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Beim Wort „Museum“ zögert der Vorsitzende Reinhold Geldner: „Das erweckt zu große Erwartungen. An das Niveau des Fränkische-Schweiz-Museums in Tüchersfeld werden wir nie herankommen. Aber es soll ein Kleinod entstehen, mit dem die Erinnerung daran wachgehalten wird, wie die Menschen hier früher gelebt und gearbeitet haben.“
In Hiltpoltstein existiert bereits ein Mini-Museum im Oberen Tor. In den Räumen ist unter anderem eine alte Sattler-Werkstatt untergebracht. Geldner verglich die Einrichtung mit einem Lehrbuch für dieses alte Handwerk: „Da fehlt fast kein Stück.“
Hinzu kommen das Schlafzimmer einer Bauernfamilie, Stiche des früheren Gerichtsschreibers von Hiltpoltstein und seiner Frau, eine Wiege aus Möchs und Schulmateralien aus jener Zeit, als die Kinder noch mit einer kleinen Raspel ihre Griffel spitzten und mit diesen in Sütterlin die wichtigsten Wörter auf Schiefertafel schrieben.
Inzwischen ist jedoch kaum noch ein Zentimeter frei im Torhaus. Die Mitglieder des Fränkische-Schweiz-Vereins sammeln seit 30 Jahren Utensilien aus früheren Jahrhunderten. Sie sind über den ganzen Ort verteilt dort untergebracht, wo eben noch ein Plätzchen in einem Schuppen, einem Dachboden oder einem Keller zu finden war. Größere landwirtschaftliche Geräte wie Eggen, Pflüge, Getreideputzmaschinen oder ein Flügelmäher birgt die Landkreis-Halle, doch durch den geplanten Neubau der Kirschenversuchsanlage muss dieses Lager wahrscheinlich geräumt werden.
Neben dem Brauhaus am Fuße der Burg steht eine Fachwerkscheune, die zu dem Anwesen gehört und die der Verein ebenfalls erwarb. Sie wird in das Ausstellungskonzept mit einbezogen und soll vor allem die größeren Objekte beherbergen.
Über die Stätte, wo die Burgherren sich einst ihren eigenen Trunk brauen ließen, ist bislang wenig bekannt. 1869 erwarb das Haus ein Schuhmacher zusammen mit zwei weiteren örtlichen Brauereien. Den Leitspruch „Schuster bleib bei deinem Leisten“ nahm er sich zu Herzen und besohlte dort lieber Stiefel und Halbschuhe, als sich der Braukunst zu widmen.
Der Ehrgeiz ist bei Reinhold Geldner und seinem Team geweckt: Im Zuge der Renovierung soll auch die Geschichte Hiltpoltsteins erforscht und Geheimnisse gelüftet werden. Das Gebäude schmiegt sich direkt an den Burgfelsen, so dass auf dieser Seite Feuchtigkeit Probleme bereitet. Zahlreiche Balken sind zu ersetzen.
Falls die Witterung mitspielt, könnte heuer noch die Erneuerung des Dachs angepackt werden und sich der Verein 2013 auf die Fassade und den Innenausbau konzentrieren. Die Burg-Brauerei, die auch Spörl-Haus genannt wird, steht unter Denkmalschutz. Erste Gespräche mit der Fachbehörde verliefen positiv.
Durch möglichst viel Eigenleistung möchte der Verein die Kosten, die sich derzeit noch nicht abschätzen lassen, so gering wie möglich halten. Auf Zuschüsse der Oberfrankenstiftung hofft man ebenso wie auf Spenden von Privatleuten.
Hiltpoltstein kann auf eine reiche Tradition an Handwerkern zurückblicken, wovon noch viele Zeugnisse vorhanden sind – sei es ein Büttnerhobel von 1744, eine Seegras-Zupfmaschine, die der Sattler zum Polstern benötigte, oder der mit vielen Ornamenten versehene Zunftkrug der Metzger von 1654.
Fasziniert hat Geldner, wie sich das Geschirr im Laufe der Zeit gewandelt hat. Da gibt es Töpfe, Kannen und Schüsseln aus Keramik oder Gusseisen, die in das offene Feuer des Herds gestellt wurden. Später kam Emaille in Mode. Und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg war Kreativität gefragt: In eine Konservendose der Amerikaner wurde schnell eine Schnaupe gehämmert und ein Henkel angeschweißt - schon konnte damit die Milch erhitzt und ausgegossen werden.
All diese Objekte sollen nach der Sanierung an drei Standorten präsentiert werden, die nahe beieinander liegen: im alten Brauhaus, der benachbarten Scheune und im Oberen Tor. Geldner: „Wenn sich in regelmäßigen Abständen eine Rockenstube organisieren ließe, wäre dies eine weitere Bereicherung fürs Gemeindeleben.“
