen heiteren Nachmittag auf lauschiger Wiese, der Lust auf mehr machte. © Foto: Udo Güldner


"Ach, wenn wir nur auch Clarinetti hätten!" Im Dezember 1778 klagte Wolfgang Amadeus Mozart, der sich in Paris aufhielt, seinem Vater Leopold in Salzburg sein Leid. Zurück in Wien traf er den Klarinettisten Anton Stadler, befreundete sich mit dem lebenslustigen Musikus und schrieb ihm einige virtuose Stücke.

So auch das Kegelstatt-Trio, die beiden kegelten leidenschaftlich gerne. Aber anders als bei seinem weltberühmten Klarinettenkonzert stellte Mozart den Holzbläser nicht besonders ins Rampenlicht. Vielmehr nahm Günther Forstmaier, erster Klarinettist der Bamberger Symphoniker, neben seinen Kollegen Platz und wurde nicht nur äußerlich einer der ihren.

Intimer Dialog

Ihr schimmernder Streicherton vernetzte sich mit seinem hörbaren Atem zu einem intimen Dialog auf Augenhöhe. Er gab der Komposition, die melancholisch wirkte, ohne larmoyant zu sein, geistige Freiheit und klangfarbige Schönheit. Der von Hecken, Büschen und Bäumen umsäumte Konzertsaal wurde so zum Ort unbegreiflich schöner Melodien, die empfindsamen Gemütern zu Herzen gehen mussten.

Wie Günther Forstmaier sein Instrument zwischen dem hellen A-Dur und dem dunkleren fis-Moll singen ließ, war tatsächlich ein Akt des kontrollierten Loslassens, ein zauberischer Moment, der sich jeder Beschreibung entzieht. Wie Mozart war auch Ludwig van Beethoven ein Schüler Joseph Haydns. Doch für die musikalische Revolution des jungen Feuerkopfes aus Bonn konnte sich der abgeklärte Meister mit Rückzugsraum in Schloss Esterhaza (Eisenstadt) nicht erwärmen. Haydns Streichquartette waren — und sind — geistreiche Unterhaltung auf höchstem Niveau. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Den Menschen verbessern

Beethoven strebte nach mehr. Wie Friedrich Schiller mit dem Wort suchte der Komponist mit Tönen den Menschen zu verbessern. Sein idealistischer Ansatz spiegelte sich in der Tonsprache, die nicht gefallen wollte. Sie wollte aufrütteln, mitreißen, erschüttern, letztlich reinigen. Damit beendete er, auch wenn das erst im Nachhinein deutlich wurde, die Wiener Klassik und brach der Romantik Bahn.

Sein "Komplimentier-Quartett", das einen an die wehmütigen Kompositionen Franz Schuberts erinnerte, ließ denn mit seinen dynamischen und harmonischen Schroffheiten nicht lange auf sich warten. Wie unerhört muss das vor mehr als 200 Jahren geklungen haben, wenn man heute bei wild wirbelnden Bögen schon Angst haben musste, die glänzend aufgelegten Musiker könnten sich im Eifer des Gefechts verletzen.

Bereits 18 Streichquartette hatte Haydn bis 1772 geschrieben. Dann befasste er sich fast zehn Jahre nicht mit dieser Gattung. Vielleicht waren ihm die Ideen ausgegangen. Vielleicht hatte er die Zeit für einige seiner 104 Sinfonien genutzt. Nach dieser kammermusikalisch kreativen Pause als "Artist in Residence" beim ungarischen Fürsten Esterhazy legte er sein op. 33 vor. Es wurde ein kühnes Experiment, das sich ganz von seinen vorigen Stücken abwandte. Aus den leicht vergnüglichen Divertimenti, in denen in barocker Manier ein Cello als Generalbass und eine etwas in den Hintergrund geschobene Bratsche zwei solistische Geigen nur begleiteten, wurden Werke, die allen Instrumenten den gleichen Rang einräumten.

So saßen Raúl Teo Arias, Andreas Lucke (Violinen), Karlheinz Busch (Violoncello) und Branko Kabadaic (Viola) nebeneinander, spielten sich die italienisch angehauchten Themata mit sommerlich leichter Hand zu und erfreuten sich und das Publikum an den glänzenden Kostbarkeiten. Sie hatten nicht nur für den übermütigen Bauerntanz ein Händchen, sondern auch für den musikalischen Spaß, der Haydns Werken ein unverwechselbares Gepräge gibt.

Hier waren es mehrere Generalpausen, die den Zuhörern immer wieder weismachen wollten, das Streichquartett sei zu Ende. Als dann tatsächlich die Bogen ruhten, brach der Beifall aus und wollte nicht enden.

ZDas nächste Konzert im Schlosspark Unterleinleiter bestreitet am Samstag, 8. Juli, ab 17 Uhr das Salonorchester Ferenc Babari. Wer "Beschwingt in den Sommer" kommen will, kann sich Karten bei der Buchhandlung Streit in Forchheim und der Tourist-Information in Ebermannstadt oder an der Abendkasse besorgen.

 

UDO GÜLDNER

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