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Heroldsbach: Zehn-Punkte-Plan gegen Hochwasser

Schlagabtausch: Peter Münch fordert Umdenken von Edgar Büttner - 07.08.2018 08:00 Uhr

Land unter: Das Hochwasser vom 5. Juli 2018 traf Hausen und Heroldsbach besonders heftig. © News5/Merzbach


"So komplex die Ursachen der Zerstörung durch Starkregen sein können, so komplex sind die Maßnahmen, die wir jetzt angehen müssen", so Gemeinderat Peter Münch (FWOe). Münch fordert ein Hochwasserschutzkonzept für die gesamte Gemeinde Heroldsbach inklusive der Überprüfung der hydraulischen Leistungsfähigkeit des Abwassernetzes. In der Gemeinde gebe es seit dem Jahr 2014 ein Hochwasserschutzkonzept, welches nur Maßnahmen auf Flächen entlang des Hirtenbachs berücksichtige, um sie bebaubar zu machen. Man müsse hier ganzheitlich denken, fordert Münch. Nach seiner Auffassung sei es auch sinnvoll, ein gemeinsames Konzept mit der Nachbargemeinde Hausen zu initiieren, da Wasser ja bekanntlich nicht an der Gemeindegrenze halt mache.

Rückhaltebecken gefordert

In einem zweiten Punkt fordert Peter Münch, die zeitnahe Umsetzung der seit Jahren beschlossenen Regenrückhaltebecken. Seit rund 20 Jahren werde über die Errichtung von Regenrückhaltebecken in Poppendorf, Oesdorf und Wimmelbach diskutiert, letztmalig im Jahr 2015 im Abwasserzweckverband Heroldsbach-Hausen.

Dort wurde beschlossen, dass die Regenrückhaltebecken umgehend gebaut werden sollten. Begonnen werden sollte damals in Oesdorf. Selbst das Wasserwirtschaftsamt fordert hier die Vorlage von Planungen mit einer Fristsetzung bis 31.12.2018, so Peter Münch.

Der Gemeinderat sieht hier die kommunalen Entscheider in der Verantwortung: "Leider wird nur auf Zeit gespielt und es geschieht — nichts."

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"Ja ist denn schon wieder Wahlkampf?", schmunzelt hier Erster Bürgermeister Edgar Büttner (SPD), der Münch nur populistisches Wahlkampfgetöse vorhält, denn wie bereits hinter vorgehaltener Hand zu erfahren war, soll Münch für die Freien Wähler in den nächsten Kommunalwahlkampf ziehen.

Die Behauptung von Münch weist er als Stimmungsmache zurück. "Das Wasserwirtschaftsamt hat, nachdem die Gemeinde ihre Hausaufgaben bei den Regenrückhaltebecken gemacht hat, eine Verlängerung der Umsetzungsfrist auf 31.12.2021 festgelegt", so Edgar Büttner. Außerdem habe man das Oesdorfer Rückhaltebecken aufgrund der Vorgaben des Wasserwirtschaftsamtes noch umplanen müssen. Hierfür seien noch rund 160 Quadratmeter Fremdfläche erforderlich. Die Kaufpreisverhandlungen könnten in den nächsten Wochen abgeschlossen werden, dann würden alle Flächen für die Realisierung eines Überlaufbeckens in Oesdorf vorhanden sein.

Versicherung empfehlen

Im "Zehn-Punkte-Plan" finden sich noch andere Forderungen. Nach Peter Münchs Meinung solle man die Bevölkerung mehr sensibilisieren, ihr Hab und Gut durch eine Elementarversicherung abzusichern. Dies sieht Bürgermeister Büttner nicht als Aufgabe der Gemeinde an.

Heroldsbachs Bürgermeister Edgar Büttner. © Foto: Amon


Als weitere Punkte nannte Münch, eine Verbesserung des Gewässerunterhalts auf den Weg zu bringen. Hier handele man von Seiten der Gemeinde bereits. Auch will Münch die Zisternenanzahl im Gemeindegebiet deutlich steigern. Trotz Erhöhung der gemeindlichen Förderung würden nur wenige Bauherren eine Zisterne einbauen, so Edgar Büttner. Welche Hilfe eine volle Zisterne bei einem Starkregen sein könnte, fragt er sich dennoch.

Außerdem müssten die Flächenversiegelungen mit wasserundurchdringlichem Material auf ein Minimum zurückgefahren werden. Zwar werde bei jedem Bauantrag darauf hingewiesen, dass möglichst auf eine versickerungsfähige Pflasterung des Hofes zurückgegriffen werden soll. Dieser Hinweis genügt aber nicht; vielmehr müssten verbindliche Vorgaben gemacht werden, fordert Münch.

Konkurrenz zu anderen

Hier sieht Bürgermeister Büttner rechtliche Probleme, entsprechende Verpflichtungen verbindlich zu machen. Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass man in Konkurrenz zu anderen Gemeinden stehe. Ein zunehmender Regulierungswahn sei hier kontraproduktiv, so das Gemeindeoberhaupt.

Peter Münch von den Freien Wählern. © Foto: Münch


Außerdem forderte Münch eine regelmäßige Reinigung der Gullys durch den gemeindlichen Bauhof. Die bestehende Weiherkette müsste als natürliche Rückhaltefläche nicht nur bestehen bleiben, sondern noch ausgebaut werden, so der Gemeinderat weiter. Münch fordert hier auch die Einführung einer gesplitteten Abwassergebühr im Verbandsgebiet, wie es per Verwaltungsgerichtsurteil gefordert werde. Man habe 2008 per Gemeinderatsbeschluss beschlossen, dass Heroldsbach mit einer "homogenen Siedlungsstruktur" keine gesplittete Abwassergebühr einführe und aufgrund der niedrigen "inhomogenen Siedlungsstruktur" von gerade einmal sieben Prozent auch gesetzlich nicht dazu verpflichtet sei, wies Edgar Büttner die Behauptung von Münch zurück.

Von den 1527 klassifizierten Grundstücken in Heroldsbach würden lediglich 107 Grundstücke sogenannte "atypische Entwässerungseinrichtungen" aufweisen, was einer Quote von rund sieben Prozent entspreche. Eine gesplittete Abwassergebühr werde erst ab zwölf Prozent gesetzlich gefordert, so Bürgermeister Büttner.

 

ALEXANDER HITSCHFEL

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