Dienstag, 20.11.2018

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Igensdorf hat bienenfleißige Mitarbeiterinnen

Mit "Kommunalbienen" gegen das Artensterben — Honig als Geburtstagsgeschenk - 09.06.2018 17:18 Uhr

Igensdorf hat mit seinen zwei Bienenvölkern eine Vorreiterrolle im Landkreis eingenommen. © Foto: Petra Malbrich


Überall summt es, nähert man sich der blühenden Blumenwiese in Oberrüsselbach. "Man bekommt auch mal einen Stich ab, aber das ist nicht so schlimm", sagt Clemens Meindel von der Igensdorfer Verwaltung, als er mit seinem Kollegen Jörg Sieben dort nach dem Rechten schaut.

Denn während die Bienen woanders seltene Gäste geworden sind, fliegen die "Kommunalbienen" in Igensdorf fleißig hin und her. Dieser Name für die Bienen hat sich im Rathaus eingebürgert, seit von Bürgermeister Wolfgang Rasts neuen "Mitarbeiterinnen" die Rede ist. Grund für deren Einstellung vor zwei Jahren waren die immer häufigeren negativen Nachrichten. "Immer mehr Imker haben aufgehört. Immer mehr Bienen sterben und sind die Bienen weg, ist es das Ende der Menschheit, so lauteten die Meldungen, die man täglich hörte", sagt Clemens Meindel. Für die Bienen, für die Natur und Umwelt wollten sich die Igensdorfer engagieren und haben eine Lösung gesucht. Da man eine Wiese im Gemeindebesitz und mit dem Bauhofmitarbeiter Jörg Sieben einen langjährigen Hobbyimker hatte, war die Idee, eigene Bienen zu halten, schnell geboren.

Damit hat man im Landkreis auch eine Vorreiterrolle eingenommen. Erworben wurden sogleich zwei Bienenvölker der Sorte Honigbienen "Backfast". "Das sind friedliche Bienen", sagt Clemens Meindel. Friedlich untereinander und auch den Menschen gegenüber. Meindel unterstützt Jörg Sieben bei der Betreuung der Bienen, hat dazu extra Lehrgänge, sogenannten Bienengrundkurse besucht. Beide Männer kümmern sich in ihrer Freizeit um die Kommunalbienen, die nun emsig am Werkeln sind.

Der Bund Naturschutz begrüßt das Igensdorfer Projekt, wirbt der Bund doch selbst für die von ihm initiierten Blühflecken. "Wir wollen erreichen, dass freie Flecken zu blühenden Wiesen werden und die Bienen und Insekten Nahrung finden", sagt Friedrich Oehme vom Bund Naturschutz. Auf allen Flächen könne man etwas wachsen lassen, auch Wildkräuter sollen wachsen, damit die Insekten Nahrung finden.

Durch die Kommunalbienen ist die Gemeinde Igensdorf auch hier schon einen Schritt weiter. "Bei den Grünflächen, die der Bauhof normalerweise mäht, wurden Bienenweiden angesät", verrät Sieben. Damit will man vor allem auch den vielen Obst- und Kirschbauern helfen, dass durch die blühenden Flächen mehr Bestäuberleistung möglich ist. Die Fortführung des Projekts befindet sich noch im Aufbau.

Völker kommen bald

Auch das Bienenprojekt für die Offene Ganztagesschule (OGTS) in der Grundschule in Igensdorf. "Dort entsteht ebenfalls ein Bienenwohnhaus. Nächste Woche kommen die ersten Bienenvölker", sagt Sieben. Das läuft über den Gartenclub in der OGTS und wird von Jörg Sieben mit betreut.

Eine Menge Freizeitstress kommt da auf den Bauhofmitarbeiter vor allem in den Sommermonaten zu. "Ab April muss man jeden Tag zu den Bienen", erklärt Jörg Sieben. Schließlich muss der Honig geschleudert, gefiltert, gerührt, abgefüllt und etikettiert werden. Vergangenes Jahr gab es kaum Honig. Das Wetter war schlecht und das Blütenangebot für die Bienen nicht besonders einladend. 16 Kilo Honig pro Volk war der Ertrag in Zahlen. Abgefüllt wird der Honig in 500 Gramm Gläsern.

Ob es heuer besser wird? "Die Obstblüte kam zu früh und zu schnell. Die Bienenentwicklung war da noch nicht so weit", erklärt Sieben, warum die summenden Helfer von der Obstblüte heuer nur wenig profitieren konnten. Was letztendlich als Honig im Glas landet, ist noch nicht vorhersehbar. Jedenfalls wird mit dem Honig der Kommunalbienen ein weiteres Alleinstellungsmerkmal in der Gemeinde erreicht: Ein Glas Honig der Kommunalbienen erhalten nur die Jubilare der Gemeinde als Geschenk zum hohen Geburtstag oder einer Jubel-Hochzeit. 

PETRA MALBRICH

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